„Es war der richtige Schritt“

Als DJ unterwegs: Hochzeiten sind sein Hauptgeschäft

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Hat sich als Profi-DJ etabliert und vermittelt darüber hinaus 120 Hochzeiten jährlich an „seine“ zehn Diskjockeys: der Klein-Zimmerner Martin Meyer.

Der Klein-Zimmerner Martin Meyer hat sich als Profi-DJ etabliert – und vermittelt auch andere Diskjockeys. „Es war der richtige Schritt“ sagt er über seinen Berufswechsel.

Klein-Zimmern – Am Ende eines Interviews mit Leuten, die etwas gewagt haben, steht gern die Frage, ob sie es noch einmal tun würden. Martin Meyer beantwortet sie klipp und klar: „Es war der richtige Schritt.“ Vor fünf Jahren kündigte der 36-jährige Klein-Zimmerner seinen sicheren Job im Autohaus und setzte voll auf die Musik. Seither lebt Meyer den Traum vom Profi-DJ – und davon, dass Paare in den Hafen der Ehe einlaufen.

„Die Sache hat sich gut entwickelt“, berichtet der Diskjockey, der schon als 13-Jähriger seine ersten Auftritte am Plattenteller hatte und dessen Passion mit Mitte 20 ein neues Stadium erreichte. Damals intensivierte er das Auflegen zusehends, zunächst parallel zum eigentlichen Job. Gerade 30 geworden, traute sich Meyer die Zäsur: Seither lebt er davon, auf Veranstaltungen aller Art für Stimmung zu sorgen. „Vor allem auf unheimlich vielen Hochzeiten, „das ist mein Hauptgeschäft.“

Inzwischen sei er „jedes Wochenende“ im Einsatz, auch auf Firmenfeiern, Geburtstagen und Jubiläen. Die Hochzeiten aber, sie sind der Kern: Tief in die Materie eingearbeitet hat sich Meyer da, weit über den musikalischen Part mit professionellem Einheizen und den 200 000 Titeln, aus denen er wählen kann, hinaus. In einem Blog und in einem Youtube-Kanal befasst sich der Zimmerner mit dem Thema in all seinen Facetten, gibt Tipps für die Auswahl der Ringe ebenso wie zu potenziellen Hochzeits-Locations. Meyer ist viel rumgekommen, spricht von „Erfahrung aus 500 Hochzeiten“. Controller, Boxen und Lichttechnik zur Beschallung und Beleuchtung kleiner wie großer Feten liefert er bei Bedarf gleich mit. Zudem ergänzt sich gut, dass seine Ehefrau Patricia Weddingplanerin ist.

Ergänzen sich gut: DJ Martin und seine Ehefrau Patricia, die als Weddingplanerin Paare bei den Hochzeitsvorbereitungen unterstützt. Fotos: Dörr

Freilich hat auch das Jahr von Martin Meyer nur 52 Samstage. Um niemanden, der seine Dienste anfragt, vor den Kopf stoßen zu müssen – und jedem mit dem passenden musikalischen Begleiter für einen der wichtigsten Tage im Leben helfen zu können – , vermittelt der Selbstständige auch andere DJs. Kandidaten für die Zusammenarbeit im Rhein-Main-Gebiet, Meyers regionalem Schwerpunkt, gibt es prinzipiell zwar Hunderte. „Ich arbeite aber nur mit zehn DJs zusammen“, sagt er. Schließlich lege er hohe Maßstäbe für jene an, die er zu Veranstaltungen vermittele: „Denn ihr Auftreten fällt ja immer auch auf mich zurück.“ Deshalb kooperiere er „nur mit DJs, die Erfahrung haben und äußerst kundenorientiert sind“. Musiker, die ihren eigenen Geschmack ins Zentrum rücken wollten, seien bei ihm fehl am Platz. Und auch all jene, auf die er nicht hundertprozentig bauen könne: „Meine DJs müssen sehr zuverlässig sein – das ist das Allerwichtigste!“

Schließlich gebe es für Ereignisse wie Hochzeiten wenig Ärgerlicheres, als dass kurz vor dem großen Tag der DJ abspringe. Leider keine Seltenheit, wie Meyer aus vielen Gesprächen mit Hochzeitspaaren, Jubilaren und Unternehmen weiß. Er selbst wuchert für den Fall der Fälle – etwa die kurzfristige Erkrankung eines DJs, die sich nie ganz ausschließen lässt – mit einer „Ausfallgarantie“: Der Zimmerner stellt sicher, dass immer ein gleichwertiger Ersatz-DJ bereitsteht. „Gerade bei wichtigen Anlässen wissen viele Leute diese Sicherheit zu schätzen“, hat er festgestellt.

Neben den Dutzenden eigenen Auftritten vermittelt Meyer auf diese Weise derzeit mehr als 120 Hochzeiten pro Jahr an jene kleine Gruppe an Diskjockeys, die sein Vertrauen genießt. „Ich bin praktisch deren Manager, übernehme das Marketing, die Vermittlung und das Administrative“, zählt Meyer seine Leistungen, für die er einen Teil der Gage erhält, auf. Die DJs können sich so in erster Linie auf das Künstlerische konzentrieren. „Das Drumherum, auch die Selbstvermarktung, liegt ja nicht jedem.“

Meyer ist darin längst Profi geworden. Am Ende des Gesprächs geht er sogar noch weiter, als nur vom „richtigen“ Schritt zu sprechen: „Es war der beste Schritt, mich selbstständig zu machen.“ Müde werde er ob der vielen dahintersteckenden Arbeit nicht, obgleich manche Nacht kurz und „das Auflegen selbst nur der kleinste Teil“ seines Schaffens sei. Die Daueraufgabe, genug Kunden für sich und „seine“ zehn DJs zu gewinnen, seine Online-Auftritte wie etwa die Website zu pflegen und jede Menge Buchhaltung abzuarbeiten, „kriege ich insgesamt aber gut hin“.

" djmartinmeyer.de

VON JENS DÖRR

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