Jungen lernen die Tätigkeiten im Kindergarten kennen, Mädchen die der Polizei.

Weg von den Klischees

Christo Göbel schaute sich einmal einen typischen Frauenberuf an - die Kleinen im Kindergarten Blumenstraße sind begeistert.

Groß-Zimmern (bea) ‐ „Männer fehlen in diesem Beruf“, sagt Susann Oswald voller Überzeugung. Die Leiterin des Kindergartens Blumenstraße hat am Donnerstag besondere Unterstützung. Christo Göbel (11) sitzt mit ihr und den Kindern im Stuhlkreis und spielt beim Schuhspiel begeistert mit. Christo ist Teilnehmer am „girls day“, der besondere Tag, der nicht nur in Zimmern in diesem Jahr auch ein „boys day“ ist.

Christo schnuppert an diesem Tag, so wie fünf andere Albert-Schweitzer-Schüler in einen typischen Frauenberuf. Der Elfjährige wollte einmal sehen, wie das so ist im Kindergarten, den er als Steppke selber besuchte. „Es war recht lustig“, sagt Christo. Erzieher steht aber trotzdem nicht auf ganz oben auf seiner Berufsliste. Die Erzieherinnen hingegen, 43 gibt es in Groß-Zimmern, hätten gerne männliche Kollegen.

„Gerade die Jungen im Kindergarten brauchten auch männliche Vorbilder“, meint nicht nur Oswald. Auch Bürgermeister Achim Grimm hätte nichts dagegen einzuwenden: „Ich würde mir in jeder Einrichtung einen Mann wünschen“.

Während die Jungen an diesem Tag die typischen Frauenberufe kennen lernen, schauen sich die Mädchen von Männern dominierte Berufe an.

Drei sind am Donnerstsag im Zimmerner Rathaus und sehen dort den Mitarbeitern über die Schulter. Lara Alina Stegemann hat Handschellen und Pfefferspray vor sich auf dem Tisch und hält einen Schlagstock in der Hand. Die Elfjährige interessiert sich für das Ordnungsamt und sitzt hier Polizeioberkommissar Wolfgang Thomas gegenüber. Der erzählt Lara Alina nicht nur etwas über Waffen, sondern insgesamt über die Aufgaben der Polizei.

Für die Spürhunde und die Polizeipferde interessiert sich die Schülerin noch ganz besonders, deshalb erklärt ihr der Ordnungshüter die Einsatzmöglichkeiten der Tiere.

Im Einwohnermeldeamt hat sich Lara Alina schon umgeschaut, ebenso wie im Straßenverkehrsamt und in der Sozialstation. Auf die Frage „warum gerade das Ordnungsamt?“, antwortet die Gesamtschülerin: „Das hat mich schon immer interessiert“. Lara freut sich allerdings auch auf das gemeinsame Eis essen mit dem Bürgermeister und den anderen Schülern, die am zehnten „Girls day“ kommunale Einrichtungen besucht haben.

Mit Eis essen wird auch Jasmin Keller. Die ehemalige ASS-Schülerin fällt ein wenig aus dem Rahmen. Sie ist bereits 17 Jahre alt und wartet auf den Wechsel auf eine Berufsfachschule für Sozialassistenz. Jasmin schaut dem Bürgermeister über die Schulter und der hat heute wieder volles Programm.

Die Siebzehnjährige wird Grimm zur Gratulation bei einer Goldenen und einer Diamantenen Hochzeit begleiten, ebenso wie zu einer Sitzung aller Bürgermeister des Forstamtbezirkes. In den Haushalt haben Bürgermeister und die Schülerin schon hineingeschaut und Grimm hat Jasmin Einblicke in die Verwaltung gegeben.

„Ich finde es gut, dass sich junge Leute einmal für die Kommune und die Verwaltung interessieren“, erklärt Grimm, der zum ersten Mal beim Girls day mitmacht, bisher habe es zeitlich leider nicht gepasst. Jasmin erklärt zum Abschluss ihres Schnuppertages: „Ich fand es sehr interessant. Ich habe gesehen, dass ein Bürgermeister eine Menge zu tun und auch ganz schön viel Verantwortung hat“.

Deshalb will die 17-Jährige auch lieber bei ihren Berufsplänen bleiben. Die Verantwortung einer Bürgermeisterin wäre ihr im Moment zumindest zu groß.

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