Kochen bei Mama gelernt

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Raffaele Azzarello (von links), Janek Gola und Manfred Göbel präsentieren die Schlachtplatte mit Schweinekopf.

Groß-Zimmern - So mancher Magen knurrt schon laut, deshalb hält Manfred Göbel, Vorsitzender des Orgelfördervereins, seine Rede möglichst kurz. Aber einige wenige Worte müssen zur Würdigung des besonderen Anlasses doch sein. Von Ulrike Bernauer

Ein Schlachtfest veranstaltet der Verein in der Linde, die zu dieser Gelegenheit ihre Türen geöffnet hat.

Zwei Sponsoren bedenkt Göbel mit jeweils einer der begehrten Mini-Orgeln, die die Zimmern-Hymne spielt. Raffaele Azzarello hingegen erhält die Luxusausführung in Gold dafür, dass er zum einen seine Gaststätte extra für den Orgelverein geöffnet und das Schlachtfest maßgeblich vorbereitet hat.

Schon zwei Tage vorher stellte er sich in die Küche und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Brat-, Blut- und Leberwürste bruzzeln in den Warmhalteplatten vor sich hin, Bauch- und Wellfleisch locken die rund 70 Schlachtfestgäste. Einer fragt gleich sachkundig nach den Bäckchen des Schweins, das für das Fest sein Leben lassen musste. Der Schweinekopf, der auf einem großen Brett liegt und den mancher keines Blickes würdigt (erinnert er doch zu sehr an das noch lebende Tier) hat seine Bäckchen zumindest noch.

Den Gästen mundet es und obwohl sich mancher den Teller sehr voll lädt, die Platten sind auch am Ende des Abends noch nicht leer. Wo Azzarello seine Kochkunst so professionell gelernt hat, ist nicht so recht in Erfahrung zu bringen. Der gelernte Schreiner aus Italien, der seit 51 Jahren in Deutschland lebt, erklärt: „mein Beruf ist vielseitig, da lernt man viel, aber das Kochen habe ich von Mama gelernt.“

Janek Gola, der die Idee zum Schlachtfest hatte und die Organisation vorangetrieben hat, bewundert Azzarello für seine Umsicht bei den Vorbereitungen. „Da rührt er in 80 Liter Blut-Pfeffersuppe und hat nebenbei noch den Schweinekopf beim Garen im Blick. Es war nicht immer leicht, zwei Tage mit Raffaele in der Küche zu verbringen“, bewundert Gola dessen Ruhe.

Das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Als später die Platten schon ein wenig abgeräumt sind und so mancher stöhnt, weil er doch ein bisschen zu sehr zugelangt hat, gibt es noch ein weiteres Vergnügen. Otto Sorrentino betätigt sich als Bänkelsänger. Er greift nicht zum Mikrophon, sondern geht von Tisch zu Tisch und trägt seine Lieder zur Gitarre vor.

Es ist sein erster Auftritt nach zwei Monaten. Der musizierende Friseur hatte sich einen Finger gebrochen. Umso mehr wissen die Schlachtfestgäste die musikalische Unterhaltung direkt am Tisch zu schätzen.

Die Einnahmen des Festes gehen in die Kasse des Orgelfördervereines. Nachdem das Instrument im Oktober bestellt wurde, drängt nun auch die Frage der Bezahlung.

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