König ohne Kratzeisen

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Für die Sternsinger standen mit einem Film, der Gruppeneinteilung oder wie hier beim Einstudieren der Lieder gleich mehrere Vorbereitungstreffen an.

Groß-Zimmern ‐ Wer am Dienstag morgen ins Pfarrzentrum kam, konnte in erwartungsvolle Kinderaugen blicken. Diesmal galt die Vorfreude allerdings nicht wie in den letzten Tagen dem Christkind oder dem Nikolaus. Vielmehr freute sich der Gemeinde-Nachwuchs auf die neue Sternsinger-Aktion, bei der die Kinder ab morgen Nachmittag den Segen für das neue Jahr in die Häuser bringen. Von Michael Just

Zur Vorbereitung galt es die Gruppen einzuteilen und die Lieder einzuüben. 2011 heißt das Motto „Kinder zeigen Stärke“. Die Spenden für das traditionelle „20+C+M+B+11“ auf der Haustür sind diesmal für Kambodscha bestimmt. „Wir hatten zuvor schon ein Treffen, bei dem wir einen Film über das südostasiatische Land geschaut haben.

Das ist wichtig, damit die Sternsinger wissen, für wen und was sie sammeln“, erklärt Tanja Ihring. „Im Vorfeld liegt immer ein wenig Angst vor, dass wegen der Ferien nicht genügend Kinder zusammen kommen“, fügt Christiane Röschner an. Sie kümmert sich mit um die Organisation, nachdem Gemeindereferentin Jutta Moka krankheitsbedingt ausgefallen ist. Die Sorge ist nicht unberechtigt: So liegen alleine 130 Anmeldungen für einen Besuch der Sternsinger in Groß-Zimmern vor. Außerdem gibt es weitere „offizielle“ Termine im Rathaus, im Kindergarten und in Geschäften.

König Caspers Schminke lässt die Haut atmen

Auch das gehört zur Sternsinger-Aktion: Die Gruppenleiterinnen Bernadette Gaida, Christiane Röschner, Jennifer Hoferichter und Tanja Ihring (von links) sichten den Kleiderfundus im katholischen Pfarrzentrum und bereiten die Kostüme vor.

Befürchtungen, es könnten zu wenige „Weise aus dem Morgenland“ geben, erwiesen sich dann jedoch als unbegründet. Mit insgesamt 26 Kindern gibt es diesesmal fünf Gruppen, die Namen wie Rauchfass-, Kronen-, Kamel- oder Goldgruppe tragen. Für die sieben Betreuerinnen erwies sich am Dienstag morgen vor allem die Einteilung der einzelnen Sternsinger als nicht ganz einfach: Unzählige Wünsche lagen vor wer mit wem läuft. Hier sind es Geschwister, die unbedingt zusammen gehen wollen, in einem anderen Fall darf die beste Freundin an der Seite nicht fehlen. Einmal kullerte sogar eine Träne über die Wange, als die Vorstellungen nicht gleich erfüllt wurden. „Ihr lauft euch eh` alle ein paar Mal über den Weg“, versuchte eine Betreuerin zu beruhigen. Nur der elfjährige Paul gab sich gelassen: „Es gibt wichtigeres als die Frage, mit wem ich in einer Gruppe bin.“ Das gewünschte Mindestalter für Sternsinger liegt bei sechs Jahren: „Zum einen wird viel gelaufen, zum anderen sollen die Kinder den Sinn der Aktion verstehen“, erklärt Jennifer Hoferichter. Kollegin Ihring hofft, dass sich genügend Kinder für die Rolle des farbigen Königs „Casper“ finden. „Das ist Tradition“, hebt sie heraus. Wie sie schmunzelnd ergänzt, seien die Zeiten ohnehin vorbei, in denen die Schminke noch so „pappig“ war dass sie später mit Hilfe eines Kratzeisens entfernt werden musste. Heute könne die Haut atmen und die Farben seien allergiefrei.

Auch in Klein-Zimmern gibt es Sternsinger, die die bundesweit in 28 Bistümern mit mehreren hundert Tausend Teilnehmern laufende Aktion unterstützen.

Alles wird abgelaufen - außer die Aussiedlerhöfe

Am 7. und 8. Januar sind die Sternsinger in Groß- und am 9. Januar in Klein-Zimmern unterwegs.

Und das nicht zu wenig: „Letztes Jahr hatten wir drei Gruppen, 2011 sind es vier“, freut sich Renate Knaus über insgesamt 17 Kinder. Wie sie sagt, reiche der Kleiderfundus gerade so, dass alle ausgestattet werden können. Nur ein paar Kronen gelte es noch zu fertigen, denn es sei üblich, dass einige Kinder diese im Anschluss gerne mit nach Hause nehmen. Im Ortsteil ist ebenfalls Kondition gefragt: Bis auf die Aussiedlerhöfe wird alles zu Fuß absolviert. „Bei so vielen Adressen sind wir natürlich um eine ideale Routenführung bemüht“, sagt Röschner. Für die Süßigkeiten, die die Kinder zumeist reichlich geschenkt bekommen, wurde in Groß-Zimmern schon eine adäquate Lösung gefunden: Ein Bollerwagen wird hier den Kindern das Tragen abnehmen.

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