Suchende und Anbieter sollen beim Projekt der Kreisagentur „Ich lebe und arbeite in Groß-Zimmern“ zueinander finden

Konkrete Hilfestellungen direkt vor Ort

Arbeitssuche ohne den Gang zur Agentur in Dieburg. Foto: bea

Groß-Zimmern - In Groß-Zimmern gibt es Arbeitslose, aber es gibt wohl auch Unternehmen, die Beschäftigte suchen. Doch oft finden beide Seiten einfach nicht zueinander. Das soll nun einfacher werden. Von Ulrike Bernauer

Am Dienstag startete im Chorraum der Mehrzweckhalle das Projekt der Kreisagentur für Beschäftigung „Ich lebe und arbeite in Groß-Zimmern“. Sinn und Zweck des siebenmonatigen Projektes ist es, Arbeitslose und Unternehmen zusammen zu bringen und beiden zu helfen.

Gute Erfahrungen hat Projektleiterin Ute Thiesen schon in anderen Gemeinden gemacht. Dieburg, Messel, Babenhausen, Weiterstadt und Pfungstadt kamen bereits in den Genuss des Projektes, in Griesheim läuft es derzeit noch. „Rund 60 Prozent der Teilnehmer haben wir in diesen Gemeinden vermitteln können“, erklärt Thiesen den 14 Arbeitssuchenden, die ihr gegenüber sitzen und noch etwas skeptisch schauen.

Eingeladen wurden sie von der Kreisagentur für Arbeit, weil die jeweiligen Fallmanager meinten, sie könnten zum Projekt passen. 60 Groß-Zimmerner waren insgesamt dabei, auf 40 Teilnehmer ist das Projekt beschränkt.

Ein Teil der so Geladenen kommt erst gar nicht und einige finden relativ kurzfristig einen anderen Arbeitsplatz.

Die zehn Frauen und vier Männer, die am Dienstag dabei sind, sollen nun eine andere Unterstützung als üblich bei der Arbeitssuche erhalten. Einzige feste Voraussetzung: sie müssen älter sein als 25 Jahre und in Groß-Zimmern leben.

Kontakte sollen nicht nur zu Unternehmen in der Gemeinde geknüpft werden - für die Anbieter gibt es im März noch eine gesonderte Informationsveranstaltung - auch die Unterstützung der Gemeinde ist wichtig. Tobias Lauer, Leiter der Projektwerkstatt Soziale Stadt, wird den Gemeindepart übernehmen. Er sitzt auch im Vorstand von „Bel(i)ebt Groß-Zimmern“ und hat über diesen neuen Verein viele Kontakte. Einige Unterlagen bekommen die Projektteilnehmer auf den Tisch. Ein Aktionstagebuch sollen sie künftig führen. „Damit wir wissen, was Ihnen wichtig ist, was bei Ihnen gut oder nicht so gut ankam“, sagt Thiesen. „Das Projekt soll Ihnen helfen und wir haben von den Teilnehmern in den anderen Städten schon viel gelernt.“

Auf das gemeinsame Lernen setzt die Aktion insgesamt, denn so entwickele sich vieles. Das ist schon bei dieser zweistündigen Einführungsveranstaltung zu merken, bei der bereits vier Gruppen gebildet werden.

Waren die Teilnehmer am Anfang noch recht reserviert, so haben sie nach der Pause schon die ersten Kontakte untereinander geknüpft. Bei manchen Ausführungen oder Fragen kommt kollektives Gelächter auf und die anfänglich eher angespannte Stimmung lockert sich dabei deutlich auf.

Nicht nur die Arbeitssuchenden sollen profitieren, auch für so manches kleine Unternehmen kann das Projekt sehr hilfreich sein.

„Manche Betriebe kommen recht schnell auf uns zu, wenn sie von unserer Existenz erfahren“, berichtet Thiesen aus Erfahrung. „Die Leute sind oft heilfroh, wenn sie keine Stellenanzeige aufgeben müssen. Da bekommen sie nicht selten 200 Bewerbungen und wissen überhaupt nicht, wie sie diese Flut bewältigen sollen“.

Kommen Anfragen an das Projekt, kann Thiesen ganz gezielt vermitteln. Sie lernt die Teilnehmer gut kennen, erarbeitet mit ihnen nicht nur den Lebenslauf, sondern hilft ihnen auch Stärken und Schwächen zu benennen.

„Es gibt genug offene Stellen, aber die müssen auch zu Ihnen passen“, sagt Thiesen. Auch wenn viele sich wünschen, wohnortnah vermittelt zu werden, könne mitunter eine Stelle aus einer anderen Stadt besser passen. Die sechs Netzwerke, die in den anderen Projektorten geknüpft wurden, haben natürlich Kontakt untereinander und so findet mancher Topf sein Deckelchen auch etwas weiter entfernt.

„Wir wollen fördern“, das steht für Thiesen an erster Stelle. Aber ein paar Verhaltensregeln gibt es für die Groß-Zimmerner Arbeitssuchenden, die sich bis August nun fast wöchentlich treffen werden. „Wenn Sie einmal keine Zeit haben, rufen Sie an, sagen Sie ab und reden Sie einfach mit uns. Gar nicht mehr zu erscheinen, ist keine gute Lösung. Dann landen Sie nämlich in den Mühlen der Kreisagentur.“

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