Seit hundert Jahren gestalten Blechbläser in der evangelischen Kirche den Gottesdienst mit

Konzert zum Jubiläum des Posaunenchors

Offenbach-Post

Groß-Zimmern - (bea) „25 Jahre reichen“, antwortet Dieter Herbert auf die Frage, warum er seinerzeit als Chorleiter aufgehört hat. Als 13-Jähriger hatte er angefangen dass er beim evangelischen Posaunenchor weiter mit spielen will, war und ist für ihn selbstverständlich. Einige Musiker der Gruppe sind schon viele Jahre dabei, am längsten Fritz Diehl, der 2009 seinen 60-jährigen aktiven Musikergeburtstag feiert.

Ein noch gewaltigeres Jubiläum begeht der Posaunenchor selbst. Hundert Jahre alt wird er in diesem Jahr und gibt aus diesem Anlass heute ein großes Konzert in der evangelischen Kirche.

Mit vier Bläsern hat es 1909 angefangen: Georg Reitzel und Hermann Held Trompete, Justus Vonderschmidt Tenorhorn und Philipp Kaffenberger Zugposaune. Nicht nur die Mitgliederzahl ist unter der Leitung von Herbert gestiegen, sondern auch der Frauenanteil. Und Obwohl der Chor noch auf etliche altgediente Bläser zurückgreifen kann, ist er dennoch jung geblieben. Neben den „Alten“ sitzen viele „Junge“, beispielsweise Anna-Lena Steingötter (16), die inzwischen auch schon seit sechs Jahren dabei ist und heute Abend das ganze Konzert mitspielen wird. „Hier sitzt der Schüler neben dem Rentner“, sagt Herbert und das sei überhaupt kein Thema.

Die Entwicklung des Posaunenchores ist genau beschrieben in der Festschrift zum hundertjährigen Bestehen. Junge Bläser sind darin schon auf dem ersten Bild zu sehen, dafür allerdings keine Frauen. Die schleichen sich vereinzelt ab den 70er-Jahren ein, sind heute noch in der Unterzahl, aber deutlich präsent. „Es klappt bei uns so gut zwischen den Generationen, weil wir recht unterschiedliche Literatur spielen“, sagt Horst Schenk. Der 53-Jährige ist seit 41 Jahren dabei. „Günstiger kann man ein Instrument nicht spielen lernen“, erklärt er. Für die Anfänger stellt der Chor die Instrumente, später kaufen sich die Bläser dann doch oft ein eigenes.

Eine eingeschworene Truppe sind sie und der gemeinsame Besuch in der Kneipe nach den Proben gehört besonders für die Älteren einfach dazu. Auch bei Chorfreizeiten oder dem Besuch von Kirchentagen haben die Mitglieder Gelegenheit, sich näher kennen zu lernen. Froh sind sie über ihren Chorleiter Ulrich Kuhn. Sie betrachten es als Glücksfall, dass Kuhn, der der Bläserarbeit besonders verbunden ist, 2003 mit einer halben Stelle als Kantor für die evangelische Kirchengemeinde eingestellt wurde. Neue Stücke lernten sie durch ihn kennen und die Jugendarbeit wurde intensiviert. Aber zunächst ist Üben angesagt. Chorleiter Kuhn ist bei der Probe noch nicht ganz zufrieden: Ihr müsst den Ton alle genau treffen, sonst klingt es matschig“, sagt er und lässt dieselbe Tonfolge noch einmal blasen, bis er zufrieden nickt.

Beim Jubiläumskonzert sind neben dem evangelischen Posaunenchor die Jungbläser und das Blechbläserensemble Brasso continuo mit Werken von Gabrieli bis hin zu popularer Musik der Gegenwart dabei. Derek Reckziegel lässt Pauken und Schlagzeug ertönen und Erich Daub spielt die Orgel. Mehr geistliche Musik erwartet die Zuhörer in der ersten Hälfte des Konzerts. Beim zweiten Programmteil, der Open-Air gespielt wird, wird es dannmit überwiegend Gospels und Spirituals etwas schwungvoller. Das Jubiläumskonzert in der evangelischen Kirche beginnt am heutigen Samstag um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Bei den letzten Proben vor dem Jubiläumskonzert sind die Bläser des Posaunenchores ganz besonders konzentriert.Foto: Bernauer

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