Kränkungen tun der Seele weh

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Diplompädagogin Marianne Bofinger bei ihrem Vortrag beim Frauenfrühstück.

Groß-Zimmern - (ves) „Kränkungen sind Ohrfeigen für die Seele“, sagt Marianne Bofinger. „Das Thema betrifft jeden und ist auch ein persönliches Thema von mir“. Die Diplompädagogin aus Brensbach hat ihre Vorträge auf Grundlage der Bücher von Bärbel Wadetzki erarbeitet, die für sie wie eine Mentorin ist.

Bofinger, die in der freien Erwachsenenbildung und im kirchlichen Besuchsdienst tätig ist, hat sich am Samstag in der evangelischen Kirchengemeinde eingefunden, um beim gemeinsamen Frauenfrühstück über das Thema Kränkungen und den Umgang mit ihm zu reden. „Wir hatten viele Anfragen im Vorfeld“, berichtet Mitorganisatorin Heidrun Fornoff. „Über 30 Frauen haben sich gemeldet und wir hatten viele Anfragen aus dem Umkreis, die sich extra wegen dieses Themas angemeldet haben“.

Menschen reagieren gekränkt, wenn sie seelisch verletzt werden“, sagt Bofinger. Die Auslöser reichen von oberflächlicher Unfreundlichkeit, beabsichtigter Taktlosigkeit über beiläufig ironische Bemerkungen bis hin zu offenen Zurückweisungen, Beschimpfungen und Demütigungen. Aus diesen Angriffen könne eine tiefe Verunsicherung der Person resultieren, verbunden mit Ohnmacht, Wut, Selbstzweifel oder Minderwertigkeitsgefühlen, so Bofinger. Dabei handele es sich speziell um ein Problem, dem überwiegend Frauen ausgesetzt sind und deren Handhabung und Umgang bis auf eine tiefe persönliche Ebene hinab führen kann.

Selbstwert ist ein menschliches Grundbedürfnis

Zu Beginn ihres Vortrags geht Bofinger auf den Ablauf von Kränkungen ein. Zunächst werde ein Erschrecken ausgelöst, gefolgt von einer Kränkungsreaktion die in aggressiver oder depressiver Stimmung enden kann. Auslöser für die unterschiedlichen Reaktionen können frühere seelische Verletzungen sein, die nicht ausreichend oder garnicht verarbeitet wurden. Gefühle wie Angst, Scham, Trauer, Wut oder Schmerz werden ausgelöst und das Selbstwertgefühl wird untergraben. „Selbstwert ist ein menschliches Grundbedürfnis wie Essen oder Trinken, das sich in dem Wunsch äußert, um seiner selbst willen geliebt, geachtet und akzeptiert zu werden“, erklärt Bofinger. In ihrem Vortrag erarbeitete Bofinger anhand eines Fragebogens mit den Anwesenden das persönliche Kränkungserleben eines jeden und verweist darauf, dass durch Distanz zur Situation und der Person gegenüber ein Ausstieg aus dem Täter-Opfer-Spiel möglich sei. „Beziehen Sie nicht alles auf sich, sondern lassen Sie das Problem beim Gegenüber“, so Bofinger. „Stärken Sie im Alltag Ihr Selbstwertgefühl“.

Diese Stärkungen könnten durch mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten erfolgen. „Ich bin gut so, wie ich bin“, laute einer der Stärkungssätze, mit dem man sich die Grundlage eines stabilen Selbstwertgefühls erarbeiten könne.

Jeder von uns braucht soziale Streicheleinheiten“, erklärt Bofinger. „Mir ist es wichtig, dass uns bewusst wird, dass wir ein von Gott ins Leben berufenes, wundervolles Wesen sind. Geschätzt, begabt, mit Möglichkeiten ausgestattet. Und trotz aller dunklen Seiten nicht verstoßen, sondern geliebt“, sagt die Fachfrau abschließend.

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