Ärger über fehlende Absprache für den gekippten verkaufsoffenen Sonntag in der Hauptstraße

Kürbismarkt: Geschäftsleute sind sauer

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Viel Rummel auf der Wilhelm-Leuschner-Straße: Die Hauptstraße wurde am Kürbismarktsonntag für Gewerbe, Besucher und Aktionen reserviert – 2016 brach dieser Marktbereich kurzfristig weg. 2014 herrschte, wie unser Archivfoto zeigt, großer Andrang.

Groß-Zimmern - Die großen Feldfrüchte sind längst geerntet, die Kürbissuppen verputzt und der Groß-Zimmerner Kürbismarkt eigentlich Schnee von gestern. Verraucht ist jedoch nicht der Ärger zahlreicher Geschäftsleute.

Zum Beispiel über späte oder gar keine Absprachen seitens der Veranstalter für den verkaufsoffenen Sonntag. Stein des Anstoßes: In der Vergangenheit wurde die Wilhelm-Leuschner-Straße am Kürbismarkt-Sonntag gesperrt und als Aktions- und Gewerbemeile in das Festgeschehen integriert. Anliegergeschäfte nutzten die autofreie Fläche für attraktive Verkaufs- und Animationsaktionen, Autohäuser präsentierten ihre Fahrzeugflotten, ein Riesentrampolin lud zum Abheben, auch Vereine, etwa die Feuerwehr, nutzten den Raum. Nicht so im Oktober, als die Sperrung der Hauptstraße für den 17. Herbstmarkt kurzfristig gekippt wurde. „Obwohl wir uns angeblich nicht für den verkaufsoffenen Sonntag angemeldet hätten, informierte uns Herr Wejwoda am Samstag, 1. Oktober, dass die Wilhelm-Leuschner Straße am Sonntag (9.) nicht gesperrt werde“, berichtet Rainer Fendrich verärgert. Der Inhaber von „Reisen mit Herz“, hatte nicht nur für den Tag zugesagt, sondern bereits Monate vorher ein Animationsteam gebucht und außerdem Personal bestellt. „Durch die langjährige Zusammenarbeit mit diesem Team konnten wir die Stornokosten relativ gering halten, aber wir hatten trotzdem einige Ausgaben, die uns bei einer früheren Absage nicht entstanden wären“, erklärt der Unternehmer auf Anfrage des LA.

Auch Susan-Theres Schott, Büroleiterin des TUI-Reisecenters, wollte in großem Rahmen teilnehmen. „Durch die kurzfristige Absage sind uns erhebliche Kosten entstanden, da wir bereits Anfang des Jahres unsere Eventagentur gebucht hatten.“ Hätte man ein paar Wochen vorher Bescheid gewusst, hätte sich dies vermeiden lassen. „Ich habe mich sehr geärgert, uns hat man gar nicht benachrichtigt“, sagt Simone Tannenberger vom Herrenausstatter Pegasus Menswear. Auch das Modegeschäft profitierte in den Vorjahren von der Aktions- und Gewerbemeile auf der Wilhelm-Leuschner-Straße. Nur vom Hörensagen habe sie, wie weitere Unternehmen ebenso, ein paar Tage vor der Veranstaltung erfahren, dass die Aktionszone sich in diesem Jahr auf den Rathausplatz und die Jahnstraße reduziert. Derart vom Geschehen abgeschnitten war für sie der Sonntag ein Flop.

Statt der Autoausstellung auf der Straße, sahen die Einzelhändler den tüchtigen „Ortssheriff“, der Knöllchen verteilte. „Auch wir haben im Vorfeld viel geplant“, hört man von Augenoptiker Hackenberg, „nächstes Jahr macht es für uns keinen Sinn mehr mitzumachen.“ Mit nur 18 teilnehmenden Geschäften am verkaufsoffenen Sonntag, für den die Unternehmen außerdem eine Gebühr an die Gemeinde entrichten müssen, war 2016 ein Rekordminus erreicht. „Die fehlende Zusage der Autohäuser war Hauptgrund, auf die Gewerbemeile zu verzichten“, erklärt Hans Peter Wejwoda für den Veranstalter, den Verein bel(i)ebt Groß-Zimmern. „Wir haben bis zum Schluss gehofft, dass wir die Hauptstraße voll kriegen.“

Bereits im April hatten Veranstalter Ausschreibungen an Unternehmen verschickt und Vorstandsmitglied Stefan Blank führte beim Maimarkt in Dieburg persönlich Gespräche mit Ausstellern über eine mögliche Teilnahme am Kürbismarkt in Zimmern. Nach kurzfristigen Absagen blieb (mangels Interesse) auch der Versuch erfolglos, kurzfristig zur Baumeile mit lokalem Handwerk umzuschwenken. Das führte dazu, das Vorhaben wenige Tage vor der Veranstaltung zu kappen. „Wir hätten die Straße mit ein paar kommerziellen Anbietern bestücken können, die Hüte, Gürtel und Tücher verkauften“, so Wejwoda. Doch diesen Festcharakter habe der Veranstalter nicht gewollt. Tatsächlich hatte der Verein, der in Kooperation mit der Gemeinde agierte, erst kurzfristig über die Dimension der Absagen Kenntnis und die Entscheidung, auf die Kürbismarktstraße zu verzichten, wurde nur den unmittelbar Betroffenen mitgeteilt. Dass ein Hilfspolizist Strafzettel verteilte, habe ein Unternehmer ausgelöst. Tatsächlich hatte ein Fahrzeug soviel Bürgersteig eingenommen, dass es für Passanten mit Kinderwagen oder Gehhilfe kein Durchkommen gab. Der herbeizitierte Ordnungshüter setzte nach der Dokumentation dieser Regelwidrigkeit seine Runde fort. Da Parkfläche knapp, der Zuspruch zum Kürbismarkt groß war, ergab sich ordentlich Beute an Falschparkern. „Diese Besucher werden bestimmt nicht mehr Groß-Zimmern beleben“, prophezeite Fendrich, der am verkaufsoffenen Kürbismarktsonntag nicht mehr teilnehmen wird.

Der Verein bel(i)ebt Groß-Zimmern setzt indes auf Kommunikation. Im Februar, nach der Klausurtagung des Vorstands, will man mit den Einzelhändlern ein Gespräch führen. (ula)

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