Sommerwetter belebt Kürbismarkt

Die Sonne scheint auf „La Zucca“

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Kerbborsch Niclas Teurer ist als wandelnder Megakürbis für den Jahrgang 1995/96 unterwegs.

Groß-Zimmern - Orange und mächtig präsentierte sich der größte Vertreter der Gattung Besuchern am Wochenende von weitem auf dem großen Markt in Zimmern: ein Riesenkürbis, das mit Abstand gigantischste Gartengemüse. Von Ursula Friedrich

Zwei Tage lang stand das gesellschaftliche Leben im Zeichen des gesunden Gartengemüses. Zimmerns Ortskern war Herzstück des Kürbismarktes, dessen Ausläufer sich am verkaufsoffenen Sonntag bis in die Waldstraße erstreckten und wieder einmal tausende Menschen aus der Region anlockten. Buntes Bauernmarkttreiben, munteres Vereinsleben, Gewerbeschau, Hobbykünstlermarkt und Kulturprogramm - aus diesen Zutaten wurde das Rezept zum Gelingen des Marktes umgesetzt.

Der tolle Erfolg war allerdings auch mit ein Verdienst des Wettergottes. Der hatte ein Einsehen mit dem Verein „beli(e)bt Groß-Zimmern“, der die Veranstaltung hauptsächlich unter freiem Himmel organisiert hatte. Petrus gebot dem Regen Einhalt. Damit war für Bürgermeister Achim Grimm bewiesen: „Petrus is kaan Dibboijer!“

Grimm, der auch Vorsitzender von bel(i)ebt Groß-Zimmern ist, dankte bei der Markteröffnung primär den Vereinen und Initiativen, „ohne deren ehrenamtliche Mitwirkung gäbe es den Kürbismarkt nicht.“ Dessen 15. Auflage lebte von bewährten Zutaten, aber es gab auch neue Impulse. Zum fünften Mal war es der Hobbykünstlerin Rosi Schmaltz gelungen, Handwerker und Künstler für eine große Ausstellung in der Mehrzweckhalle zu begeistern. „Wir haben 2009 zu fünft angefangen - heute haben wir einen Rekord von 53 Ausstellern“, freute sie sich.

Melodien per Muskelkraft

Schöne Dinge, soweit das Auge blickte, individuell gefertigt, eroberten insbesondere die Damenherzen. Schon traditionell mischen sich auch die Mitstreiter der katholischen Kirchengemeinde St. Bartholomäus mit Kürbissuppe, feinen Marmeladen und dem Zuber köchelnder „Ladwerje“ unters Volk.

Mit einer eigens angelieferten Drehorgel wurden Melodien per Muskelkraft intoniert - während sich auf der Bühne Lautes abzeichnete. Dank des guten Wetters mündete das bunte Markttreiben am Samstag in eine ausgelassene Kürbisparty bis weit nach Mitternacht. Die Darmstädter Coverrockband „Lauder“ eroberte in Zimmern eine neue Fangemeinde. Der Rote Platz wurde zur Tanzzone, als gut 350 Gäste das Open-Air bis zur späten Stunde feierten.

Zentral, am Fuße der Kürbispyramide, harrte der Kerbborschtejahrgang 1995/96. Bis zum Zapfenstreich boten die Blau-Weißen Kürbisse feil, um so ihren Sparstrumpf für die Kerb 2015 zu stopfen.

Bilder vom Kürbismarkt

Bilder zum 15. Kürbismarkt

Ein gutes Kürbisjahr hat ebenfalls zum Gelingen des Bauern-, Hobbykünstler- und Gewerbemarktes beigetragen. Überall dekorierte das Gartengemüse mit grauslig eingeritzten Fratzen den Roten Platz. Ja, Kürbisse trugen gar zur Völkerverständigung bei. „La Zucca“, übersetzte Pierro Campelli, auf einen orangen Dekokürbis deutend. Mit zwei Ständen bereicherte ein Dutzend Italienier aus Zimmerns Partnergemeinde Rignano sull’ Arno das Markttreiben. Feines Kürbisrisotto, toskanische Wurst, und vollmundiger italienischer Rebensaft ließen alle Hemmschwellen schwinden - die Gäste waren zwar weder des Deutschen, noch des Englischen mächtig, mit ihrem einnehmenden und offenherzigen Wesen jedoch im Nu integriert. Die Besucher sind Vertreter zwei caritativer Vereine. Das „Projetto Chernobyl“ und die Hilfsorganisation „La Formica“ für Menschen in Bolivien sollen mit den Einnahmen des Kürbismarktes unterstützt werden. „Vor allem sind unsere italienischen Besucher gekommen, um Freundschaften zu vertiefen“, übersetzte Stefano Cammarata vom Verschwisterungskomitee.

Caritative Zwecke hatte auch der Einsatz des Lions Clubs Dieburger Land, der mit einer riesigen Helferdelegation angerückt war. Mit Kürbissuppe und Prosecco-Verkauf sollen Deutschkurse für Flüchtlingskinder finanziert werden. Am Sonntag zogen schließlich weitere Akteure an einem Strang, um Zimmerns Attraktivität zu steigern. Der Markt wurde zum Bauernmarkt, hatte Züge von Gewerbeschau und Rummelplatz, lockte mit Familienprogramm, Tanzdarbietungen und kulinarischen Genüssen.

Petrus sorgte tatsächlich noch einmal für strahlenden Sonnenschein und untermauerte die Theorie des Bürgermeisters: „Der Heilige muss ein Zimm’ner sein.“

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