„Theatermiete Ring X“ ist offen für alle, „auch für Männer“

Kultur gemeinsam erleben

Eine gesellige Runde ist die „Theatermiete X“. Für jahrzehntelange Dienste dankt Leiterin Margret Burkart (stehend rechts) ihrer Vorgängerin Marlies Reinhard.

Groß-Zimmern - (guf) „Nach den Vorstellungen lassen wir den Abend immer hier im Thessaloniki gemeinsam ausklingen“, erzählt Margret Burkart. Vor kurzem hat sie die Abrechnung der „Theatermiete X“ in Zimmern von Marlies Reinhard (82) übernommen. Die wiederum leitete das Amt nach Johannes Held seit 1976.

Seit Jahren, teilweise Jahrzehnten, genießt ein rundes Dutzend überwiegend älterer Frauen zwischen 49 und 82 Jahren gemeinsam das Kulturprogramm beim Staatstheater Darmstadt.

Der Theaterring Darmstadt ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kulturerlebnisse zu vermitteln. Das „X“ steht für den konkreten Wochentag und das „B“ dahinter galt wohl der Busnutzung. An zehn Donnerstagen fahren die interessierten Frauen und der Gundernhäuser Klaus Finking gemeinsam ins Staatstheater Darmstadt zu Aufführungen im Großen- oder Kleinen Haus. Das Abonnement-Angebot umfasst den Bustransport, wobei jeder Teilnehmer einen festen Sitzplatz hat. Auf der Hinfahrt - Treffpunkt in Groß-Zimmern ist die Haltestelle an der Friedensschule - gibt es interessante Informationen zum Stück und man wird direkt bis vor die Tür gebracht. „Ich glaube, wenn wir mit dem Auto fahren müssten, wäre es fast unmöglich“, meint Finking und Ursula Gude, mit 49 Jahren die Jüngste im Bunde, pflichtet ihm bei: „In der Nähe lässt sich kaum ein Parkplatz finden. Ich würde es wohl gar nicht schaffen.“

Die Auswahl des Monatsspielplans ist vorgegeben und reicht vom klassischen Theater über Oper, Operette und Musical. Die Abo-Preise liegen je nach Platzgruppe zwischen 137 und 187 Euro, sie beinhalten zudem Vergünstigungen bei Theaterreisen und Inhaber erhalten monatlich die „Theater Rundschau“.

Die diesjährige Saison beginnt am 8. Oktober mit der Oper „die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Am 19. November folgt Lessings „Nathan der Weise“ und am 17. Dezember steht Giuseppe Verdis Ober „Aida“ auf dem Programm.

„Sehr gut ist, dass man dann mit dem Bus auch schnell wieder in Zimmern ist“, meint Burkart. Doch nach Hause gehen die meisten dann nicht. „Der Wirt im Thessaloniki weiß, dass wir kommen. Auch wenn es manchmal nach 23 Uhr ist, macht er extra für uns noch einmal auf“, berichtet die Leiterin.

Im Stammlokal dankte sie kürzlich ihrer Vorgängerin Reinhard mit einem Blumenstrauß. Fast 400 Aufführungen hat die 82-Jährige bereits gesehen. „Einige haben sich zwar wiederholt, aber die Inszenierungen waren immer anders“, erzählt sie.

Über zu moderne Inszenierungen mit unpassender Kulisse und Requisiste haben sich die Zimmernerinnen zwar wiederholt geärgert („Manchmal kommen wir uns vor wie Versuchskaninchen“), aber von anderen Vorführungen wie beispielsweise der vielseitigen Hexe bei „Hänsel und Gretel“ sind sie regelrecht begeistert. Anschließend bietet die gemeinsame Heimfahrt im Bus Gelegenheit, über das Gesehene zu sprechen. Gegen 23 Uhr kommt die Gruppe dann meistens in Zimmern an und weil die Gespräche dann erst so richtig gut begonnen haben, gehen die meisten anschließend noch auf einen Schoppen Wein ins „Thessaloniki“. Insgesamt feiern die Damen gerne und treffen sich des öfteren auch ohne Theaterfahrt zum gemütlichen Beisammensein.

In der fröhlichen Runde sind Neulinge jederzeit willkommen. „Wir sind offen für alle, auch für Männer“, meint Burkart heiter.

Wer Interesse hat, kann sich melden unter z 72374.

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