Brigitte Liebermann sprach über Stadien der Erkrankung und die heilende Kraft des Malens.

Kunsttherapie gegen Demenz

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Kunsttherapeutin Brigitte Liermann.

Groß-Zimmern (ves) ‐ „Die Anzahl der Menschen mit Demenz nimmt zu“, erläuterte Brigitte Liermann zu Beginn ihres Vortrages. „Der größte Risikofaktor bei der Entsteh-ung von Demenz ist das Alter, mit 85 Jahren leidet bereits jeder dritte Patient an dieser Erkrankung.“

Der Begriff Demenz steht für Verlusterfahrungen und wird von den Betroffenen leidvoll erlebt. Bei der Behandlung von Demenz-Erkrankungen spielen nicht-medikamentöse Therapien immer mehr eine große Rolle. Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Ansätzen mit einem gemeinsamen Ziel, nämlich den Krankheitsverlauf zu verzögern und somit den Erkrankten möglichst lange die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Zu Beginn einer Vortragsreihe, die das Demenzservicezentrum im MehrGenerationenHaus (MGH) jetzt startete, sprach die Kunsttherapeutin Brigitte Liermann über „Kunsttherapie mit Menschen bei Demenz“.

Kunst erreicht Patienten auf der emotionalen Seite

In der Vortragsreihe referiert als nächstes Diplom-Pflegewirtin Elke Boß am Donnerstag, 11. März, ab 19 Uhr über die „Situation und Rolle der Angehörigen bei Demenz“.

Einfühlsam und warmherzig brachte Liermann den Anwesenden, die überwiegend betroffene Angehörige haben und dem Gesprächskreis des Demenzservicezentrums angehören, ihre Erfahrungen mit der Kunsttherapie näher. Liermann machte ihre Ausbildung zur Kunsttherapeutin von 1992 bis 1996 am Forum für Analytische und Klinische Kunsttherapie in München. Seit 1995 ist sie Kunsttherapeutin in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift in Darmstadt.

In ihrem Vortrag verdeutlichte die Therapeutin den Anwesenden zunächst die Symptome der beginnenden Krankheit und die verschiedenen Stadien sowie den Krankheitsverlauf von Demenzerkrankungen. Im Vergleich zur medikamentösen Therapie erreicht die Kunsttherapie die Patienten auf der emotionalen Ebene und bietet viele Möglichkeiten, die Erkrankten zu beruhigen, zu motivieren und Ressourcen zu entdecken.

„Würde soll erhalten bleiben“

Damit kann sich der Allgemeinzustand des Betroffenen verbessern und das Selbstvertrauen wieder gestärkt werden. „In meiner Arbeit mit den Betroffenen ist es für mich ganz besonders wichtig, dass die Würde der Patienten erhalten bleiben soll“, erklärte Liermann eindringlich. Anhand von Bildern, die in ihren Therapiestunden entstanden sind, ging Liermann bei ihrem Vortrag erklärend auf die Patientengeschichte ein und zeigte ihre Erfahrnungen mit und die Fortschritte von Patienten in und während der Therapie auf.

Mit einer Bewegungsübung, bei der die Anwesenden die Hände schweifen lassen sollten, zeigte die Therapeutin das Empfinden der malenden Bewegung auf. „Merken sie, wie frei sich das anfühlt?“, fragte Liermann und die Teilnehmer nickten begeistert.

Alles kann eine Bedeutung haben

Da das Malen immer in einer ruhigen, medialen Atmosphäre stattfinden sollte, heißt es für die Therapeutin oder die Angehörigen oft, wieder zu sich und der eigenen Langsamkeit zurückzukehren und den zeitlichen Stress außen vor zu lassen. „Die Bilder der Patienten sollten sehr wertgeschätzt werden“, sagte Liermann den Anwesenden. „Jeder kleinste Klecks kann eine Bedeutung haben“. Im Anschluss an den Vortrag stand die Kunsttherapeutin den Anwesenden für Fragen zur Verfügung.

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