„Es lässt sich super feiern“

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Unter anderem mit Cover-Songs von Eric Clapton zeigten „Gorilla Radio“ im Gewölbekeller des Dresselhofs, dass sie Meister auf der Gitarre sind

Groß-Zimmern ‐ Wer um kurz nach zehn Uhr in den „Dorfbrunnen“ will, der kommt nicht weit: Genau einen Meter hinter dem Eingang heißt es: „Nichts geht mehr.“ Von Michael Just

Die Menschen stehen so dicht gedrängt, dass selbst der Weg zur Theke unmöglich ist. Das heißt auch wenig Platz für die Band: Die erste Reihe befindet sich so nah an der „HirschBachGäng“ dass sich die Musiker beim Spielen anfassen lassen. Trotzdem will keiner von drinnen wieder raus: Es ist eng, aber gemütlich und die sechsköpfige Kombo reiht einen Klassiker an den anderen: Nicht nur bei „Barbara Ann“ von den Beach Boys und „Hang on Sloopy“ wackeln die Wände.

Der „Dorfbrunnen“ gehörte zu den sechs Gaststätten, die bei der zweiten Auflage der „Bar-Rock-Nacht“ in Groß-Zimmern mit dabei waren.

Tingeln von Bar zu Bar eine große Gaudi

Schon im letzten Jahr hatte die urige Bierkneipe in das moderne Konzept mit eingeklinkt. Das zeigt sich als genial und einfach zugleich: Für fünf Euro gibt es ein Bändchen. Damit kommt man in alle sechs Lokationen, in denen jeweils eine Band spielt.

Ein wesentlicher Teil der Gaudi liegt im Tingeln von Bar zu Bar. Den Spaß hatten aber diesmal nur die, die sich ihren Eintritt schon im Vorverkauf gesichert hatten: Das Schild „Geschlossene Gesellschaft- Zutritt nur mit Bändchen“ am Gewölbekeller beudetete für alle Spätentschlossenen, dass sie zu spät waren. Obwohl die „Bar-Rock-Nacht“ erst zum zweiten Mal stattfand, zeigte sich das Interesse als so groß, dass die 800 weißen Bändchen schon im Vorverkauf „ratz-fatz“ vergriffen waren.

Die „Hirschbachgäng“ machte den „Dorfbrunnen“ zu einem der beliebtesten Orte.

Wer eines hatte konnte deshalb in doppelter Hinsicht feiern - so wie Moni Göbel und Hanne Reitz. Auf die Frage, warum sie gekommen sind, geben sie eine ungewöhnliche Antwort: „Weil wir 60 sind!“, lachen sie laut. Trotz oder gerade wegen ihres Alters wollen sie heute Abend richtig Gas geben. Vor allem die Marillen- Schnäpschen im „Dorfbrunnen“ haben es der zehnköpfigen Gruppe, mit der sie unterwegs sind, angetan. Als nächstes soll`s zu „Nico“ gehen. Wie lang der Abend wird, können sie nicht vorhersagen: „Bis wir müde werden. Und das kann dauern, da wir hart im Nehmen sind“, gibt Göbel überzeugend zu verstehen.

Idee der Bar Rock Nacht „super geil"

In einer großen Gruppe ist auch Nadine Emmrich (25) unterwegs. „Wir sind zehn Mädels und ein Kerl“, erzählt sie überschwenglich mit einem Weißwein in der Hand. Ist sie sonst eher in den Frankfurter Discos unterwegs, hielt sie die „Bar-Rock-Nacht“ in Zimmern. Die Idee findet sie „super geil“, da man auch viele junge und gleichaltrige Leute trifft, die viele Kontakte ermöglichen. Wie sie ergänzt, werde in der Gemeinde ja sonst in bescheidenem Maße am Abend etwas geboten. „Wenn etwas geht, dann ist aber immer gleich richtig was los und es lässt sich super feiern“, sagt sie überzeugt.

Die Idee zur „Bar-Rock-Nacht“ kam vier jungen Groß-Zimmernern des Kerbjahrgangs 1977/78 bei einem Ausflug in Karlsruhe. „Bei den meisten Veranstaltungen sind wir nur als Helfer dabei. Da mussten wir was erfinden, bei dem wir selbst mitfeiern können“, erzählt Mark Pullmann. Das Konzept hält er schon jetzt für ausgereift: Die Anzahl von 800 Bändchen habe man genau an die Größe der Räumlichkeiten angepasst. Auch die sechs Lokalitäten dürften nicht mehr werden: Diese Zahl mache es über den ganzen Abend verteilt möglich, allen Kneipen einen Besuch abzustatten. „Stocken wir die Zahl auf, würden das Flair und die kurzen Wege verloren gehen“, gibt der 32-jährige Messe- und Veranstaltungsdesigner zu verstehen.

Gewinn geht an einen guten Zweck

Der Überschuss der Nacht soll an einen guten Zweck gehen. In diesem Jahr profitiert die Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde. „Es funktioniert“, bringt Kollege Veit Osinski den Erfolg der „Bar-Rock-Nacht“ auf den Punkt und meint damit nicht zuletzt die erfolgreiche Arbeitsteilung, dass sich die Gaststätten um die Bands kümmern und das Organisationsquartett die Werbung und die Verpflichtung des Sicherheitsdienstes übernimmt. Letzterer erlebte wie im letzten Jahr einen äußerst ruhigen Abend, ohne jegliche Vorkommnisse: Nur ein Mann vor jeder Bar und ein Springer reichten für eine fröhliche und trotzdem disziplinierte Partystimmung mit Gästen im Alter von 18 bis 78 Jahren völlig aus.

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