Landesposaunenwart bringt Schülern Instrumente näher

Lustiger Vogel bläst kräftig ins Horn

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Begeistert vom Unterricht mit Frank Vogel sind die Schüler der Klasse 3d. Beim Schullied singen und klatschen alle mit.

Groß-Zimmern - Was sind Blechblasinstrumente? Wie hören sie sich an? Kann ich lernen, sie zu spielen? Antworten auf diese Fragen gab Landesposaunenwart Frank Vogel in der vergangenen Woche.

Mit Musiklehrerin Gaby Joest brachte er Schüler von der zweiten bis zur vierten Klasse an drei Tagen diese Töne näher. Die Aula unterm Dach der Friedensschule erreicht man über viele niedrige Holzstufen. Die breite Treppe ist passend für die Grundschüler angelegt, ob sie auch für Elefanten geeignet wäre, ist fraglich. Dennoch waren solche Überlegungen angebracht, denn Ende der Woche hörte es sich mitunter an wie im Elefantenhaus. Lautes „töröö, tuut, piep!“ ertönte aus der Aula, und immer wieder lautes, begeistertes Lachen fröhlicher Kinder. „So kann Schule sein“, schießt es einem beim Aufstieg durch den Kopf und sobald man den durch die schwere Tür geschoben hat, bestätigt sich der Eindruck: „Hier macht Unterricht Spaß.“ Dass der Musiker nicht nur eine gute Fachausbildung, sondern auch pädagogische Kenntnisse und zudem viel Feingefühl im Umgang mit Kindern hat, belegt der Erfolg. Nicht nur die unterschiedlichen Instrumente hängen an seinen Lippen, sondern auch die Schüler, und das beim Musizieren und beim Reden gleichermaßen. Der Landesposaunenwart, den die Kinder freundschaftlich Frank nennen, muss sich keinen Respekt verschaffen, mit seiner besonderen Art und der eigenen Begeisterung am Musizieren genießt er ihn einfach.

„Als ich angefangen habe, war ich so alt wie ihr“, berichtet er und erklärt auf einfache und verständliche Weise wie der Klang entsteht. „Bei den Blechblasinstrumenten wird der Ton mit den Lippen erzeugt.“ Konzentriert beobachten die Kinder, wie sich sein Mund formt, und versuchen, ebenfalls einen Luftstrom durch die Lippen zum Schwingen zu bringen. „Das langes Rohr hat einen tieferen Ton“, erklärt er, und dass die Ventile, mit denen die Länge verändert werden kann, verschiedene Töne erzeugen. „Tuuuooaaaee“, erklingt es von Dunkel nach Hell Mit vielen klanglichen Beispielen bringt er die Kinder zum Lachen. Ob Trompete, Waldhorn, Posaune oder Tuba, einfach und klar sind die Instrumente vorgestellt und angestimmt. Zuletzt wird sogar das Schullied gespielt. Zur Pipi-Langstrumpf-Melodie fangen die Kinder sofort an zu klatschen, alle kennen den schuleigenen Text, singen und schunkeln begeistert mit.

Onur entlockt der Posaune auf Anhieb angenehme Klänge.

Dann dürfen die Grundschüler die Instrumente ausprobieren. Zunächst gibt es jedoch noch einen Hinweis: „Frau Joest und ich werden bei jedem Spielerwechsel das Mundstück mit diesem Spezialspray reinigen“, beschreibt Vogel. Schließlich nehme man das ja beim Blasen in den Mund und niemand sollte sich anstecken. „Wünsche zur Geschmacksrichtung nehme ich beim nächsten Mal entgegen“, sagt er lächelnd. Schnell bilden sich Schlangen hinter den Tischen, auf denen der Posaunenwart seine kostbaren Schätze aufgestellt hat. Mit fast andächtiger Vorsicht nehmen die Kinder die Trompete in die Hand, streicheln über die glänzende Posaune und bestaunen das Horn, bevor sie zunächst zögerlich, aber dann mit wachsender und immer lauter werdender Begeisterung versuchen, den Instrumenten Töne zu entlocken. „Dafür braucht man gar keinen Bauch“, kommentiert der korpulente Vollblutmusiker bewundernd und mitverschmitztem Blick nach unten.

Ringsum erzeugen jetzt die Kinder mit unterschiedlichem Erfolg laute, manchmal recht schräge Töne – und da ist es wieder, das Gefühl, mitten im Elefantenhaus zu stehen. Einige sind regelrecht begeistert, nehmen auch die Tuba auf den Arm, unterstützend hält Vogel das sieben Kilogramm schwere Instrument. „Ich will Trompete spielen lernen“, sagt Onur überzeugt. Er scheint ein Naturtalent zu sein, schafft es auf Anhieb angenehme Klänge zu erzeugen und auf der Posaune die Rohrlänge mit dem Zug akustisch spannend zu verändern. Auch die anderen Schüler der Klasse 3 d sind begeistert. „Rund 15 Schüler besuchen die Streicher-AG und sehr viele musizieren oder singen in Chören. Ich glaube, bisher lernt nur einer Trompete“, sagt Joest.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Das bestätigt sich auch bei der Frage des Posaunenwarts. „Ich lerne Gitarre“, meldet sich ein Junge zu Wort und ein anderer erklärt mit Blick auf seinen Zeitplan: „Das war schon sehr gut hier, aber ich spiele Fußball.“ Musik wird an der Friedensschule groß geschrieben „sie fördert die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung“, erläutert die Fachlehrerin und ergänzt: „Wichtig ist, dass die Kinder auch das Hören lernen, denn das Zuhören ist längst nicht mehr selbstverständlich.“

Die Stunde neigt sich langsam dem Ende, da meldet sich ein Junge noch schnell und äußert den Wunsch: „Kannst du auch was auf auf der Tuba spielen?“ Die sei ihm fast unters Auto gekommen, stand beim Einparken dahinter und wurde angefahren, erklärt Vogel die kleine Beule an dem großen Instrument. „Aber das macht dem Ton nichts aus. Nur habe ich sie ewig nicht gespielt, weiß gar nicht, ob ich das noch kann.“ Doch nach zwei drei Übungstönen erklingt dann die wohlig tiefe Tuba und die Kinder applaudieren, zeitgleich ertönt die Glocke zur Pause.

Zuvor verwies Vogel noch auf den Posaunenchor Groß-Zimmern unter Leitung von Ulrich Kuhn, der zudem auch Einzelunterricht erteilt und nicht nur für Onur demnächst vielleicht ein passender Ansprechpartner ist.

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