Erika und Horst Neumann sind heute auf den Tag genau seit 50 Jahren verheiratet

„Langeweile hat es für uns nicht gegeben“

Erika und Horst Neumann feiern heute Goldene Hochzeit. - Foto: Bernauer Erst nach Jahren hat es bei den beiden gefunkt

Groß-Zimmern - Erika (71 Jahre) und Horst Neumann (74 Jahre) kennen sich schon lange, als Kinder waren sie gemeinsam in dem Verein, dem sie bis jetzt treu geblieben sind, dem Odenwaldklub (OWK). Von Ulrike Bernauer

„Aber damals kannten wir uns halt, wie man den Nachbarn kennt, Erika war in der Kindergruppe, ich in der Jugendgruppe, die es damals noch gab“, erinnert sich Horst Neumann. Heute, am 23. Dezember, sind die beiden 50 Jahre verheiratet.

Gefunkt hat es aber erst spät, da war Horst Neumann mal wieder vom Studium zu Hause in Groß-Zimmern und sah seine spätere Frau mit dem Rollkarren durch die Straße laufen. „Da habe ich sie gefragt, ob sie mit mir ins Kino kommt.“

Am Anfang führte das junge Paar eine Fernbeziehung, Horst Neumann studierte in Frankfurt Vermessungstechnik, Erika, die damals noch Hoffmann hieß, arbeitete in Stuttgart als Gärtnerin. „Solange wir uns nah waren, war kaum Interesse da, aber als wir uns nur noch selten sahen, da wurde es interessant“, lacht der Goldene Hochzeiter im Nachhinein.

Die Beziehung auf die Ferne dauerte allerdings nicht lange, Horst Neumann kehrte nach dem Studium wieder nach Groß-Zimmern zurück und eröffnete ein Vermessungsbüro. Erika Neumann verließ Stuttgart und half erst bei ihren Eltern in der kleinen Gärtnerei und im Gemüseladen, später immer mehr ihrem Mann im Büro.

Am 23. Dezember wurde standesamtlich geheiratet, am 26. Dezember gaben sich Erika und Horst in der Kirche das Jawort. Schnell wurden die ersten Büroräume zu klein, und so mieteten die beiden ein Haus im Ober-Ramstädter Weg, in dem Büro und Wohnung Platz fanden. Das war aber nicht der einzige Umzug: Platzmangel bewog die Neumanns häufiger dazu, nicht nur umzuziehen, sondern über die Jahre auch insgesamt drei Häuser zu bauen.

In Glanzzeiten führte Horst Neumann zwei Büros, eines für Vermessungstechnik, eines für Stadtplanung und beschäftigte mit seinen Partnern über 100 Angestellte. Erika Neumann hatte die Gärtnerei schon längst an den Nagel gehängt, stattdessen neben ihrer Arbeit eine kaufmännische Lehre gemacht und führte die Verwaltung beider Büros.

Trotz der Arbeitsbelastung, die für beide erheblich war, erfüllte sich das Paar den Wunsch nach drei Kindern. Zwei Töchter und einen Sohn bekamen die Neumanns, der Sohn wohnt mit Familie im Haus der Eltern in der Angelgartenstraße, eine Tochter in München, die andere in Reinheim. „Ohne unseren guten Geist, meine Schwester Anneliese hätten wir das mit dem Büro und den Kindern nicht so gut geschafft“, sagt Erika Neumann. „Sie hat sich um den Haushalt und die Kinder gekümmert.“

Denn Horst Neumann begnügte sich nicht damit, die beiden Büros zu leiten, er trat auch dem Vermessungswissenschaftlichen Verein bei, wurde für eine Arbeit in den USA ausgezeichnet und hielt über die Jahre hinweg viele Vorträge, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. Oft begleitete ihn seine Frau, wenn es nach Helsinki, Stockholm oder Australien ging. Die Arbeit betrachteten beide nicht als Last, sondern sie gehörte einfach dazu: „Wir sind beide Arbeitstiere.“

Für Hobbys blieb da nicht viel Zeit, aber der OWK begleitete beide durch ihr Leben. „Ich war bis auf meine Studienzeit und Mitte der 80er Jahre, als es mir gesundheitlich schlecht ging, immer im Vorstand des OWK“, sagt Horst Neumann. 1993 übernahm er dann den Vorsitz, den er im Jahr 2008 mit Erhalten der Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) wieder abgab. Aber auch jetzt hilft er dem derzeitigen Vorsitzenden Norbert Kaiser, soweit es ihm möglich ist.

Die Neumanns haben kein Rezept für eine gute Ehe, außer einem: „Streit über Nacht gibt es nicht, notfalls wird sich im Bett versöhnt.“ Die Zuständigkeiten waren zwischen den Eheleuten immer geklärt: „Erika war der Finanzminister“. Geldsorgen hatten die Neumanns - außer in den Anfangsjahren - nicht, auch im Ruhestand reicht es, „ich habe immer genug eingezahlt.“

Langeweile kennen die beiden nicht, auch wenn es Horst Neumann zunehmend schwer fällt, aus dem Haus zu gehen. „Oben wohnen drei Enkelkinder, die kommen häufig zum Mittagessen, Erika kocht für alle.“ Horst geht dreimal die Woche zur Krankengymnastik und seinen Hometrainer benutzt er auch regelmäßig. In den Urlaub fahren sie auch, früher in die Berge, heute nach Mallorca oder auf die Kanarischen Inseln. „Erika muss dann die Koffer tragen“, erzählt Horst Neumann.

An ihrem heutigen Festtag freuen sich die Neumanns auf Gäste, „Wer kommt, der kommt“, sagen die beiden. Mit der Familie feiern sie dann am zweiten Weihnachtsfeiertag im kleineren Kreis.

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