Lautes Spektakulum im Glöckelchen

+
Furchterregend konnte sich Thomas Beutel (oben) beim Spektakulum des Kerbvereins gebärden. In fröhlicher Runde schlemmten die Gäste des Kerbvereins.

Groß-Zimmern - „Silentium!“ Stille erbittet Thomas Beutel, Kerbvereinsvorsitzender am Freitagabend im Glöckelchenkeller. Die Ruhe kehrt erst langsam ein, zu lebhaft sind Gespräche und Gelächter, denn schließlich hat der Kerbverein zum mittelalterlichen Spektakulum eingeladen. Von Ulrike Bernauer

Im Mittelpunkt des Abends war natürlich das Essen. Aber Beutel stellte vor die kulinarischen Genüsse erst einmal die geistlichen Ergüsse, denen sich die Gäste auch hinzugeben hatten. Die schöngeistige Aufnahmefähigkeit der besucher wurde durch die Gedichte und Geschichten allerdings nicht überfordert. Der erste Reim handelte von einem Tier, das bald auf dem Brettchen landen sollte.

„Auf der saftig grünen Wiese weidet ausgerechnet diese - eine Kuh“, rezitierte Beutel. Die Essensgesellschaft lachte, bis auf eine der hochherrschaftlichen Damen, auf die Beutel mit dem Finger zeigte, während er donnernd sprach: „Träumend und das Maul bewegend schaut se dämlich in die Gegend - grad wie du!“

Kartoffelsuppe im Brot

Ein wenig ratlos, nicht dämlich, schauten die Gäste jedoch als die erste Speise auf den Tisch kam. Es war eine Kartoffelsuppe, dargereicht in einem fest gebackenen Brot, das als Suppenteller fungierte - Spezialanfertigung von Bäcker Nennhuber für diesen Abend. Die Suppe duftete köstlich, jedoch fehlte das heute gebräuchliche Esswerkzeug, der Löffel. Schnell hatten die Esser den Trick raus. Mit einem Stück abgebrochenen Brotes konnte man die köstlich sämige Suppe wunderbar verzehren. Wem das zu langsam ging, der setzte das runde Brot an den Mund und ließ die flüssigen Erdäpfel gleich in den Mund fließen.

Furchterregend konnte sich Thomas Beutel (oben) beim Spektakulum des Kerbvereins gebärden. In fröhlicher Runde schlemmten die Gäste des Kerbvereins.

Die Stimmung im Keller schäumte schon nach dem ersten Gang fast über. Durch die Sitzordnung, die Tafelnden saßen sich in einem großen U praktisch gegenüber, konnten die Gäste bei entsprechender Stimmkraft mit fast allen anderen reden. Zur guten Laune trug auch bei, dass alle als allererstes ein Lätzchen umgebunden bekamen. Die Stimmung würzten zudem das Fässchen Schwarzbier und der Wein, der allenthalben dargeboten wurde. Auch die Gedichte, die von der Ritterschaft handelten, wie etwa Ritter Fips, der den Fehler beging, sich in voller Rüstung über die Brüstung zu lehnen, trugen zum Gelingen des Abends bei.

Regeln der Tafelrunde

Auf die Tafel kamen natürlich außer der Kartoffelsuppe auch noch andere Genüsse. Ein Spieß mit Fleisch von Schwein und Rind machte die Münder glänzen, ebenso wie die gebratenen Leiterchen aus dem Tonkrug.

Rotkraut, Erdäpfel in fester Form, Krautsalat und Kräuterquark komplettierten die Hauptmahlzeit. Wer dann noch nicht genug hatte, der konnte sich am Käsescheiterhaufen gespickt mit Früchten laben.

Beutel und die Köche Holger Reitz und Michael Heine hatten auch Vorsorge getroffen, damit die Heiterkeit der Versammlung nicht aus dem Ruder laufe. Die Regeln der Tafelrunde wurden gleich zu Beginn verlesen. Es galt, sich auf das gründlichste vor dem Verzehr der Speisen die Hände zu waschen, niemals allein, sondern immer nur in Gesellschaft zu trinken und die Frauen hatten den Männern den Vorrang zu gewähren. Verpönt war es auch, Essensreste durch den Saal zu werfen.

Glücklicherweise hielten sich alle an die Regeln, der Obolus von 18 Goldstücken wurde ebenfalls von allen entrichtet, so dass keiner der Gäste das härteste aller Urteile erdulden musste. „Zechprellerei wird mit Enthauptung bestraft“, hatte Beutel gleich zu Beginn gedroht.

Kommentare