Lautes Zwitschern ohne Zilpzalp

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Bei der Vogelstimmen-Führung im Groß-Zimmerner Wald waren die Voraussetzungen sehr gut. Bei frühlingshaften Temperaturen zwitscherten viele Artenvertreter munter in den Bäumen.

Groß-Zimmern - Zum 13. Mal organisierte die Ortsgruppe des NABU kürzlich eine Vogelstimmen-Führung im Zimmerner Wald.

Die Voraussetzungen waren optimal, denn trotz der nächtlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt gab es am Morgen frühlingshafte Temperaturen und strahlenden Sonnenschein. Bei so günstigen Konditionen gabe natürlich auch die Vögel ihr Bestes, als die kleine Gruppe sich auf den Weg durch den noch vom Morgendunst durchzogenen Wald machte. „Damit die Ergebnisse einigermaßen vergleichbar mit den Vorjahren sind, gehen wir wieder den selben Weg“, erläuterte der NABU-Vorsitzende Lothar Jacob. Danach übergab er die Exkursionsleitung an den Naturschützer Franz Peter aus Groß-Umstadt.

Schon während der einleitenden Worte Peters über die Hintergründe der Gesangeskunst von Vögeln konnte man einige Buchfinken hören. Nachdem der Vogelexperte einige Informationen zum Thema Winterfütterung gegeben hatte, spitzte er seine Ohren und wies auf den Gesang der Singdrossel hin, die von ihrer Warte aus ihre Motive - fast immer dreimal wiederholt - in die Morgensonne zwitscherte. Auch für den Ornithologen war es die erste Singdrossel in diesem Jahr, „also wohl erst ganz frisch aus den Winterquartieren zurück gekommen“, folgerte er. Im weiteren Verlauf der kleinen Vogelstimmenerkundungstour wetteiferten die Buchfinken mit den Singdrosseln um die Dominanz beim sonntäglichen

Frühkonzert. Peter war überrascht über die vielen Singdrosseln an diesem Morgen, denn in den letzten Jahren war eigentlich der Buchfink der „Superstar“ im Zimmerner Wald gewesen. „Das deutet auf eine gute Struktur des Waldes hin, der mit vielen Laubbäumen einen für den Buchfinken idealen Lebensraum bietet“, so Peter. Wie immer gab es einige interessante Geschichten zu hören. So erzählte Peter über Sinn und Zweck der Beringung von Vögeln und davon, wie Karl Rottmann früher einmal festgestellt hatte, wie viele Buntspechte an der Futterstelle nach Nahrung suchten. Obwohl immer nur ein Buntspecht zu sehen war, stellte sich durch Beringung heraus, dass es sich insgesamt um neun verschiedene Vögel handelte.

Die gefiederten Waldbewohner waren an diesem Morgen schon sehr aktiv mit ihrem Gesang, wobei sich zwei Vogelarten besonders hervor taten. Das waren zum einen die Buchfinken und nicht minder auffällig die zahlreichen Singdrosseln. „Die Vögel singen zum Anlocken der Partner und zur Abgrenzung des Reviers“, erläuterte Peter. „Sind viele Rivalen da, wird deutlich mehr gesungen als in Gebieten, in denen keine möglichen Konkurrenten zu hören sind“. Dann ging der Blick nach oben, wo zwei große Vögel über den Wald flogen. Es dauerte ein wenig, bis jeder sie mit seinem Fernglas erkennen konnte. „Silberreiher tauchen bei uns in den letzten Jahren immer häufiger auf“, so der Exkursionsleiter. „Bruten sind aber noch nicht nachgewiesen worden.“

Am Ende des Rundganges gab es mit 20 verschiedenen Vogelarten ein sehr gutes Beobachtungs-Ergebnis. Dazu kam noch ein Eichhörnchen, das vor der Gruppe über den Weg turnte, und ein Erdkrötenpärchen, das eng umschlungen am Wegesrand Richtung Laichgewässer unterwegs war. Der Zilpzalp, ein leicht zu erkennender Sänger, ist Anfang März trotz der milden Temperaturen noch nicht aus dem Winterquartier zurück. In den vergangenen 13 Jahren konnte er nur zwei Mal bei den Frühjahrs-Exkursionen gesichtet werden. Als die Gruppe auseinander gegangen war, zeigte sich noch eine Heckenbraunelle.

(guf)

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