Gedenken an den Ersten Weltkrieg

„Im Lazarett von Bumbesheim“

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Adam Rudolph I. (1882 bis 1951) wurde für seinen einsatz im Ersten Weltkrieg mit dem Eisternen Kreuz gewürdigt. J 

Gross-Zimmern - Wenn man umzieht, finden sich in der Regel allerhand interessante Dinge. Pfarrer Markus W. Konrad aus Groß-Zimmern fielen zufällig ein Eisernes Kreuz zweiter Klasse aus dem Ersten Weltkrieg und ein Tapferkeitsorden in die Hände.

Dieser zweite Orden war seinem Großvater 1934 verliehen worden - für die Teilnahme als Frontkämpfer am Ersten Weltkrieg. Adam Rudolph I., geboren am 5. März 1882 und gestorben am 8. Februar 1951, absolvierte seinen Grundwehrdienst von 1902 bis 1904 beim Infanterie Regiment Kaiser Wilhelm II., Grossherzogtum Hessen Nummer 116, Giessen. Im ersten Weltkrieg lag er neben dem Groß-Zimmerner Georg Heinrich Schreiber (25. Juni 1882, gestorben 24. November 1962) im Schützengraben - seinem Lebensretter. Mit Unterstützung der Erinnerungen seiner Mutter Hilde Maria Konrad, geborene Rudolph (1930), gelang es Pfarrer Konrad nun, der Vergangenheit einen kostbaren Schatz zu entreißen: Das Schicksal des Großvaters, den der Geistliche nie kennenlernen konnte.

Weite Reise: Anna Maria Rudolph, geborene Schreiber, fuhr mit Sohn Rudi zu ihrem Mann ins Lazarett nach Pforzheim. (Bild vergrößern)

Pfarrer Konrad schreibt: „Mit den Fundstücken verbindet sich ein kleines Stück Lebensgeschichte meines Großvaters. Glücklicherweise erhellte meine Mutter diese Lebensepisode durch ihre Erinnerungen ein wenig. Im ersten Weltkrieg war es häufig so, dass die unmittelbar miteinander kämpfenden Soldaten aus der gleichen heimatlichen Region kamen. Das sollte für meinen Großvater eine glückliche Fügung werden. Er kämpfte an derSeite von Georg Heinrich Schreiber, der ebenfalls aus Groß-Zimmern kam. Während eines Angriffs erlitt Adam Rudolph I. vermutlich im Jahr 1916 eine lebensbedrohliche schwere Verwundung, einen Lungensteckschuss. Als sich die versprengten Soldaten nach dem Beschuss wieder gesammelt hatten, stellte Georg Heinrich Schreiber fest, dass Adam Rudolph nicht zu seiner Einheit zurückgekehrt war. Mutig und ohne viel nachzudenken, machte er sich auf die Suche nach dem Kameraden. Er fand ihn schwer verwundet in der Frontlinie, schulterte ihn und brachte ihn zum Feldlazarett. Dort konnten die Wunden versorgt werden.

Zur Genesung wurde mein Großvater in ein Lazarett nach Pforzheim gebracht. Im Lazarett besuchte ihn seine Ehefrau Anna Maria Rudolph, geborene Schreiber (1885 bis 1957). Um dem Ehemann eine Freude zu bereiten, brachte sie auch den gemeinsamen Sohn Rudolf Heinrich Rudolph (genannt Rudi, geboren 1912) mit. Der aufgeweckte Vierjährige beschwerte sich bereits auf der Reise über den ordinären Namen Pforzheim und zog es vor, die zu bereisende Stadt „Bumbesheim“ zu nennen. Der Anblick der vielen schwer verwundeten Soldaten, die der damaligen Mode entsprechend lange Bärte hatten, muss für die junge Frau irritierend und beängstigend gewesen sein. Rudi allerdings ließ es sich nicht nehmen, jeden einzelnen Verwundeten persönlich in Augenschein zu nehmen. Dabei machten sich die Soldaten den Spaß, dem Kind schwierige, und wohl auch aufgeschnappte französische Worte vorzusagen. Der Bub plauderte alles nach und erhielt zahlreiche Belohnungen in Form von Naturalien, die er gerne annahm und voller Begeisterung verzehrte - nicht gerade zur Freude der jungen Mutter. Für Anna Maria Rudolph sollte dieser Besuch im Lazarett in Pforzheim die einzige und die längste Reise sein, die sie von Gross-Zimmern aus bis zu ihrem Tode 1957 unternahm.

Die Gräber von Adam Rudolph I. und seine Frau Anna Maria und auch von GeorgHeinrich Schreiber bestehen heute noch auf dem Friedhof von Groß-Zimmern. Diese und andere Erinnerungen von Teilnehmern aus Groß-Zimmern am Ersten Weltkrieg sind demnächst im Kulturzentrum zu sehen. Zum Thema „Zimmern im Ersten Weltkrieg“ findet am Sonntag, 30. März, um 15 Uhr im Glöckelchen eine Veranstaltung mit Heimatforscher Dr. Manfred Göbel statt. Der Eintritt ist frei.

guf

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