Von der Legehenne zum Suppenhuhn

KLEIN-ZIMMERN - Die Silos liegen flach, die Koppeln sind verwaist. Kein einziges glückliches Huhn pickt derzeit auf dem Birkenhof bei Klein-Zimmern vor sich hin.

Es ist Wechselzeit: Nach rund 13 Monaten hat die erste Generation der Bio-Legehennen bei Landwirt Thomas Schaffer die ihr zugedachten Aufgaben erfüllt. Von 12 000 Nachwuchskräften haben jetzt gut 11 000 ihre Laufbahn als Bio-Suppenhuhn beendet.

Das ist bei „Bio“ so wie in der konventionellen Haltung: „Nach gut einem Jahr lässt nicht nur die Legeleistung nach, sondern die Eierschalen werden dünner, brechen leichter, und die Eier sind dadurch schwerer zu vermarkten“, weiß der 37-jährige Landwirt, der mit viel Engagemnent den von den Eltern übernommenen Hof nach den Normen des Naturland-Verbands auf Öko-Landwirtschaft umstellt. Der größere Teil der Strecke ist bereits zurückgelegt, bis 2015 soll die Umstellung der 150 Hektar vollendet sein.

Die „Hinkel“ spielen dabei gleich mehrere Rollen. Sie sind Abnehmer fürs eigens angebaute Bio-Futter, liefern mit ihrem Mist wertvollen Stickstoffdünger für die Bio-Landwirtschaft, und Bio-Eier – rund 10 000 pro Tag – lassen sich zu Erträgen vermarkten, „die mit der konventionellen Hühnerhaltung vergleichbar sind“, so der Klein-Zimmerner Landwirt. Dabei korrspondiert das höhere Preisniveau für das Bio-Siegel mit größerem Aufwand für den Kauf der Bio-Legehennen, für Futtermittel, Stall- und Freilaufflächen.

An schönen, nicht zu kalten und nicht zu heißen Tagen, verbrachten die meisten von Schaffers tierischen Mitarbeiterinnen entspannte Tage auf knapp fünf Hektar Freifläche, scharrten und pickten nach Herzenslust oder verzogen sich in Unterstände, die ihr Halter ihnen nach und nach spendierte.

„Eigentlich haben sich all meine Erwartungen erfüllt“, bilanziert er in der aktuellen Wechselzeit. „Und so könnte es eigentlich immer weitergehen.“ Auch dass von den 12 000 Junghennen „nur“ gut 11 000 am Ende ihres „Arbeitslebens“ angekommen sind, liegt für ihn im Horizont seiner Kalkulation. „Einige wird der Fuchs geholt haben, andere wohl auch der Habicht, obwohl ich selbst das bisher nicht beobachten konnte. Marder haben es allerdings bisher wohl nicht bis in die Koppeln geschafft, denn wenn die an Hühner rankommen, verfallen sie in einen Blutrausch, und es gibt ein Massaker. Dafür haben wir keine Spuren gefunden.“

Das „Wir“ steht in diesem Fall auch für Kompagnon Norman Jaensch, mit dem Schaffer den Bio-Birkenhof gemeinsam bewirtschaftet.

Relativ knapp ist für die beiden der Ertrag an Hühnermist als Bio-Dünger ausgefallen. „Es reicht gerade so für die eigenen Flächen“, erklärt der Bio-Bauer und meint damit vor allem den Getreide-Anbau. „Auf die zum direkten Verzehr bestimmten Sonderkulturen von Erdbeeren und Spargel kommt dieser Dünger sowieso nicht.“

Als zu klein haben sich die Futtersilos erwiesen, die dieser Tage demontiert worden sind und durch größere ersetzt werden. Das lag nicht am guten Appetit glücklicher Hühner, „denn die fressen im Schnitt immer so ihre 120 Gramm pro Tag“, sondern daran, dass immer nur genau eine LKW-Ladung hineinpasste und damit kein Puffer-Volumen vorhanden war. Neue, größere Behälter kommen – natürlich noch vor den neuen Legehennen.

„Von den alten haben wir rund 150 selbst schlachten lassen“, sagt Schaffer. „Das hat Bauer Mann für uns übernommen, der hat die entsprechenden Einrichtungen.“

Die restlichen 11 000 Hennen sind an eine Großschlachterei in Niedersachsen gegangen – wo Legebatterien stehen, gegen die sich der 18 mal 107 Meter große Offenstall auf dem Birkenhof wie eine Idylle ausnimmt. Diese Tiere liegen nun als Bio-Suppenhühner in den Tiefkühltruhen diverser Märkte.

„Von unseren 150 sind um die 100 gleich frisch verkauft worden“, weiß Schaffers Mutter Elisabeth zu berichten, die den Hofladen betreibt und derzeit noch ganze gefrorene 50 „Hinkel“ im Angebot hat.

Noch mal rückblickend: War die erste Generation Legehennen auf dem Birkenhof zufrieden? „Wenn man das am Verhalten der Hühner misst, die in Scharen auf einen zugelaufen kommen, wenn man ihr Gelände betritt – ja“, sagt der Landwirt. Und ist der Bio-Bauer zufrieden, wenn die Hinkel zufrieden sind? „Unbedingt“, versichert Schaffer. J sr

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