Ausverkaufte Aufführungen: Einen Treffer ins Schwarze landeten die Bock-Aktiven mit dem Darmstädter Kikeriki-Theater

Letzter Streich: Rauchverbot in der Hölle

Schwarzer Bock sorgt für Kultur in Zimmern, am liebsten mit Komödien.

Gross-Zimmern - „Kikeriki“ - der Name ist Programm. Von Ursula Friedrich

Zwei Mal sorgte das Darmstädter Kikeriki-Theater in der Mehrzweckhalle Groß-Zimmern an Pfingsten für einen kurzweiligen Abend mit Zwerchfellalarm! „Faust“, die Parodie des Klassikers von Johann Wolfgang von Goethe, lockte knapp 900 Gäste zu einem höllischen Erlebnis in die Mehrzweckhalle.

Puppen und menschliche Mimen lieferten sich im Stil eines volkstümlichen Jahrmarktspieles zwei Stunden lang einen heiter-rasanten Schlagabtausch. Rotzfrech, tiefsinnig und oberflächlich brabbelnd, von hessisch bis bayrisch, schlussendlich urkomisch, was sonst auch, so bestätigten die Akteure alle Erwartungen des Publikums.

Vom eingewachsenen Zehennagel bis zu Yogi Löws sexuellen Neigungen erstreckte sich das Themenspektrum – daneben blieb, Kikeriki sei Dank, reichlich Platz für Improvisationen. Dass auch das Publikum („du Fischkopp’!“) dabei sein Fett wegbekam, ist Kult. Ans Drehbuch à la Goethe hielt sich freilich keiner.

Dass sich der Pakt mit dem Teufel keineswegs so abspielte, wie im Klassiker des deutschen Dichterfürsten, lag auf der Hand. Das Gretchen war bei einem Odenwaldcasting gebucht worden, allerdings mit nichten weiblich, und im weißen Ganzkörperkondom einem Teletubbie noch am ähnlichsten. Als in der Hölle die Fußmaniküre gleich durch eine Amputation bereinigt wurde, bot auf Erden der heitere Hanswurst-Kasper dem Mephisto erfolgreich Paroli. Währenddessen war Dr. Faust in großen Strecken mit dem Bühnenpersonal hinter den Kulissen beschäftigt.

Ein Hilfsrequisiteur übernahm stellenweise eine aktive Bühnenrolle und vereitelte dem Gelehrten seinen Einsatz.

Zu guter Letzt machte Kasper ein dickes Schnäppchen, das Gretchen eine Musikerkarriere, der treuselige Kammerdiener Fausts eine riesige Erbschaft, während der seelenlose Faust in den Höllenschlund hinabstieg, wo des Teufels Großmutter gerade ein Rauchverbot verhängte – und das Publikum mit einem Grinsen auf den Lippen von dannen zog.

Bereits zum vierten Mal war es den Veranstaltern, dem Schwarzen Bock, gelungen, die Theatertruppe für Groß-Zimmern zu buchen. „Wir möchten Kultur nach Groß-Zimmern bringen, am liebsten Komödie“, sagte Bock-Chef Roland Cöstner, dem mit dieser Buchung ein Volltreffer gelungen war.

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