Leuchtturm und Lichtblick

Groß-Zimmern ‐ Die Pflege eines Demenz-Patienten ist für die betroffenen Menschen mit erheblichen Belastungen verbunden. Dass und wie hier geholfen werden kann und muss, erfährt man im Demenzservicezentrum (DSZ) im Groß-Zimmerner Otzbergring. Von Gudrun Fritsch

Vor zwei Jahren wurde es zusammen mit dem Mehrgenerationenhaus (MGH) eröffnet, jetzt zogen Mitarbeiterinnen und die projektbegleitenden Wissenschaftler der evangelischen Fachhochschule eine Zwischenbilanz, die den dauerhaften Fortbestand der Institution als dringend notwendig einstuft.

Als „Leuchtturm und Lichtblick“ bezeichnete Dr. Margret Flieder nach ihrem ausführlichen Fachvortrag die Einrichtung.

Die Leiterin des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg, Edda Haack, begrüßte die Gäste der „kleinen Runde“, darunter pflegende Angehörige, Dekan Joachim Meyer und die Seniorenbeauftragen des Landkreises.

„In den ersten drei Lebensjahren wird am allermeisten gelernt“, erklärte Haack und lobte besonders den engagierten Einsatz der „drei Mütter“ Nicole Novak, Angelika Seidler und Martina Müller.

Das Land Hessen fördert das Zentraum als Modellprojekt 

Haack beschrieb das „fachlich und thematisch passende Kombipack aus MGH und DSZ“ als Vorreiter im Bundesgebiet, das inzwischen Nachahmer gefunden habe.

Besonders für pflegende Angehörige wie etwa Elisabeth Förster, die für ihren an Demenz erkrankten Mann seit fast zehn Jahren sorgt und die Problematik aus dieser Sicht schilderte, ist eine solche Fachstelle wichtig. Die Funktion als Anlaufstelle für Betroffene ist jedoch nur ein Aspekt des Demenzservicezentrums, das vom Diakonischen Werk Darmstadt-Dieburg getragen und für drei Jahre vom Land Hessen als Modellprojekt finanziert wird. Auslaufen wird die Förderung im Sommer 2011.

Zu den Aufgaben von Sozialpädagogin Nicole Novak, die demnächst in Mutterschaftsurlaub gehen wird, gehören auch die Vernetzung niedrigschwelliger Betreuungsangebote im Kreis, die Sensibilisierung von Pflegekräften und Ärzten, die Fortbildung ehrenamtlicher Betreuer sowie die Öffentlichkeitsarbeit. So sei man beispielsweise sozial planerisch tätig in Gemeinden mit Bauvorhaben. „Wir haben immer den lokalen Bedarf im Blick“, erklärte Novak und plädierte für die Einrichtung von mehr Wohn- oder Hausgemeinschaften sowie Tagesangeboten und gegen die künstlich stationäre Atmosphäre des Abgeschobenseins.

Jahresetat von 50.000 Euro

Dass der Fortbestand des DSZ auch weiterhin gesichert werden muss, darin waren sich die Anwesenden einig. „Wir benötigen einen Jahresetat von rund 50.000 Euro. Gemeinsam mit dem MGH wird auch auf Bundesebene nachgehakt“, sagte Haack und skizzierte ein Drittelmodell: Einen Teil der Kosten sollte das Land tragen, einen der Kreis und einen die Kommunen. Pessimistisch sah dies jedoch der Seniorenbeauftragte Richard Siegler. Er kritisierte: „Es heißt doch immer nur: es gibt kein Geld!“

Rubriklistenbild: © dpa

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