Leute wollten Geld ausgeben

Groß-Zimmern - (bea) „Die Heimat der Bürsten und Matratzen“ nannte das Darmstädter Tagblatt 1937 Groß-Zimmern. Eine Beschreibung der Gersprenzgemeinde unter der sich die Zimmerner heute wohl kaum wiedererkennen würden. „Eine Hochburg für wechselnde Gewerbe war Groß-Zimmern in den letzten 150 Jahren“, erläuterte Manfred Göbel am vergangenen Sonntag in seinem Vortrag.

Die Federviehhändler hatten eins eine herausragende Stellung, und das im gesamten süddeutschen Raum. Mit Staunen vernahmen die Zuhörer im Glöckelchen, dass es um 1860 stolze 17 Bäcker und neun Metzger im Ort gab, bei damals gerade mal 3 000 Einwohnern. Die Besucher lauschten nicht nur sehr interessiert den Ausführungen, sondern konnten auch viele Bilder von damals auf der Leinwand sehen.

So manche Diskussion entspann sich, wer denn nun auf dem Foto mit der Belegschaft von „Emil Engelhards Stahl-Matratzen-Fabrik Grohs-Zimmern“ zu sehen wäre. Der versierte Heimat- und Geschichtskenner Göbel konnte zu seiner Freude so manchen weißen Fleck füllen. Die überwiegend älteren Zuschauer erkannten das eine oder andere Gesicht, das ihm bis dahin unbekannt war.

Auch so mancher Disput entspann sich zwischen Göbel und den Zuhörern. So über die Zeichenschule, die vom Ortsgewerbeverein gegründet worden war und die mit den heutigen Berufsschulen vergleichbar ist. „1923 ging die Zeichenschule in den Besitz der Gemeinde über“, berichtete Göbel.

„Hier an diesem Tisch habe ich noch in der Zeichenschule gesessen“, beharrte hingegen Georg Steinbrecher. Des Rätsels Lösung: der Name der Schule war geblieben, aber die Betreiber und der Ort hatten sich geändert.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Ortsgewerbeverein aufgelöst. Zu seiner Neugründung 1949 veranstaltete er eine überaus erfolgreiche Gewerbeschau. 18 000 Besucher haben diese Schau besucht. „Es war nach der Währungsreform. Die Leute hatten wieder Geld und sie wollten es auch ausgeben“, sagte Göbel. Der Originalkatalog von der zweiten Schau 1950 mit dem Titel „Schaffende Hände“ lag im Göckelchen vor und wurde mit großem Interesse angeschaut.

Intensiv besprochen wurden auch die Tabellen der Gewerbetreibenden von 1860, die an den Wänden hingen. Glücklicherweise hatte Göbel vorher einiges von den Aufzeichnungen von Pfarrer Carl Müller erläutert, denn viele der jüngeren Besucher konnten so manchen Schriftzug nicht mehr lesen.

Einige der gezeigten Betriebe existieren heute noch, darunter etwa die Bäckerei Nennhuber oder das Friseurgeschäft Schlepper.

„Heute sind die meisten Arbeitsplätze bei den großen Märkten“, vermutete Göbel und blickte fragend zu Bürgermeister Achim Grimm, der zustimmend nickte.

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