Mittelalter hält Einzug auf der Reitanlage

„Lichte“ heiß umkämpft

Mutig hält Tara den amerikanischen Wüstenbussard.

Groß-Zimmern - „Stechen ist verboten, Schläge von unten nach oben sind verboten!“, tönt der Herold auf dem Turnierplatz und weist auf die etwas unförmigen Kämpfer hin. Von Ulrike Bernauer

Die stecken in starren Rüstungen, die allerdings nicht so schön aussehen wie in Filmen, sondern eher etwas zusammen gestoppelt. Als der Wettstreit beginnt, schlagen die Kämpfer mit ihren Waffen schwerfällig aufeinander ein und pausieren relativ schnell. Offensichtlich ist der Kampf mit vielen Kilo Metall auf dem Leib anstrengend.

Den zahlreichen Besuchern wird beim Ritterspektakel am Wochenende etliches geboten. Hinter dem Gelände „Auf der Lichte“ des Reit- und Fahrvereins hat sich ein kleines Dorf breitgemacht. Da sind zum einen die Verkaufsstände, die allerlei Mittelaltertypisches anbieten, zum anderen die vielen Zelte, in denen die Schausteller und Händler nächtigen. Zentral liegt der große Turnierplatz, an dessen einem Ende eine nachgestellte Burg dräut, hinter ihren Pforten können sich die Darsteller vorbereiten und sammeln.

Um den Turnierplatz versammeln sich die meisten Besucher. Sie wollen den Schwertkampf sehen, aber selbstverständlich auch das Ritterturnier. Verpackt sind die Schaukämpfe in viele Erläuterungen und Anekdoten über das Mittelalter. Das Publikum wird auch immer wieder einbezogen, so darf sich eine mutige Frau auch mal am Schwert erproben. Die Dame im langen, blauen Gewand schlägt sich nicht schlecht, obwohl sie erst zum zweiten Mal in ihrem Leben ein Schwert in der Hand hat.

Geschichtskundig zeigt sich eine weitere Besucherin. Sie kann die Begriffe „Frühmis“ und „Spämis“ erklären. Im Frühmittelalter trugen die Recken noch vergleichsweise wenig Rüstung und konnten die Zuschauer durch mehr Wendigkeit und überraschende Angriffe entzücken, während die Herren des Spätmittelalters durch ihre Rüstungen zwar besser geschützt, aber auch sehr unbeweglich waren. So unbeweglich, dass sie Hilfe beim Aufstehen benötigten, waren sie einmal umgefallen.

Aber auch außerhalb des Turnierplatzes gibt es viele Attraktionen. Die drei amerikanischen Wüstenbussarde und der Steinadler gehören dazu. Der dreijährige Yannick lässt sich einen der Wüstenbussarde auf den Arm setzen, den engen Kontakt mit dem Steinadler Hugo trauen sich nur die Erwachsenen zu.

Ritterspiele für die Kleinen gibt es auch noch. Amelie (7) reitet mit ihrem Holzpferd und schafft es, drei Ringe während ihres Rittes zu ergattern, Bruder Nick (5) holt nur zwei Ringe, hat aber das bedeutend schnellere Holzpferd.

Der unbestreitbare Höhepunkt sind für das Publikum aber das Ritterturnier und die Feuershow.

Dicht gedrängt sitzen Kinder und Erwachsene um den Turnierplatz und bestaunen die Ritter in ihren prächtigen Rüstungen. Zu Pferde werden im wilden Ritt Ringe aufgespießt, aber auch Trinkbecher von einem Podest gepflückt. Es bleibt auch nicht aus, dass es ein wenig kriegerischer wird. Zuletzt nämlich versuchen die edlen Herren mit ihren Lanzen sich gegenseitig vom Pferd zu stoßen.

Verpackt ist das alles in eine Geschichte, die beschreibt, wie Gebietsstreitigkeiten zwischen den Rittern nicht durch Krieg, sondern eben ein Turnier ausgetragen werden. Das Publikum macht eifrig mit, spornt an, durch Rufe oder „Handgeklapper“ (Klatschen) und hat sich mit Vigo, dem schwarzen Ritter, schnell einen Lieblingsschuft auserkoren.

Getopt wird das Turnier nur noch durch die Feuershow, bei der gleich mehrere Akrobaten ihre heißen Kunststücke vorführen. Da wird Feuer gespuckt, aber auch ein Kämpfchen mit brennenden Schildern ausgetragen. Glück im Unglück, erst beim allerletzten Programmpunkt, den Reiterkunststücken fängt es an zu regnen.

Die waghalsige Akrobatik auf den Pferden schauen sich die meisten Zuschauer noch an, der Tavernenabend fällt am Samstagabend jedoch weitgehend ins Wasser.

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