Liebe in Klein-Zimmern anstatt Kanada

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Jubilar Michael Schaffer

Klein-Zimmern (bea) ‐ Schwierig waren die Anfänge in Klein-Zimmern für die Familie Schaffer und zwei weitere Familien. Die Donauschwaben waren aus ihrer Heimat, Jugoslawien, geflüchtet. Nach dem zweiten Weltkrieg zogen sie nach Klein-Zimmern.

Michael Schaffer, der am morgigen Freitag (28.) 90 Jahre alt wird, kam sogar noch später in den damals eigenständigen Ort. Erst 1948 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen. Anfangs wusste Schaffer nicht, wo sich seine Familie befand, fast wäre er nach Kanada zu einer Schwester ausgewandert. Die konnte ihm allerdings mitteilen, dass es die Eltern und auch die Liebe seines Lebens ins Südhessische verschlagen hatte.

„Wir waren in Jugoslawien Bauern und wollten das auch hier bleiben“, erklärt Schaffer. Folgerichtig setzte die Familie ihr bei der Währungsreform erhaltenes „Kopfgeld“ für Krautpflanzen und die Pacht eines Ackers ein. Erst wohnten die Schaffers in Klein-Zimmern in der Dieburger Straße, wo sie ein Haus gekauft hatten. 1959 siedelten sie aus, an den heute als Birkenhof bekannten Standort.

Für Hobbys blieb wenig Zeit

Mit Mais und Getreide begannen die Bauern in der neuen Heimat, Feldfrüchte, die sie auch schon im Herkunftsland Jugoslawien angebaut hatten. „Die Großeltern und der Vater legten sich immer mehr Felder zu und der Betrieb wuchs“, erklärt Robert Schaffer, einziger Sohn des Jubilars. 1949 heiratete Michael Schaffer seine Jugendliebe, Therese Mohr. Die beiden waren im gleichen Dorf, Putinci, aufgewachsen und fanden sich nach der Übersiedlung nach Deutschland in Klein-Zimmern wieder.

Arbeit bestimmte beider Leben, für Hobbys blieb wenig Raum. „Aber wir haben immer am Dorf- und Gemeindeleben teilgenommen“, betont Therese Schaffer.

Mit 80 Jahren noch auf dem Traktor

Mit 65 Jahren ist Michael Schaffer offiziell in Rente gegangen und hat den Hof an seinen Sohn Robert übergeben. Das hieß jedoch nicht, dass das Geburtstagskind da schon seine Hände in den Schoss gelegt hätte. Bis zum Alter von 80 Jahren hat er eifrig mitgeholfen und sogar noch den Traktor mit dem großen Hänger gefahren. Und bis zum 85. Lebensjahr war er fast immer draußen.

Heute liest Michael Schaffer noch gerne, wenn auch nicht mehr so viel wie früher. Die Zeitung und Bücher über die Geschichte, hier vor allem die alte Heimat, sind seine bevorzugte Lektüre. „Im Sommer spielt sich unser Leben viel draußen ab, im Winter geht mein Mann kaum noch raus“, erklärt die 85-jährige Ehefrau Therese, die auch weiterhin noch sehr rüstig ist.

Das Geburtstagskind freut sich auf das große Fest, zu dem vor allem die Familie mit den zwei Urenkeln kommt. Waffelblätter mit Butter und Schokolade, ein Gericht der Donauschwaben, wird es geben und die zehn Jahre jüngere Schwester hilft Kuchenbacken. Ansonsten sagt Michael Schaffer: „Ich freue mich über das, was gut ist“.

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