Imker Manfred Maiwald berichtet über das Leben und die Arbeit eines Volkes

Was machen die Bienen im Frühjahr?

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Groß-Zimmern: Imker berichtet über Leben der Bienen

Groß-Zimmern - Die Tage werden länger und wärmer. Die Bienen werden immer aktiver. Die ersten Ausflüge haben begonnen und die Bienen reinigen sich und ihre Behausung. Das überwinterte Volk besteht aus bis zu 20.000 Arbeiterinnen und einer Königin.

Wenn die ersten Pollen gefunden werden, beginnt die Königin Eier zu legen: Je mehr Nektar und Pollen gesammelt werden, desto mehr Eier legt sie bis zu 1 500 am Tag. Im Volk beginnt jetzt ein Generationswechsel. Die mehrere Monate alten Winterbienen ziehen die neue Generation groß und sterben in den nächsten Wochen. Dies hat nichts mit dem sogenannten Bienensterben zu tun, sondern ist ein ganz natürlicher Vorgang.

Die Brut wird von den Arbeiterinnen gefüttert und warm gehalten. Nach 21 Tagen schlüpfen die jungen Bienen. Sie haben zunächst Innendienst: Brut füttern und pflegen, Waben bauen, Reinigungsarbeiten, Honig einlagern, die Königin pflegen, Wache am Eingang schieben.

Bienen besuchen fünf Millionen Blüten

Nach etwa drei Wochen beginnt ihre zweite Lebenshälfte im Außendienst als Sammlerin. Sie besuchen dabei täglich rund 4 200 Blüten und fliegen in einem Radius von anderthalb Kilometern etwa 30 000 Meter am Tag. Für 500 Gramm Honig fliegen die Bienen den dreifachen Erdumfang und besuchen fünf Millionen Blüten. Wie in jedem Volk sterben die Alten und Junge werden geboren. Bis zum Sommer werden aber mehr Bienen geboren als sterben, so dass die Größe des Volks auf 40 000 bis 70 000 ansteigt.

Die meisten Bienen sind weibliche Wesen: Arbeiterinnen, die normalerweise keine Eier legen. Die einzige eierlegende unter ihnen ist die Königin. Welches der vielen gelegten Eier zu einer neuen Königin wird, entscheidet das Volk. Dann werden eine oder mehrere Maden besonders gut mit „Gelee Royale“ gefüttert und die Brutzellen werden größer ausgebaut.

Zur Harmonie eines Volkes gehören natürlich auch männliche Bienen: die Drohnen. Diese werden von den Arbeiterinnen gehegt und gepflegt. Sie beteiligen sich nicht an den Arbeiten im Bienenhaus, sorgen aber mit für die Klimatisierung. Sie besuchen auch Nachbarvölker, ohne dort abgewiesen zu werden. Bei den Hochzeitsflügen von jungen Königinnen zeigen sie sich aktiv und geben ihr Genmaterial weiter; wenn sie es denn schaffen, die Gunst einer Königin-Jungfrau zu erwerben. Dieses Liebesglück ist sodann ihr Tod. Der Imker entnimmt im Frühjahr die vom Winter übriggebliebenen Futterwaben und erweitert die Bienenbeute für das aufstrebende Volk, damit genügend Platz für Brut und Honigeinlagerung vorhanden ist. Wieviel Honig es im Jahr geben wird, weiß niemand. Entscheidenden Einfluss hat das Wetter während der Blütezeit: Ist es zu kalt oder regnet es zu lange, können die Bienen nicht ausfliegen; Ist es zu trocken, bilden die Blüten nicht genügend Nektar. So ist das Ergebnis dem Zufall überlassen. Die Krönung der imkerlichen Arbeit ist die Honigernte. Wenn in der Beute genügend viel Honig eingelagert ist, entnimmt der Imker die vollen Waben. Die einzelnen Honigzellen sind meist mit einer dünnen Wachsschicht verschlossen: ein Zeichen, dass der Honig nicht mehr viel Wasser enthält und somit lange haltbar ist. Von den Waben werden die Bienen abgekehrt. Die bienenfreien Honigwaben kommen dann in einen geschlossenen Transportbehälter, mit dem der Imker in einen ebenfalls geschlossenen, hygienisch sauberen Raum geht, wo die Wachsdeckel abgehoben werden. In einer Honigschleuder wird mittels Fliehkraft der Honig aus den Zellen herausgeschleudert. Ist eine Wabenseite leer, werden die Seiten gedreht und der Schleudervorgang wird wiederholt.

Der Honig im Eimer wird sorgsam geklärt

Der Honig sammelt sich am Boden und fließt durch ein Sieb, in dem Wachsreste zurückgehalten werden, in einen Abfülleimer. Bei all diesen Arbeitsgängen muss der Imker sorgsam darauf achten, dass keine Biene den Honig riecht und diese Quelle dem Volk mitteilt. Die Folge könnte dann nämlich für den Imker dramatisch werden. Die leeren Waben kommen wieder in die Bienenbeute, wo sie von den Bienen geputzt und erneut verwendet werden.

Der Honig im Eimer wird sorgsam geklärt, mehrfach gerührt, damit er nicht zu schnell kristallisiert, in Gläser abgefüllt und etikettiert. Außer diesen mechanischen Arbeiten wird dem Honig weder etwas zugesetzt noch entfernt. Er ist somit ein Produkt, welches ohne menschliches Zutun von der Natur erzeugt wird. Nebenbei enthält dieser Honig Pollen aus den Blüten der Nektarlieferanten. Diese homöopatische Pollendosis kann bei Allergien helfen.

Die Bestäubungsleistung der mitteleuropäischen Honigbiene ist nicht zu unterschätzen: Wir würden nur noch einen Bruchteil unseres Obstes erhalten; auch die Ernte der Bauern ginge beträchtlich zurück. Der wirtschaftliche Wert der Bestäubung ist um ein Vielfaches höher anzusetzen als der Honigertrag für den Imker. „Wenn Sie Honig von unseren Imkern kaufen, unterstützen Sie also auch den Ertrag unserer Landwirte“, betont Maiwald. In den USA werden die Bienen hauptsächlich kommerziell wegen ihrer Blütenbestäubung gehalten, in Deutschland hingegen gehören die meisten Bienenvölker den Hobbyimkern. Die setzen sich für das Leben der Bienen in unserer Kulturlandschaft ein. „Es ist ein sehr interessantes Hobby, dessen Krönung natürlich die Honigernte ist. Nichts schmeckt besser, als selbst geernteter Honig!“, schwärmt Maiwald.

Der Bienenzuchtverein Roßdorf und Umgebung unterstützt alle Imker und die, die es werden wollen, mit Rat und Tat. Angeboten werden auch Vorträge für Schulklassen, Kindergärten oder andere Gruppen.

‹ Wer Interesse hat, kann die Internetseite besuchen und Kontakt zum Verein aufnehmen unter: www.bienenzuchtverein-rossdorf.de. - guf

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