Unser Dorf hat Zukunft:

Machen statt meckern

+
Klein-Zimmern hat Bock – auf dem „Gaaseplatz“, dem Dalles vor dem Feuerwehrheus, gleich in dreifacher Ausführung. Das Feuerwehrhaus ist zudem das „Dorfgemeinschaftshaus“ des Groß-Zimmerner Ortsteils. Da tagt nicht nur die Feuerwehr selbst, sondern auch der Ortsbeirat, dort probt der Gesangverein, dort treffen sich die Bürger zu Beratungen, Feiern, Fastnacht und Kerb. Durch den Anbau eines Aufzugs soll das Gebäude nun barrierefrei werden.

Klein-Zimmern - Am Geißberg ist die Geiß allgegenwärtig, ob als Bock oder als Zicke. Für vieles muss sie den Kopf herhalten bei der Teilnahme Klein-Zimmerns am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Von Sebastian Richter

Am Donnerstag, 8. Juni, schaut die Bewertungskommission von 13 bis 15 Uhr vorbei. Bis dahin ist noch jede Menge zu tun. Das wurde jetzt bei einem Treffen der Aktionsgruppe deutlich, bei der nicht nur etliche Projektideen präsentiert, sondern auch über das Besichtigungsprogramm für die Kommission und über die Ansätze eines Stärken-Schwächen-Profils gesprochen wurde, die sich aus der Auswertung einer Umfrage ergeben.

172 Klein-Zimmerner haben sich an dieser Umfrage beteiligt – nur 36 in Papierform,, aber immerhin 136 online, was den Ergebnissen immerhin eine Mindest-Repräsentativität verleiht. Die meisten Antworten kamen aus der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen, knapp ein Drittel ist sogar über 60 Jahre alt, während die Jugend bis 20 nur mit elf Prozent vertreten ist.

Es konnten Schulnoten verteilt werden. Besonders schlecht schnitt dabei mit 4,1 die örtliche Versorgung ab, denn einen Dorfladen gibt es schon eine Weile nicht mehr. Den Spitzenplatz nimmt mit Note 1,8 die Natur ein, Vereine, Kultur und Sport rangieren zwischen 2 und 3, ein durchaus ansehnliches Ergebnis. Erstaunlich: Rund ein Drittel der Neubürger fühlt sich nicht in die Dorfgemeinschaft integriert. Weniger überraschend das Ergebnis zum Angebot für Jugendliche: Knapp zwei Drittel halten es für unzureichend, jenseits der Vereinsangebote tut sich nichts, die Ortsteil-Jugendarbeit in einem Nebenraum des Schützenhaues ist eingeschlafen.

Aber auch am anderen Ende der Altersskala herrscht Unzufriedenheit: Nur etwas mehr als ein Drittel ist mit dem Angebot für Senioren zufrieden. Fifty-Fifty fällt die Bewertung des Angebots für Familien mit Kindern aus.

Am meisten Verbesserungsbedarf wird für das Einkaufen und die ärztliche Versorgung gesehen. Die Liste konkreter Verbesserungsvorschläge umfasst Nahversorgung, Grundversorgung durch eine Bäckerei und den Erhalt der Metzgerei; Verbesserungen beim ÖPNV, einen Lauftreff, überhaupt mehr Sportangebote, mehr Angebote für Jugendliche, einen Ausbau des kulturellen Angebots – sowie eine Kneipe.

Bei der Präsentation von Projektideen sorgte Sarina Krumm mit ihren „Gaase-pfählen“ für große Begeisterung. In Blau-Gelb gehalten, den Traditionsformen der „bockigen“ Klein-Zimmerner Kerb, tragen sie Geißenköpfe in verschiedenen Größen und sollen als tierisches und originelles „Begrüßungskomitee“ in die Pflanzbeete an den Ortsteingängen gerammt werden. Da weiß die Bewertungskommission am 8. Juni gleich, mit welchem „zickigen“ Völkchen sie es zu tun kriegt. Bis dahin sollen auch bereits die Jogging- und Walking-Wege in den Gersprenzauen markiert sein – klar: mit Ziegenköpfen. Walter Götz präsentierte ein weiteres Modell einer Mitfahr-Bank. Als Standorte wurden der „Gaaseplatz“ neben dem Feuerwehrhaus, also das Ortszentrum, und die katholische Kirche gehandelt. Dabei fiel auf, dass dort jeweils schon Bänke stehen und man eigentlich nur Pfähle mit Schildern für die Fahrzielangabe braucht.

Die Kommission soll im Hof des St. Josephshauses begrüßt werden. Dann ist eine kleine Ortsbegehung vorgesehen – also zu Fuß über die Markstraße, vorbei an Dalles und Feuerwehrhaus, vorbei an der Kirche den Semder Pfad hinauf, über Blumenstraße vorbei an der Kita, die Schulstraße hinunter und durch die Gartenstraße zur Geißbergschule. An einzelnen Stationen sind Präsentationen vorgesehen. Mit einem Bus geht es dann durch die Geibel’schen Obstplantagen hinaus ins Grüne zum „Brünnchen“, mit einem Spaziergang zur Flachwasserstelle der renaturierten Gersprenz, dann mit dem Bus wieder zum St. Josephshaus, von dort wieder zu Fuß zur ehemaligen Kirche.

Ob das zusammengenommen angesichts der Ergänzungen nicht ein wenig zu viel wird, steht noch in der Diskussion. Am Ende der Versammlung war die grafische Gestaltung des Unternehmens Thema. Keine Überraschung: Klein-Zimmern hat Bock. Gehörnt und bärtig schaut man neugierig der Bewertungskommission entgegen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare