Im Pfarrzentrum St. Bartholomäus rühren regelmäßig ein Dutzend Köche in Schüsseln und Töpfen

Männer haben sich die Schürzen umgebunden

Ab in die Küche: In der katholischen Pfarregemeinde gibt es jetzt einen Männerkochclub.(c)Foto: ula

Gross-Zimmern - Nicht nur Frauen haben sich emanzipiert, üben Männerberufe aus oder führen erfolgreich internationale Unternehmen. Von Ursula Friedrich

Männer gehen in Babypause, haben die Küchen erobert, brillieren in Kochsendungen im Fernsehen oder sammeln Sterne vom Gastronomiehimmel für ihr Nobelrestaurant.

In Groß-Zimmern haben sich Männer ebenfalls die Schürzen umgeschnürt. Statt Kochduellen á la Lafer und Lichter rühren im Pfarrzentrum St. Bartholomäus regelmäßig über ein Dutzend „Köche“ einmütig in Schüsseln und Töpfen – erfolgreich.

Leckereien wie Sauerbraten, feine Fischgerichte und Lammkotteletts werden in munterer Runde zubereitet. Der Kochclub geht auf eine Idee von Maurice Sertillange zurück, dessen wohlklingender Name bereits verrät, dass seine Wurzeln dort liegen, wo der Herrgott bekanntlich am besten schlemmte: in Frankreich.

„Ich habe beim Dreikönigssingen gesehen, wie die Sternsinger Fertigpizza bekamen.“ Dieser Frevel hatte den passionierten Hobbykoch aufgerüttelt.

Aus organisatorischen Günden war die Bewirtung der Sternsinger zwar nicht mehr möglich, doch Gemeindemitglied Helmut Kria war Feuer und Flamme für den gastronomischen Vormarsch in der Pfarrei und gab die Maxime aus: „Wir kochen!“

Gemeint ist damit ein Dutzend älterer Herren, die nun zum 16. Mal die Schürzen umbinden. Maurice Sertillange und sein Freund Gerhard Krichbaum führen das Regiment in der Küche, ein Dutzend „Hilfsköche“ schält, schneidet und schnippelt.

Dass sich die Zubereitung von Gänsebraten, Knödeln und Entenbrust über mehrere Stunden, der anschließende Verzehr des Menues sogar über den ganzen Tag hinziehen kann, belegt den zwischenmenschlichen Erfolg des Unternehmens „Männer am Herd“.

Und damit auch keine Rezeptidee verloren geht, führt der Älteste in der Runde akribisch Buch. Hans Blank, 86 Jahre alt, legt das Messer immer wieder behutsam neben dem Schneidebrett ab, um in seinem Büchlein die jüngste Schlemmerei zu verewigen: Lachsnudeln mit knackigem Salat, für Fleischesser mit einer Bolognesesoße, und ein buntes Obstdessert.

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