„Männer sind oft zu besserwisserisch“

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Erst gucken, dann ausprobieren: Die Frauen schauen zu, um den Umgang mit der Säge zu lernen

Groß-Zimmern - Die Motorsägenlehrgänge der Forstämter von Hessenforst sind nichts Besonderes mehr. Wer im Wald sein Brennholz selbst schlagen will, wird dazu verpflichtet, einen dieser Lehrgänge zu absolvieren, sonst darf er nicht an die Motorsäge. Von Ulrike Bernauer

Das Besondere an diesem Kurs am Freitag im Zimmerner Wald ist, dass er nur von Frauen besucht wird und auch nur für sie ausgeschrieben war.

„Männer sind oft viel zu besserwisserisch und nehmen ungern etwas an“, berichtet Revierförster Martin Starke und Forstwirtschaftsmeister Klaus Peter Lux, der den Kurs leitet, pflichtet ihm bei. Natürlich sind die beiden Herren die Ausnahme von der Regel, wie sie lachend selbst behaupten. Aber ihre Erfahrung ist, dass die reinen Frauenkurse ruhiger sind als die mit den Männern.

„Männer sind vorlaut“

Den sieben Teilnehmerinnen, die natürlich genauso wie die Männer in den Kursen mit der notwendigen Ausrüstung - also Schnittschutzschuhen und -hosen sowie einem Helm mit Ohrenschützern gesichert sind - kommt diese Übungsstunde recht. „Die Männer sind oft vorlaut und sie können immer schon alles“, sagt Andrea Kramer (52) aus dem Fischbachtal. Seit gut zehn Jahren geht sie mit ihrem Mann zum Holzmachen in den Wald. „Ich will auch mal etwas mit der Säge machen können und nicht nur immer Holz schleppen. Das ist nämlich sehr anstrengend.“ Begonnen hat der Lehrgang am Vormittag. In der Waldschule gab es zunächst theoretischen Unterricht.

Forstwirtschaftsmeister Klaus Peter Lux erklärt den Teilnehmerinnen, wo man den Stamm am besten spaltet und wo er am schnellsten reißt.

Dazu gehört die Arbeitssicherheit, die Zertifizierung, die persönliche Schutzausrüstung aber auch der Umgang mit der Motorsäge. Gezeigt werden ebenso Wartung und Pflege des Gerätes, auch das Kette schärfen gehört dazu. In der Praxis werden dann verschiedene Schnitttechniken vorgestellt und ausgeführt. „Das Holzspalten zeige ich Ihnen auch. Aber das ist relativ schwer für Frauen.

Das sollten dann besser die Männer machen“, meint Lux. Demonstriert werden aber auch die besten Methoden, Holz zu transportieren, aufzusetzen und zu trocknen. „Es gehört also die ganze Kette vom Holzmachen bis in den Ofen dazu.“

Harmonischer Lehrgang

Lux gibt dann auch ganz praktische Tipps. Er zeigt, wie man mit einem ganzen Stamm umgeht, der häufig auch noch unter Spannung steht und bei unsachgemäßer Handhabung das Sägeblatt einklemmen kann. „Man muss mit Gefühl schaffen. Wenn das Sägeblatt scharf ist, zieht es sich wie von selbst ins Holz. Wennman jedoch zu starken Druck ausübt, dann vermindert sich die Drehzahl.“

Sandra Schröbel (35) aus Groß-Umstadt weiß die Tipps zu schätzen. Ihr Mann Oliver hat letztes Jahr einen Motorsägenlehrgang gemacht und war auch von Forstwirtschaftsmeister Lux begeistert. „Mein Mann hat dann das erste Mal selber Holz im Wald gemacht und ich habe geholfen. Wir finden beide, dass es eine super Alternative zu Öl ist und das Feuer gibt eine schöne Wärme. Den Frauenkurs habe ich mir ausgesucht, weil Frauen ganz anders an so etwas herangehen. Wir hören eher zu als die Männer. Keine von uns hat eine große Vorahnung und wir wollen es einfach lernen. Es ist so ein harmonischerer Lehrgang. Wenn es jetzt aber keinen Lehrgang speziell für Frauen gegeben hätte, dann wäre ich auch in einen Gemischten gegangen.“

Katja Keim (35) aus Eppertshausen hat vor 15 Jahren Schreinerin gelernt. „Ich habe eine Elektrosäge, damit mache ich Holzschnitzereien. Aber ich will mir einen Ofen anschaffen und dann stelle ich mir vor, noch mit anderen gemeinsam in den Wald zu gehen. Der Kurs gefällt mir sehr gut, auch dass Herr Lux viel zur Technik der Motorsäge erklärt und gezeigt hat. Man sollte sein Handwerkszeug beherrschen und nicht von der Säge beherrscht werden.“

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