„Man muss die Bürger doch mitnehmen“

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Die einzige Frau im Kampf um das Bürgermeisteramt.

Groß-Zimmern ‐ „In der Politik muss man die Bürger doch mitnehmen. Was hier an Bürgerbeteiligung läuft, ist blamabel.“ Marianne Streicher-Eickhoff zieht als einzige Frau gegen fünf Männer in den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt. Von Ursula Friedrich

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Die verantwortliche Einbindung der Menschen in die Gestaltung ihrer Heimat ist ein typisch „grünes“ Thema. „Ich mache zwar seit über 20 Jahren an verantwortlicher Stelle grüne Politik, bin aber noch gar nicht so lange Parteimitglied,“ erzählt die Diplom-Ingenieurin beim morgendlichen Plausch in ihrem Wohnzimmer. Das Passivhaus am Feldrand in der Schillerstraße ist nicht nur Zuhause, sondern auch Büro und politische Ideenschmiede.
Den Weg in die Politik nahm Streicher-Eickhoff über Umwege. Sie ging nicht gegen Biblis auf die Straße, oder demonstrierte an Gleise gekettet gegen Castortransporte. Wissenschaftliche Forschungsarbeiten und die berufliche Tätigkeit, unter anderem als Baurätin der Stadt Frankfurt, gipfelten in der Entscheidung für die Politik: „Mein Antrieb war es, was ich fachlich weiß und kann, politisch umzusetzen. Die Grünen vertreten diese Themen offensiv.“ Und hier hätten sich die Bündnisgrünen einen ganz neuen Status erarbeitet: „Was früher als grüne Spinnereien abgetan wurde, fundiert heute auf konkreten Forschungsergebnissen. Man weiß, dass der Atomausstieg möglich ist und die Artenvielfalt abnimmt. Da ist politisches Handeln notwendig.“ Vielleicht ist dies der Grund, dass inzwischen auch Ehemann Peter Eickhoff, ebenfalls Diplom-Ingenieur (Fachrichtung Stadtplanung) bei den Kommunalwahlen für das Gemeindeparlament kandidiert. Tochter Sophie (24, Jurastudentin in Passau) kommentierte: „Jetzt hast du schon den Papa da mit reingezogen“, erzählt die Bürgermeisterkandidatin schmunzelnd von der nicht ganz ernst gemeinten Bemerkung.

„Ich habe meinen Mann während der Studienzeit kennen gelernt“, berichtet die 58-jährige Ingenieurin. „Am Nikolaustag, beim Geburtstag einer Freundin.“ Sieben Jahre waren sie verlobt, 1979 wurde geheiratet. Danach entschied sich das Paar für ein Leben in Groß-Zimmern, wo beide inzwischen fest verwurzelt sind.

Der Ortskern muss attraktiver werden

Während die Bürgermeisterkandidatin durch analytisches Denken, Fachkompetenz und Erfahrungsschatz beruflich und politisch voran marschiert, zeigt sie sich privat experimentierfreudig. So etwa in der Küche, wo Thaigerichte momentan auf dem Speiseplan stehen. Reisen, Nordic-Walking, Fotografieren, Pilates und Power-Yoga sind ihre Hobbies. „Ich bin gerne draußen“, sagt die Wahl-Zimmernerin, die eine unbeschwerte Kindheit auf dem Land verlebte, auf Bäume kletterte und auf der Straße Fußball spielte.

Das soziale Leben in der Gemeinde, sowie die Betreuung von Kindern und Jugendlichen ist ihr ein Herzensanliegen. „Man müsste unseren Ortskern attraktiver gestalten, die Verlagerung der Läden in die Waldstraße tut weh.“

Sollte ihr der Einzug in das Chefzimmer der Verwaltung glücken, wäre die erste Handlung am Briefkasten der Gemeinde: „Dort wird um 8.30 Uhr geleert, später eingeworfene Post erhält den Stempel des Folgetages.“ Ein Grund zum Handeln und Ein Synonym für besseren Service und die Einbindung der Bürger - auch der Spätaufsteher.

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