Matschen, schaufeln und flechten

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Das Gerüst für den Lehmofen wird aus Weidenzweigen gefertigt. Alle sind beim Bauen eifrig bei der Sache.

Groß-Zimmern ‐ Ein wenig skeptisch schauen die Ferienspielkinder schon, als Norbert Franzen ihnen in ihr kühles Fußbad schaufelweise Sand und Lehm schüttet. „Immer gut mit den Füßen verteilen und vermischen“, lautet seine Anweisung an David, Justin, Ritchi und die anderen. Von Ulrike Bernauer 

Erst sehr zögerlich, dann immer routinierter kommen die Jungen seiner Anweisung nach. Das Wasser ist schön kühl und wenn sich Wasser, Sand und Lehm vermischt haben, dann quatscht die Masse als kalter Brei wunderbar durch die Zehen.
Was sonst von mancher Mutter gar nicht gerne gesehen wird, ist heute Pflicht. Das Treten im Matsch ist kein Spiel, sondern Arbeit.

Den Lehmbrei benötigen Franzen und seine Helfer für den Ofen, der an der Waldschule entsteht. Während das eine Team den Rohstoff mit Füßen tritt, ist eine andere Gruppe dabei, das Gerüst für den Bau aus Weidenzweigen zu flechten. Rund gebogene Weidenstäbe, die in Hohlziegeln stecken, sind die ganz rohe Form, dazwischen werden dünnere Zweige geflochten. „Das ist ganz schön anstrengend“, stellt Richie fest und in Teamarbeit geht es besser.

Kühler als im Jugendzentrum

Die „Matschgruppe“ hat derweil die Zutaten zu einem schönen, feinen Brei verarbeitet. Der wird dann im Laufe des Nachmittags in das Gerüst geschmiert.

Gerne sind die Ferienspielkinder in dieser Woche auf dem Gelände der Waldschule. „Hier ist es kühler als im Jugendzentrum“, erklärt einer der Jungen. Sie arbeiten nicht die ganze Zeit am Lehmofen, der am morgigen Freitag fertig sein soll.

In vier Gruppen, die Forstsmileys, die blauen Waldgeister, die Sturmtruppe und die Chipmunks (Streifenhörnchen) sind die Kinder aufgeteilt, am Ofen arbeitet jeweils eine Gruppe.

Die anderen basteln Waldbücher aus Holz oder lassen sich von Förster Martin Starke dessen Arbeit im Wald erklären. Natürlich wird nicht nur zugehört, Starke lässt die Kinder auch kleinere Bäume fällen und baut mit ihnen ein Kubb-Spiel, auch Hägars Wikingerschach genannt.

Trotz der Hitze sind die Jungen mit Feuereifer bei der Sache.

Gefragt ist in dieser Ferienspielwoche die Auseinandersetzung mit natürlichen Materialien und das Beobachten der Natur. Nach Tierspuren wird gesucht und handwerkliche Fähigkeiten werden trainiert. Letzteres ist Ofenbauer Franzen, einem gelernten Pädagogen und Ingenieur, der sich seit 15 Jahren auf das Lehmgeschäft verlegt hat, ganz wichtig. Er erklärt viel, ist aber der Meinung, dass die Kinder am meisten über Nachahmung lernen.

Mikroskopieren steht auf dem Stundenplan

Beim Ofen schaut er ganz genau hin, schließlich soll der später auch funktionieren. „Pizza oder Flammkuchen wollen wir künftig in dem guten Stück backen“, erklärt die Organisatorin dieser Ferienspielwoche, Claudia Wiedling.

Es wird allerdings noch ein wenig dauern, bis der Ofen richtig fertig ist. Vier bis sechs Wochen muss der trocknen, bevor er das erste Mal angeheizt werden kann. „Offiziell werden wir den Ofen erst im Herbst einweihen und alle Kinder, die mitgebaut haben, werden eine Einladung erhalten“, verspricht die Waldpädagogin.

Bis dahin gibt es allerdings noch einiges zu tun. Mikroskopieren steht noch auf dem Ferienspiel-Stundenplan, aber auch kochen in der Waldschule. Abgeschlossen wird die Ferienspiel-Woche an der Waldschule am Freitagmittag mit einer modernen Schatzsuche mit GPS-System.

„Wir hatten auch einige Sponsoren für diese Woche“, erklärt Wiedling. Der Toom-Baumarkt spendete Holz und Kleinmaterialien, Tegut Lebensmittel und die Ziegelei Grün in Reinheim den Lehm.

Der Bauhof der Gemeinde half bei den Vorbereitungen und die Bildungsgutscheine, die im letzten Jahr von der Groß-Zimmerner Geschäftswelt gespendet worden waren (wir berichteten) sind auch zum Teil in diese so ganz anderen Ferienspiele geflossen.

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