Morgens um vier steigen die Nitratwerte / Informationen zur Ertüchtigung und Erweiterung der Kläranlage

Mehr Abwasser sorgt nicht für mehr Klarheit

Die Zimmerner Kläranlage mit dem markanten Faulturm reicht nicht mehr aus.   J Foto: sr

Groß-Zimmern - In der letzten Sitzung des Umweltausschusses stellte Professor Martin Wagner von der TU Darmstadt drei verschiedene Varianten einer möglichen Erweiterung der Kläranlage vor. Investitionen in Millionenhöhe kommen damit unweigerlich auf die Gemeinde zu. Von Gudrun Fritsch

Mit der technischen Umsetzung und der Frage der Finanzierung befassen sich derzeit die Kommunalpolitiker.

Entsetzt waren die Zuhörer im Rathaus, als Fachplaner Wagner zu Beginn seines Vortrages ein weiteres Problem ansprach. Das Zimmerner Abwasser weist überdurchschnittlich hohe Nitratwerte auf. Für deren Herkunft fehlt jegliche Erklärung.

„Wir haben zwei Jahre lang intensiv geforscht und dabei festgestellt, dass es regelmäßig in den frühen Morgenstunden zu einem rasanten Anstieg der Werte kommt“, berichtet Klaus Keller, Leiter des Bauamtes. „Wurde Anzeige erstattet?“, fragte Christof Glaser (CDU). Da man selbst mit Unterstützung des Ingenieurbüros Reitzel dem Verursacher nicht auf die Spur kommen konnte, bestehe kaum Hoffnung auf Entschädigung. „Die Nitrateinträge könnten am ehesten aus der Landwirtschaft stammen, aber wir konnten absolut nichts finden“, betonte Bauingenieur Keller. Ein Teilerfolg sei jedoch erzielt worden: „Die großen Stoßbelastungen sind weniger geworden, aber die hohe Belastung existiert weiterhin.“ Die Größe eines zweiten Reinigungsstrangs hängt auch von der geforderten Leistung ab, und die steht in Beziehung zu den Nitrat-Einträgen. „Wäre der Wert bei Null, würde eine Becken-Kapazität von 1 500 Kubikmetern reichen“, rechnete Wagner vor. Nach vorläufigen Messungen müssten es mindestens 1 700 Kubikmeter sein, empfohlen werden inzwischen 2 000 Kubikmeter.

Die Herstellung einer solchen Kapazität würde immerhin 200 000 Euro mehr kosten als die Null-Lösung.

Wagner erläuterte, welche Anlagen und Systeme in Frage kämen, um den Auflagen nachzukommen und die Einhaltung der geforderten Wasser-Ablaufkonzentrationen zu sichern. Zudem sei eine hohe Betriebssicherheit erforderlich, etwa durch eine durchgehende zwei-Straßigkeit im Bereich der biologischen Reinigung. Ebenso wie Günter Göckel, Diplom Ingenieur beim Regierungungspräsidium, riet Wagner zur weitestgehenden Beibehaltung vorhandener Bausubstanz und maschinentechnischer Ausrüstung mit bewährten Verfahren. Kleine Beckenvolumen und geringe Schlammproduktion könnten einen niedrigeren Energieverbrauch sowie geringe Investitions- und Betriebskosten ermöglichen. Die kostengünstigste Variante drei, der Bau eines Nachklärbeckens, scheidet wohl wegen unzureichender Reinigungswirkung aus. Ein anderes Verfahren (Variante 3) wäre in Zimmern fremd und ließe sich nicht mit der bereits vorhandenen Technik koppeln, zudem müssten die vier Mitarbeiter neu geschult werden.

Die als Variante zwei favorisierte Lösung wäre der Zubau eines zweiten Reinigungsstrangs gleicher Technik. „Wir könnten dann auch die Forderung erfüllen, Ersatz vorzuhalten, wenn mal ein Teil ausfällt“, so Keller.

Derartige Ausfälle habe es in der Vergangenheit auch gegeben und man habe Strafen ans Regierungspräsidium zahlen müssen. Diese Erweiterung sei zwar mit rund 2,66 Millionen Euro die teuerste, biete aber auch größte Betriebssicherheit und zudem Möglichkeiten für den Anschluss weiterer Wohn- oder Industriegebiete.

Modelle für die Finanzierung stellte Gabriele Gruber anschließend vor. Die Gemeinde könnte Beiträge von allen Immobilien-Besitzern einfordern, oder eine zusätzliche Umlage auf die Abwassergebühren erheben. Allerdings sorgt eine aktuell anstehende Erhöhung schon jetzt für politischen Streit.

Das Thema wird derzeit in den Fraktionen beraten. Eine Beschlussfassung ist für die Sitzung am 30. April geplant.

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