Bäckermeister Klaus Nennhuber erhält das Verdienstkreuz.

Mehr als nur Brötchen backen

Das Bundesverdienstkreuz am Bande verlieh Silke Lautenschläger (rechts) an Klaus Nennhuber. Die Ministerin würdigte auch die Frau an seiner Seite, Lioba Nennhuber.Fotos (2): Bernauer

Groß-Zimmern - (bea) Einen Preis hat Bäckermeister Klaus Nennhuber (61) erhalten, auf den ist er richtig stolz. Es ist der Ehrenkrug der Handwerkskammer und der wurde ihm schon mit 35 Jahren verliehen, was etwas ganz Besonderes war. „Beim alljährlichen Treffen saß ich dann unter lauter 60-Jährigen“, lacht Nennhuber heute.

Gestern bekam der Ur-Zimmerner noch einen Preis dazu. Silke Lautenschläger, die hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, verlieh würdigte sein Engagement im Glöckelchen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande. „Wir würdigen eine Lebensleistung“, sagte Lautenschläger, „Über Jahrzehnte haben sie sich für das eigene Handwerk engagiert, aber auch für die Kreishandwerkerschaft“. Der Präsident der Handwerkskammer Rhein-Main, Bernd Ehinger betonte, das Handwerk verdanke Menschen wie Nennhuber seinen Erfolg. „Ich hoffe, dass Du die Auszeichnung als Ansporn für weitere Arbeit nimmst und nicht als Krönung eines Lebenabschnittes“. Als Menschen der guten Ideen, des unkomplizierten Handelns und der klaren Worte würdigte Bürgermeister Achim Grimm den neuen Bundesverdienstkreuzträger, dessen Engagement er beleuchtete. Nennhuber ist Bäcker in der vierten Generation. Mit 13 Jahren hat er seine Lehre begonnen. 28 Jahren jung war er, als er zum Obermeister der Bäckerinnung von Dieburg gewählt wurde. 1977 wurde er Kreishandwerkermeister im Bezirk Dieburg, 1979 wurde er in die Vollversammlung der Handwerkskammer Rhein-Main gewählt, seit 2005 ist er deren Vizepräsident. Zahlreiche weitere Ehrenämter dominieren sein Leben. Trotzdem ist er morgens um 1 Uhr der erste, der die Backstube aufschließt und abends der letzte, der noch einmal einen Kontrollgang macht.

Der Ausbildung und der Jugend insgesamt fühlt er sich besonders verpflichtet. Wenn eine Jugendgruppe aus Zimmern an seine Tür klopft und um Hilfe oder Unterstützung bittet, sagt Nennhuber nicht nein. Seien es die Pfadfinder oder - wie zuletzt - die Mitarbeiter bei der Sozialen Stadt. Den Spielplatzbau in der Dresdener Straße (wir berichteten) unterstützte er mit kostenfreiem Backwerk. In der Ausbildung engagiert sich Nennhuber besonders. Dabei ist ihm wichtig, dass auch schwächere Jugendliche und Auszubildende nicht auf der Strecke bleiben. „Dann muss man sich halt etwas mehr Zeit nehmen“, ist seine Meinung. Seine Lehrlinge schneiden bei den Prüfungen in der Regel überdurchschnittlich gut ab. Das liegt gewiss nicht daran, dass der Chef in der Ausbildungskommission sitzt und die Prüfungsaufgaben mit beschließt. „Ich halte mich ganz strikt an die Ausbildungsordnung“, erklärt Nennhuber.

Sein überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement begründet Nennhuber mit einem Erlebnis in seiner Kindheit. Als Achtjähriger erlebte er, wie seine Lehrerin der ganzen Klasse einen Ausflug verbot, weil zwei Schüler sich handgreiflich gestritten hatten. Auf Nennhubers Protest hin erklärte die Lehrerin: „Wer nur zuschaut ist genauso verantwortlich wie der Täter“. Damals beschloss der Bäckermeister immer Verantwortung zu übernehmen und nie mehr still zu sein.

Den Trubel um das Bundesverdienstkreuz hält Nennhuber für übertrieben. Einzig, dass damit das Ehrenamt einmal richtig gewürdigt wird, hält er für richtig. Aber er zitiert auch den berühmten Satz: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frage, was du für Dein Land tun kannst“.

Eine Sache ist ihm noch besonders wichtig: „Ohne die Unterstützung der Familie geht es nicht“, betont er. In seinem Fall steht hierfür konkret Ehefrau Lioba, der er bei der Hochzeit vor 39 Jahren versprochen hat, sie würden alles gemeinsam machen . „Das habe ich zwar nicht immer eingehalten, aber sie ist glücklicherweise noch bei mir“, sagt er lächelnd.

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