Zimmerner Sozialdemokraten zwischen Jubel und Staunen

Mehr Stimmen für die SPD, aber kein Wahlsieg

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Den Blick immer aufs Handy gerichtet: Erste Hochrechnungen verwirrten die SPDler.

Groß-Zimmern - Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgten die Groß-Zimmerner Genossen am Wahlabend das Abschneiden ihrer Partei. Von Ursula Friedrich

Spannung pur herrschte unter den SPD-Anhängern, die bei Gastronom „Meo“ die lange Wartezeit bis zur verbindlichen Aussage der Wahlergebnisse der Bundestags und der Hessischen Landtagswahlen mit Pizza und Pasta überbrückten.

Überall waren Handys und Smartphones gezückt, um neuste Zahlen zu erhalten.

Dann war es amtlich: SPD-Direktkanidat Oliver Schröbel (38) aus Groß-Umstadt hatte die Wahl mit 37,4 Prozent gegen den Christdemokraten Manfred Pentz (42,6 Prozent) verloren.

In Groß-Zimmern haben für Schröbel 33,6 Prozent und für die SPD 29,2 Prozent der Wähler gestimmt. „Unser Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel hat die SPD in Hessen wieder auf die Linie gebracht“, freuten sich die Genossen über das starke Abschneiden ihrer Partei (30,7 Prozent) im Land, die nun endlich die Talsohle durchschritten habe. Das Ausloten möglicher Regierungsbündnisse (möglich wären schwarz-rot ebenso wie rot-rot-grün) kommentierte Genossin Dagmar Wucherpfennig mit Vorsicht.

Ihr Credo: „Jetzt bloß keine Schnellschüsse.“ Und mit ihrem Zweckpessimismus sollte sie Recht behalten, denn erst gegen zwei Uhr am Montagmorgen stand fest, dass die FDP die Fünf-Prozent-Hürde in den Landtag doch noch geschafft hatte.

Für die Kandidaten Oliver Schröbel und Jens Zimmermann gab es nicht wirklich etwas zu feiern.

Zwei SPD-Kandidaten

Als die ersten Hochrechungen über die Leinwand flimmerten, gaben sie keinen Anlass zum Jubel – aber auch nicht zum Entsetzen. Die beiden SPD-Kandidaten aus Groß-Umstadt – Jens Zimmermann für den Bundestagswahlkreis 187 Odenwald, und Oliver Schröbel für den Landtagswahlkreis 52 – hatten bodenständig zur Wahlparty in den Saal der Krone am Umstädter Marktplatz eingeladen.

Ziemlich gedämpft wurde die Stimmung unter den rund 40 Parteigängern, als sich noch vor 20 Uhr die CDU im Bund der absoluten Mehrheit zu nähern schien.

Dass die Wähler dem erhofften Wechsel hin zu Rot-Grün weder im Bund noch im Bundesland Hessen eine Mehrheit gegeben haben, war so oder so deutlich genug. Aber wie schlugen sich wohl die lokalen Kandidaten? Eingangs hatte Zimmermann der Presse gesagt: „Mir ist klar, dass es schwer sein wird, sich beim Kampf ums Direktmandat gegen den allgemeinen Trend zu stemmen. Ich gehe nicht davon aus, dass es reichen wird.“ Trotzdem versprach sich der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Spannung vom Abend, schließlich sei der Wahlkreis Odenwald zweigetreilt, habe im Landkreis Offenbach einen schwarzen Norden und im tiefen Odenwald einen roten Süden. Letzteres sollte sich so nicht bestätigen, denn selbst sicher geglaubte Orte wie Brensbach fielen an die Mandatsinhaberin von der CDU, Patricia Lips. „Das hat weh getan“, räumte Zimmermann unumwunden ein. Die Ergebnisse aus seiner Heimatstadt brachte Bürgermeister und Parteifreund Joachim Ruppert persönlich vorbei, und sie zeigen, dass der Heimvorteil mit nur zwei Prozentpunkten Vorsprung vor Lips nicht groß genug ist, um das schwarze Übergewicht aus dem Landkreis Offenbach auszugleichen.

Für Schröbel war nach der Wahl erst einmal Sendepause. Das Mobiltelefon blieb abgeschaltet. Nach Auszählung aller Stimmen trennen ihn rund fünf Prozent und 3 500 Stimmen von Sieger Manfred Pentz (CDU).

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