RMV schreibt immer mehr Buslinien aus / Winzenhöler ist mit im Boot

Mehr Wettbewerb, mehr Komfort

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Erfolgsgeschichte: Mit den neuen Rahmenbedingungen beim RMV zeigen sich Christian und Dieter Winzenhöler sowie Busfahrer Marc Sternitzky (am Steuer) äußerst zufrieden.

Groß-Zimmern ‐ Die Location war eindrucksvoll gewählt: In der Fahrzeughalle der Firma Winzenhöler in der Waldstraße waren die Stehtische direkt neben einem Linienbus platziert. „Das Busunternehmen Winzenhöler steht sehr gut für den Erfolg unserer Bestrebungen“, sagte der Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) Knut Ringat. Gemeint ist die Vergabe von Buslinien seit 2003 in einem wettbewerbsähnlichen Verfahren, bei dem sich auch die Groß-Zimmerner Firma durchsetzte. Von Michael Just

Was vor sieben Jahren begann, endet zum Fahrplanwechsel 2010 mit den letzten Ausschreibungen. Waren einst nur zwei große Anbieter im RMV tätig - die Deutsche Bahn mit ihren Bustöchtern sowie die Hessische Landesbahn - sind nun 24 Unternehmen unter Vertrag. Laut RMV profitieren von der Öffnung vor allem die Gäste, weil alte Busse schneller Platz für moderne Neufahrzeuge machen. Dazu dämme man Kosten, ordne Liniennetze neu und erhöhe die Qualität.

Der bessere Komfort wird laut Ringat daran sichtbar, dass die meisten Busse hohe Umweltstandards erfüllen, leichter zugänglich für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen sind, über Informationssysteme verfügen und im Sommer mit einer Klimaanlage angenehme Temperaturen verbreiten. Kundenbefragungen hätten gezeigt, dass die ausgeschriebenen Linien stets bessere Noten bekommen als die übrigen Netze. In einem vom RMV entwickelten Qualitäts-Messsystem nach Schulzensuren konnte man die Gesamtnote auf 1,68 steigern.

Laut Ringat sei die Umstellung aber nicht völlig ohne Rückschläge verlaufen: „In manchen Fällen sind die Angebote zu Lasten der Löhne der Busfahrer gegangen“, so der RMV-Sprecher. In der Folge habe der Verkehrsverbund 2006 den Tarif des Landesverbandes der Hessischen Omnisbusunternehmer als Mindesttarif vorgeschrieben.

In der Zukunft erwartet der RMV eine Konsolidierung des Systems. Insgesamt sieht man den so genannten „Hessischen Weg“ aber als Erfolgsmodell an, da man nicht nur die Qualität gesteigert, sondern auch die mittelständischen Busunternehmen gefördert habe. Neben dem Gewinn neuer Fahrgäste verweist der Verkehrsverbund zusätzlich auf ein Einsparpotential von rund 87 Millionen Euro, das die milliardenschweren Aufwendungen der öffentlichen Hand für den ÖPNV entlastet. Derzeit legen im RMV-Gebiet rund 1 200 Regional-Busse 32 Millionen Nutzungskilometer im Jahr zurück. Mit dem System ist auch der Geschäftsführer der Nahverkehrsorganisation DADINA, Matthias Altenhein, zufrieden. Er erinnerte daran, dass man die Qualität der Wettbewerber zusätzlich durch finanzielle Zulagen fördert, wenn beispielsweise Pünktlichkeitskriterien erfüllt werden.

Dass das Vergabeverfahren dem Familienunternehmen genutzt hat, hob Christian Winzenhöler heraus. Die 1933 gegründete Firma betreibt derzeit 26 moderne Regionalbusse und hat 56 Mitarbeiter. „Wir standen damals vor der Frage, in den Wettbewerb einzusteigen oder abzuwarten, was der Markt bietet“, so Winzenhöler. Man entschied sich für den Einstieg und habe beim Angebot einen gesunden Mittelweg gewählt. Auch die möglichen Boni sieht Winzenhöler als gelungenes Anreiz-System. Um die Vorgaben bestmöglich zu erfüllen, hat das Traditionsunternehmen 40 Prozent der Verkehrsleistungen an Subunternehmer delegiert. „Mit dem Vergabeverfahren konnten wir Arbeitsplätze erhalten und die Wirtschaftskraft in der Region stärken“, bilanziert der Unternehmer. Anderen Busunternehmen rät er, mutig an die neuen Rahmenbedingungen heranzugehen und die sich bietenden Chancen zu nutzen.

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