„Wir waren als Gemeinde ein Versuchsfeld“

Mehrgenerationenhaus im Otzbergring feiert 10. Geburtstag

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Eine bunte Feiergemeinde im Garten des Mehrgenerationenhauses feierte am Samstag den 10. Geburtstag der sozialen Einrichtung.

Groß-Zimmern/Darmstadt-Dieburg - Von der Idee zur Erfolgsgeschichte: das Mehrgenerationenhaus des Landkreises Darmstadt-Dieburg ist zehn Jahre alt. Bei der Geburtstagsfeier der Einrichtung im Groß-Zimmerner Otzbergring drängten sich zahlreiche Besucher und Gratulanten. Von Ursula Friedrich 

Ein Geburstagskuchen durfte freilich nicht fehlen.

„Eigentlich wollten wir nur im kleinen Rahmen feiern“, schmunzelte Christiane Hucke, neben Angelika Seidler Quartiersmanagerin im Mehrgenerationenhaus (MGH). Der Andrang zum 10. Geburtstag sprengte den „kleinen Rahmen“, und obwohl sich die Redner kurz fassten, wurde auch der Zeitrahmen des akademischen Teils deutlich überschritten. Als sich das MGH in Zimmern ansiedelte, wusste kaum jemand die Inhalte einer solchen Einrichtung zu benennen. „Wir waren als Gemeinde ein Versuchsfeld“, sagte Bürgermeister Bürgermeister Achim Grimm (CDU) – was hier beackert wurde, „wusste ich selbst nicht“. Inzwischen ist nicht nur die Frucht aufgegangen, sondern hat bereits viele Ableger. „Die Einrichtung vereint Generationen, hat Vereine, Verbände, Kirchen mit im Boot und alle gesellschaftlichen Themenfelder eingebunden“, freute sich Edda Haack, Leiterin des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg. „Vier Lebensgenerationen unter einem Dach, und zu jedem Punkt gibt es viele Angebote“, sagte auch Tobias Lauer, Bereichsleiter der Diakonie. „Ich schenke dir einen Regenbogen“ – mit ihrem Geburtstagsständchen zeichneten die Kinder der Kita Wichernweg ein buntes Bild des Miteinanders. Alte und Junge, Deutsche und Menschen anderer Kulturen, offizielle Gäste (darunter der Bundestagsabgeordnete Jens Zimmermann sowie die Kreistagsvorsitzende Dagmar Wucherpfennig (beide SPD), Freunde und Besucher des MGH vermischten sich zur bunten Feiergemeinde.

Eine muntere Sängertruppe von Kindern der Kita Wichernweg brachte ein Ständchen.

„Unsere Arbeit folgt dem Wohnquartier-Vier-Konzept“, erläuterte Seidler. Dort, wo die moderne Gesellschaft soziale Lücken aufweist, sucht man dieses Manko zu füllen. „Älteren Menschen ermöglicht dieses ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben, Kinder und ihre Familien, gesundheitlich belastete Menschen, von Armut und Ausgrenzung Betroffene und das gesamte Gemeinwesen profitiert von stärkeren nachbarschaftlichen Strukturen.“ Ein pragmatisches Resultat des theoretischen Ansatzes ist der Erfolg eines Angebots für Langzeitarbeitslose 50 plus des Landkreises. „Acht der damaligen Teilnehmerinn, die keinen Job hatten, machen seit mehreren Jahren im MGH eine tolle Arbeit“, sagte Seidler stolz – und das ehrenamtlich. Das MGH strahlt von seinem Standort Groß-Zimmern ins Umland. „Sie sind ein Impulsgeber“, so die Sozialdezernentin Rosemarie Lück (SPD), etwa für die Ausbildung von Ehrenamtslotsen, wie dies vielfach im Kreis umgesetzt wird. Das Angebot kreisweit ausweiten sei eine Zukunftsaufgabe des MGH. Die 48 000 Euro, die der Landkreis jährlich zur Finanzierung des Hauses zuschießt, sind gemessen an den Erfolgen eine gute Investition.

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