Mehrgenerationenparty in der Silvesternacht

Groß-Zimmern ‐ Wer zur Silvester-Lounge am letzten Tag des Jahres in die Mehrzweckhalle kam, erkannte diese kaum wieder. Alle vorherigen Unkenrufe, dass „Turnhalle eben immer Turnhalle bleibt“, wurden Lügen gestraft. Von Michael Just

Die Veranstalter hatten die Sportstädte in eine Party-Zone verwandelten, die optisch nur noch Staunen ließ. Da die Grundfläche der Halle zu groß ist, schuf man einen Raum im Raum. Die begrenzenden großen, weißen Wände waren nicht nur effektvoll in blau illuminiert, sondern zusätzlich wurden Bilder von sich bewegenden Wassers darauf projiziert. Eine kreisförmige Bar mit Säule im Mittelpunkt, die ebenfalls blau schimmerte, sowie die weiße Farbe der Chaisselongs und Sessel schufen ein edles Designer-Ambiente. Von den sonst üblichen Stehtischen war keine Spur - im Gegenteil, die Besucher erwartete ein mit viel Detailliebe ausgearbeitetes und ansprechendes Konzept, das zeigte, dass hier Profis in Sachen Event-Management am Werk waren. So kamen die Deko-Möbel eigens von einer Agentur aus Offenbach. Seit Dienstagabend wurde die Ladung an Technik und Einrichtung mit über fünf LKW herbeigefahren und aufgebaut.

400 Besucher - von 18 bis 70

Selbst bei genauem Hingucken erinnerte in der Silvester-Lounge kaum noch etwas an die Mehrzweckhalle.

Hinter der Lounge steckt der Groß-Zimmerner Frank Bremer, der zusammen mit Frank Burger eine Veranstaltungstechnik-Firma besitzt. „Wir planen und führen die Sache nur aus, Ausrichter ist der Kerbjahrgang 1965/66 mit Hilfe einiger Mitglieder des Kerbvereins“, sagt der 39-Jährige. Die Kerbseite habe die Halle gemietet, seine GbR kümmere sich um Technik sowie die Einrichtung und trage damit eigentlich das komplette finanzielle Risiko. Alleine für die Bar und die Möbel müssten rund 5 000 Euro kalkuliert werden. „Wir wollten das erst zusammen mit der Gemeinde machen“, berichtet Bremer und verweist auf die große Milleniums-Party vor zehn Jahren. Aufgrund deren Finanzlage sei dies aber nicht möglich gewesen. So habe man eine Kalkulation im Vorfeld erstellt und hoffe nun, dass sich die Sache tragen möge. In der Lounge tummelte sich in der Silvesternacht ein breites Besucherspektrum, das zwischen 18 bis 70 Jahren mehrere Generationen vereinte. Thomas Beutel, Vorsitzender des Kerbvereins, zeigte mit Stolz auf das, was man in der Kürze der Zeit - also da seit November - erreicht hat. Dass es möglich ist, die sonst eher lockeren und saloppen Kerbborschte in eine edle Abendgarderobe zu stecken, kommentiert Beutel mit einem Schmunzeln: „Da sieht man, dass das Kerbborschte-Klientel auch anders kann.“ Insgesamt füllten rund 400 Besucher die Halle, die jedoch noch weitere 100 bis 200 Gäste hätte vertragen können. Während sich bis 24 Uhr die Stimmung verhalten mit einigen Fox-Tänzern zeigte, steigerte sie sich ab Mitternacht zusehends.

Die Veranstaltung hat Zukunft

Vor allem wenn die DJ`s mit modernen Rhythmen am Werk waren, wurde vor der Bühne getanzt. Die Band „Midlive“ war mit drei Bassisten eine professionelle „Ohrenweide“, was ihre Cover-Songs der Scorpions oder von „Guns n` Roses“ anging, doch wollte das Rock-Repertoire nicht immer in die Lounge-Atmosphäre passen. Laut Frank Bremer hat die Veranstaltung Zukunft. „Wir wollen das Feedback abwarten und dann entscheiden, was wir verändern.“ Man könnte ein Buffet hinzu nehmen. Was sich aber ändern müüste ist, dass ein Veranstalter da sein muss, wie es Gemeinde oder Gewerbeverein bei anderen Anlässen sind. „Wir sind keine Firma“, sagt Bremer. Er hofft, dass sich für die Zukunft neue Perspektiven ergeben. Dann dürfte einer Wiederholung der Silvester-Lounge nichts im Wege stehen.

Kommentare