Gemeinsame Vorfahren mit Goethe

Meterlange Ahnentafeln

Wie hießen der Ururgroßvater, wie sein Neffe? Die Ahnenforschung von Hubert und Lothar Burger sowie Gerhard Klober bringt vieles ans Licht. Die Einnahmen ihrer Forschertätigkeit spendeten sie nun an beide Kirchengemeinden. - Foto: Friedrich

Gross-Zimmern - Sie sind Zeitdetektive. Gerhard Klober, Hubert und Lothar Burger reisen regelmäßig in die Vergangenheit, um alte Familiengeflechte aufzuspüren. Bis ins 16. Jahrhundert hat das Trio geforscht, auf der Suche nach Ahnen und Urahnen Zimmerner Familien. Von Ursula Friedrich

Am Ende der aufwändigenRecherchen stehen Ahnentafeln, die von der aktuellen Generation ausgehend zum Teil mehrere Jahrhunderte zurückführt. Etliche Quadratmeter groß ist der Prototyp, den die drei Spürnasen vor den staunenden Augen ihres Publikums im katholischen Pfarrhaus entrollen. Die Ahnentafel der direkten Nachfahren des ältesten Wörtche-Vorfahrens (um 1614) würde sich sogar über 40 Meter Papier erstrecken, so Gerhard Klober.

2007 begann zunächst Hubert Burger mit der Suche seiner Vorfahren und fütterte den Computer mit ersten Daten. Inzwischen hat das Trio 25 000 Personen erfasst und so die größte zusammenhängende Ahnendatenbank von Zimmern und Umgebung geschaffen. Das Hobby sprengt längst den Zeitrahmen. Für viele Bürger werden gegen ein kleines Entgeld Ahnentafeln erstellt. Weil die Drei ehrenamtlich arbeiten, stifteten sie ihre bisherigen Einnahmen an beide Kirchengemeinden - die evangelische und die katholische erhielten einen Scheck über 700 Euro.

„In den Kirchenbüchern sind die besten Daten zu finden“, berichtet Klober von seiner Arbeit. Bis ins Jahr 1718 reichen die Aufzeichnungen der katholischen Pfarrer zurück, die zum Teil in Latein und Sütterlin verfasst wurden.

Protestantische Daten sind noch älter, teilweise jedoch nicht mehr lesbar. Es tun sich weitere Stolpersteine für die Ahnenforscher auf: Oft gibt es mehrere Variationen der Schreibweise von Familiennamen, was die Suche erschwert.

Der typisch zimm"nerische Name Wörtche ist auch als Wärtge, Wörthge oder Wirtgen zu finden. „Das lag vermutlich daran, dass die Leute weder lesen noch schreiben konnten und der Pfarrer den Namen eben so eintrug, wie er ihn hörte!“, vermutet Gerhard Klober – wer nuschelte, zimm"nerisch babbelte oder undeutlich sprach, wurde ergo so verewigt. Neben Kirchenbüchern sind Stamm- und Familienbücher, Einwohnerverzeichnisse, standesamtliche Aufzeichnungen, natürlich das Internet, ja selbst Grabsteine wichtige Quellen.

Um die vielen Daten in den Computer einzugeben, waren bislang 5 000 Arbeitsstunden erforderlich. Dabei sind nicht nur Familienstammbäume erfasst, sondern viele weitere wichtige Details.

Geburts- und Sterbetag, Taufe und Religion, Heirat und Beruf, aber auch Spitznamen sowie weitere wichtige Stationen aus dem Leben wurden vermerkt. War der Bürger Kerbvadder oder Kerbmädsche, Pfarrer oder Mundschenk, Auswanderer oder Heimatliebender? Unter den vielen Tausend Daten sticht eines als Prominentestes hervor: Der Nachweis, dass Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe gemeinsame Vorfahren mit Gustav Löwe, dem Schwiegersohn des Krauße-Josef aus der früheren Gaststätte Braustübchen hat.

Wer sich auf Spurensuche nach den eigenen Ahnen begeben möchte, findet in Gerhard Klober, Lothar und Hubert Burger die richtigen Ansprechpartner. Für das Erstellen einer Ahnentafel berechnen sie zwischen 25 und 32 Euro – arbeiten jedoch ehrenamtlich. Nach Abzug der Materialkosten sollen weitere Einnahmen erneut an die Kirchengemeinden gespendet werden.

‹ Kontakt: Gerhard Klober, s  42509, g.klober@gmx.de, Hubert Burger, s  951553, oder Lothar Burger, s  42493.

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