Das Ei in der Milchflasche

+
Ließen gemeinsam eine Rakete fliegen: die ASS-Schülerinnen Natascha Römer (hinten v. l.) und Saskia Rüllenrath sowie die Friedensschülerinnen (vorne v. l.) Sümeyye Bastog, Zehra Yetkin und Zara Öksüz.

Groß-Zimmern (jd) ‐ Wenn Raketen durch die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) fliegen, sind dafür keine Kriegsminister verantwortlich, sondern die Naturwissenschaftler.

Wer Natron und Zitronensäure in eine Plastik- oder Papprakete hineinsteckt, das Ganze mit Wasser auffüllt und schnell den Deckel verschließt, der stellt Sekunden später fest: Sie fliegt tatsächlich. In der Rakete baut sich ein hoher Druck auf, da das Wasser das Natron und die Zitronensäure auflöst und sich Gase bilden. Der Druck lässt dann den Deckel von der Rakete springen, die dann ihrerseits in die Luft steigt.

Allerdings muss man zum Beispiel darauf achten, dass man nicht zu wenig Wasser verwendet oder den Deckel zu langsam reindrückt“, erklärt Saskia Rüllenrath. Sie ist eine von 18 Schülerinnen und Schülern der neunten Klasse, die an der ASS die Front gewechselt haben: vom Schüler zum Lehrer.

Schüler als Lehrer in Naturwissenschaften

Jugendliche, die im Unterricht gerne mal stören, erfahren so auch selber einmal, wie das für die Lehrer ist“, sagt Saskia Schmitt. Die 26-jährige Referendarin, die zukünftig die Fächer Biologie und Politik/Wirtschaft unterrichten wird, leitet aktuell ein Projekt, das an der ASS schon seit mehreren Jahren durchgeführt wird: Neuntklässler bringen Drittklässlern die Naturwissenschaften näher.

Die dritten Klassen kommen daher seit einigen Wochen an die ASS – sieben Stück werden es am Ende sein. Vier Gruppen der Friedensschule sind zu Gast, eine der Geißbergschule aus Klein-Zimmern und zwei der Schule im Angelgarten. „Wir wollen mit diesem Projekt den Grundschülern auch die Angst vor den Großen nehmen“, sagt Schmitt. Rührig kümmern sich die „Großen“ derweil um die „Kleinen“, die bald gar nicht mehr scheu wirken.

Arbeitsblätter wurden ebenfalls von Schülern angefertigt

Beatrice Rasch aus der Realschulklasse 9b etwa zeigt Sebastian Schulz von der 3a der Friedensschule, wie man richtig mit einem Mikroskop umgeht. Unter dem Objektiv liegt ein Stück Zwiebel, das es zu beobachten und im Anschluss zu beschreiben gilt.

Die Realschüler haben die Arbeitsblätter für die Grundschüler selbst ausgearbeitet und zum jeweiligen Thema außerdem eine fünfseitige Hausarbeit verfasst“, beschreibt Schmitt die Leistungen ihrer Schützlinge.

Noch mehr Versuche beim nächsten Mal

In der neunten Klasse können die ASSler im Wahlpflichtunterricht unter anderem auch den Naturwissenschafts-Kurs herauspicken, in dessen Rahmen das Projekt stattfindet. „Wir wollen so schon ganz jungen Schülern naturwissenschaftliche Phänomene näher bringen“, sagt Schmitt, die auch von Lehrerin Juliane Böhm Unterstützung erhält. So zeigen die „Großen“ den „Kleinen“ etwa, wie ein Ei in eine Milchflasche rutschen kann oder wie das Wetterphänomen El Nino funktioniert. Im Kleinen stellen sie es nach, veranschaulichen das Phänomen auf spielerische Art und Weise.

Die Zusammenarbeit der ASS mit den Grundschulen stößt überall auf positive Resonanz. Von der Klasse 3c der Friedensschule bekamen Schmitt und ihre Neuntklässler nach dem Besuch ein Schreiben, in dem der tolle Vormittag gelobt wird. „Beim nächsten Mal wollen wir dann noch mehr Versuche machen“, schrieben die Kinder hoffnungsvoll.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare