70 Millionen Euro für das Kreiskankenhaus

Darmstadt-Dieburg - „Die Architektur des Kreiskrankenhauses bereitet uns heute außerordentliche Probleme“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Klaus Peter Schellhaas am Montag in Groß-Umstadt. Ungewöhnlich viele Besucher hatten sich zur Sitzung des Sozialausschusses eingefunden - verständlich, schließlich ging es um die Zukunft des Krankenhauses. „Die ist ohne wenn und aber sicher“, bekräftigte Schellhaas.

Sicher ist inzwischen auch, dass das Krankenhaus am jetzigen Standort erhalten bleibt und dass es Zug um Zug umgebaut wird. Dabei ist der Umbau so geplant, dass die einzelnen Schritte nicht direkt aufeinander folgen müssen.

Es können je nach den finanziellen, politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten auch Jahre zwischen zwei Bauabschnitten vergehen. Als Kosten für den Gesamtumbau werden 70 Millionen Euro veranschlagt.

Begonnen wird nun mit dem Neubau der Psychiatrie. „Ein großer Hemmschuh für den Baubeginn war die Forderung des Hessischen Sozialministeriums (HSM), die Psychiatrie in den Baubestand einzugliedern, nämlich in das Pflegeheim“, erläuterte Schellhaas. Diese Forderung ist nun vom Tisch, die Planungen für einen Neubau stehen, der erste Spatenstich soll bereits im Herbst dieses Jahres erfolgen. Die beiden Gebäude der Psychiatrie sollen unterhalb des bestehenden Krankenhauses und des Pflegeheimes entstehen.

Diplom-Architekt Michael Lube vom Büro LSK-Architekten aus Darmstadt erläuterte die weitere Vorgehensweise. In einem nächsten Bauabschnitt soll das jetzige Pflegeheim abgerissen werden und auf diesem Standort ein Ersatzneubau für Versorgung, Allgemeinpflege und Verwaltung entstehen.

Im dritten Bauabschnitt sollen Intensivstation und Aufnahme neu entstehen. Erst im vierten Bauschritt wird das jetzige Bettenhaus fallen und ein neuer OP-Trakt errichtet.

Man erhofft sich von dem Neubau nicht nur die Modernisierung, sondern auch eine Vereinfachung der Arbeitsabläufe für das Personal und damit auch eine Kosteneinsparung von 750 000 Euro im Jahr. „Wir haben jetzt Stationen mit etwa 20 Betten“, erläuterte Keller, „die sind zu klein, um sie nach heutigen Maßstäben wirtschaftlich zu führen.“ Die künftigen Stationen werden 40 Betten erhalten und sternförmig um einen Mittelpunkt angeordnet sein, so dass, je nach Erfordernis, die Stationen einzeln verwaltet oder versorgt werden, aber auch zusammengelegt werden können.

„Das momentane Leistungsspektrum soll beibehalten werden“, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete auf Fragen von beunruhigten Bürgern.

Ausgebaut werden soll möglicherweise die Geriatrie, die in Zukunft voraussichtlich einen noch größeren Stellenwert erhalten wird. „Das Groß-Umstädter Krankenhaus garantiert die Grundversorgung der Bevölkerung für den Ostkreis“, sagte Schellhaas.

Schellhaas sprach auch die Bemühungen bei der Suche nach einem Partner an, die noch nicht aufgegeben worden sei. Zwar seien die Verhandlungen mit dem Dieburger Sankt-Rochus-Krankenhaus vorerst gescheitert, „aber hier ist die Tür noch nicht zu“, sagte Schellhaas.

Da kleine Krankenhäuser (die beiden Kreiskliniken Groß-Umstadt und Jugenheim haben zusammen rund 400 Betten und gelten damit als klein) heute ums wirtschaftliche Überleben zu kämpfen hätten, suche man auch weiter nach Partnern. Die sollen aber auf Augenhöhe sein.

Schellhaas denkt bei seiner Suche an Krankenhäuser in der Umgebung (Odenwaldkreis oder Darmstadt), die keinem großen privaten Träger angehören. „Wir werden nicht mit privaten Trägern zusammengehen und die beiden Kreiskliniken werden auch nicht privatisiert“, schloss Schellhaas kategorisch aus.

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