Marabel, Quarta und Gala aus Zimmern auch im Supermarkt

Ministerin Puttrich sucht Kartoffeln aus

Das Förderband transportiert die Kartoffeln nicht nur in die Kisten, sondern rüttelt zugleich auch schon einen großen Teil der anhaftenden Erde ab.

Groß-Zimmern - Ministerin Lucia Puttrich (CDU) strahlt zufrieden. Vom Förderband hat sie eine Kartoffel geklaubt, die ein bisschen an ein Herz erinnert, nur hat diese Kartoffel eine dritte Einkerbung. Von Ulrike Bernauer

Immer wieder mal fischt die hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine kurios geformte Knolle vom Band, während sie mit großem Interesse den Ausführungen der Agrarwirte René Sander und Jörg Dressel lauscht, die den landwirtschaftlichen Betrieb Dressel/Sander gemeinsam leiten.

Die Ministerin ist zu Besuch auf dem Dresselhof, die Kartoffelernte ist gerade in vollem Gange und Puttrich möchte sich über die Ernte informieren. Gekommen ist auch Friedhelm Schneider, der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, er ergänzt die Ausführungen von Sander am Förderverband.

Während die Ministerin nur punktuell Kartoffeln vom Förderband nimmt, sind zwei Beschäftigte des Landwirts mit ihrer Aufmerksamkeit ganz bei den Kartoffeln.

Beschädigte Erdäpfel werden aussortiert, während sie in großer Geschwindigkeit über das Band laufen. Zuletzt landen die guten Knollen in einer großen Holzkiste gelagert. „Wir haben in diesem Jahr eine neue Halle gebaut und unsere Kartoffelernte auf Kistenlagerung umgestellt“, erklärt Sander.

Die meisten Landwirte in Groß-Zimmern haben die Kartoffelerzeugung wegen der zu schweren Böden bereits eingestellt. Dressel und Sander haben hingegen die Kartoffel zu ihrer Hauptkultur gemacht. Auf 60 Hektar bauen sie die Sorten Marabel, Belana, Agria, Jelly, Quarta, Ditta und Gala an.

Sie beliefern Supermärkte oder Wiederverkäufer, ein Teil wandert in die Direktvermarktung, den Dresselladen.

Der Ertrag in diesem Jahr ist gegenüber dem Vorjahr leicht zurück gegangen. Schuld waren das kalte Frühjahr und die folgende Trockenheit. Folglich sind auch die Kartoffelpreise hessenweit im Durchschnitt gestiegen. Lagen die Erzeugerpreise 2011 zwischen 11 und 12 Euro je Dezitonne, werden in diesem Jahr zwischen 15 und 18 Euro je Dezitonne erzielt.

„Die Qualität ist gut“, berichtet Schneider, der allerdings bedauert, dass die Menschen immer weniger Erdäpfel verzehren. Waren es 1953 noch rund 170 Kilogramm pro Person und Tag, so sind es aktuell nur noch rund 58 Kilogramm.

Die Ministerin interessiert sich auch für das Kühllager, in das die Erdäpfel befördert werden.

Es ist sehr hoch, die Kisten stehen in wohlgeordneten Reihen mit Zwischenräumen. Die sind nötig für die Lüftung und sollen neben einer Temperatur von 4 bis 5 Grad die Fäulnis der Kartoffel verhindern.

Dressel und Sander zeigen den Gästen aber nicht nur das Lager, sondern es geht auch hinaus auf den Acker, wo ein Kartoffelvollernter gerade die Ernte einbringt.

Puttrich lässt es sich nicht nehmen, die Maschine zu erklimmen und steht gleich wieder vor einem Förderband. „Die Bänder transportieren die Kartoffeln nicht nur in die Aufbewahrungsbehälter“, erklärt Dressel, „sondern schütteln auch die Erde ab, die noch an den Kartoffeln haftet.“ Dressel und Sander sind mit der Ernte zufrieden. Die schweren Böden können sie dank verbesserter Technik gut bearbeiten und die Fruchtfolge – Kartoffeln sollten wie jede andere landwirtschaftliche Kultur nicht zweimal hintereinander auf demselben Acker angebaut werden – können sie dank des Flächentausches mit anderen Landwirten auch gut einhalten.

Auch auf dem Gebiet der Vermarktung sind die beiden Landwirte ein gutes Stück vorangekommen. Kürzlich haben sie mit Kollegen aus Groß-Umstadt und Wiesbaden die „Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Hessen w. V.“ gegründet.

Absatzwege gibt es also genug. Jetzt dürften nur nicht noch mehr Ackerböden durch Siedlungs- oder Straßenbau verloren gehen.

Während 1960 noch auf 78 437 Hektar Land Kartoffeln angebaut wurden, wird heute mit 4 300 Hektar nicht mal mehr ein Zehntel dieser Fläche genutzt.

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