NABU erläutert Bau, Montage und Nutzung von Nistkästen

Bei Minusgraden finden Vögel kaum Nahrung

Holzwerkstatt Waldschule: Familien bauten unter fachkundiger Anleitung Nistkästen und Schlafstätten für Vögel und Fledermäuse. Foto: Friedrich

Groß-Zimmern -  Die richtige Immobilie für die Familie zu finden, ist auch in der Vogelwelt nicht immer ganz einfach. Von Ursula Friedrich

Seit der Mensch erheblich in das Ökosystem eingreift, sind einige Vogelarten wie beispielsweise der Specht zurückgegangen, manche Arten sind sogar gänzlich verschwunden, da keine geeigneten Nistmöglichkeiten mehr zur Verfügung standen. Das erklärte NABU-Experte Dr. Lothar Jacob am Samstag.

Seit Jahren veranstaltet der Naturschutzbund daher in Kooperation mit der Waldschule Nistkästenbau-Workshops für Vogelliebhaber.

Rund um die Waldschule dienen rund 120 solche Holzkästen als Kinderstube für viele Höhlenbrüter. Etwa 30 Teilnehmer, meist Familien mit jungem Anhang werkelten auch diesmal in der Waldschule, um geeignete Behausungen für die heimische Vogelwelt zu schaffen.

Mit Feuereifer machten sich junge Handwerker daran, aus den vorgefertigten Holzstücken Häuschen zusammen zu schrauben – ein Fertighaus für Kohl- und Blaumeise, Trauerschnepper und Kleiber.

„Am beliebtesten sind die Akkuschrauber“, schmunzelte Jacob, dessen ausdrücklicher Dank der Zimmerner Familie Nier galt, die alle Holzteile maßangefertigt hatte.

„Wichtig ist, dass das Einflugloch nach Osten zeigt“, klärte der Fachmann auf, und natürlich müssen die Vogelbehausungen im heimischen Garten auch katzensicher angebracht werden.

Wer bereits genügend Nistkästen angefertigt hatte, konnte sich auch um die Fledermauswelt verdient machen und Kästen für die Vampire der Nacht anfertigen. Wasser ist ein großes Thema - Rosinen und Haferflocken statt Brot - Hygiene im Vogelhäuschen das A und O.

Bei ungemütlichen Minusgraden finden Vögel kaum noch Nahrung. Gleichzeitig muss die Körpertemperatur von 40 Grad aufrecht erhalten werden. Ein Kraftakt, der kleine Meisen in frostigen Nächten schon mal zehn Prozent ihres Körpergewichts kosten kann. Wasser ist allerdings ein ebenso großes Thema für die Wildvogelfütterung, sagte Jacob.

Beim Kauf von Futtermischungen sollte auf gute Qualität geachtet werden, da oft auch Ambrosiakerne in Billigfutter zu finden seien. Der Ambrosiasamen keime dann im Garten – die Pflanze (im Fachjargon: beifußblättriges Traubenkraut) ist häufig Urheber von Pollenallergien.

Zurück zur Tierwelt: Um während der frostigen Tage und Nächte zu überleben, haben Tiere ihren Energiestoffwechsel heruntergefahren. Tipp des Biologen: Tiere in der freien Natur nicht stressen, sodass sie unbeschadet durch die Kälteperiode kommen.

Die Vogelhäuschen sollten fern von Katzen einen Platz finden. Und um bibbernde Vögelchen, die in Nistkästen ruhen vor Mardern und Co. zu schützen, ist das Säubern und leeren von alten Nestern ebenfalls erforderlich. Hygiene ist auch für Futterstellen wichtig, um Krankheiten zu verhindern.

Der NABU empfiehlt Futterspender und -silos, die ein verkoten der Nahrung nicht ermöglichen. Abschließend einige Tipps zum Speisezettel der Wildvögel: Körnerfresser (Finken, Sperlinge) sollten Sonnenblumenkerne und Freilandfuttermischungen erhalten. Rotkehlchen, Meise und Amsel, sprich Weichfutterfresser, lieben Obst, Rosinen und Hafer, Kleie und Meisenknödel. Brot, Kartoffeln und Salziges aus dem Kühlschrank sollten für die Vögel absolut tabu sein.

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