Tabuthema „Sucht im Alter“ wird im MGH aufgegriffen

Missbrauch auch mit Melissengeist

Per Brille berauscht: Erwin Maul, ehrenamtlicher Suchtberater, verschaffte sich per Rauschbrille künstlich 1,5 Promille – und war dankbar für das Damengeleit. - Foto:Friedrich

Darmstadt-Dieburg - „Alkohol? Weniger ist besser“, das ist der Titel einer Veranstaltung im Mehrgenerationenhaus in Groß-Zimmern, die anlässlich einer bundesweiten Aktionswoche zum Thema Initiiert wurde. Von Ursula Friedrich

Besonders im Fokus: Alte Menschen, die vornehmlich süchtig nach Alkohol, Medikamenten oder Zigaretten sind.

„Sucht im Alter ist ein Tabuthema“, postuliert Martina Müller vom Demenzservicezentrum, das unter dem Dach des Mehrgenerationenhauses in Groß-Zimmern (MGH) angesiedelt ist. Dabei, das macht schon die demographische Entwicklung der Gesellschaft klar, steigt die Problematik. Ob es die Tabletten sind, die Opa seit Jahren verordnet bekommt, oder der Melissengeist, dessen Alkoholgehalt jeden Schnaps in den Schatten stellt - Sucht im Alter ist ein Problem. Auch, wenn dieses ein etwas anderes Gesicht hat als bei jüngeren Abhängigen.

„Bei älteren Menschen spielen illegale Drogen kaum eine Rolle“, berichtete Erwin Maul (58), ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg. Medikamentenabhängigkeit, Alkoholmissbrauch oder Nikotinsucht sind die Themen im Alter.

„Wir möchten die Problematik stärker an die Öffentlichkeit transportieren“, sagte Maul, der seit August dieses Jahres auch eine (geschlossene) Gruppe Betroffener im MGH betreut.

„Leben und Zufriedenheit“ ist das Thema der Gruppe, die aus dem Modellprojekt „Mein Impuls 50+“ der Kreisagentur für Beschäftigung mündete.

Im Alter trifft das Suchtproblem auf völlig andere Lebensumstände als bei jüngeren Menschen.

Abhängige haben der Berufswelt den Rücken gekehrt, oft ist der Lebenspartner verstorben. „Wir möchten künftig zu einer Anlaufstelle werden, auch, um Menschen aus ihrer sozialen Isolation zu holen“, “, sagte Müller. „Unbedingt müssten (ambulante) Pflegedienste mit ins Boot, um Betroffene ausfindig zu machen. Noch steckt die Hilfe über das MGH in den Kinderschuhen.

Der Träger der Einrichtung, das Diakonische Werk, bietet jedoch im Beratungszentrum in Groß-Umstadt (Am Darmstädter Schloss 2) seit Jahren ehrenamtlich Suchtberatung für Betroffene und Angehörige.

„Ich biete freitags eine offene Beratung an“, so Erwin Maul, auch eine offene Gruppe Alkoholgefährdeter und Angehöriger trifft sich regelmäßig in Groß-Umstadt (Kontakt: s  0152 23849341, oder: www.dw-darmstadt.de.

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