Groß-Zimmerner Motorrad-Raser verliert neben Führerschein auch Job

Mit 100 Sachen durch den Ort

Groß-Zimmern/Roßdorf/Darmstadt – Führerschein weg, Arbeitsplatz verloren und jetzt wieder daheim bei der Mutter im Gästezimmer: Seine Rasertour mit dem Motorrad hat für einen 33-jährigen Groß-Zimmerner drastische Folgen.

Bis zum stationären Blitzer (links im Bild) in Roßdorf hat sich der 33-jährige Groß-Zimmerner noch an die Geschwindigkeit gehalten. Was folgte, war eine wilde Raserei.

Im September 2020 ist der Groß-Zimmerner zunächst vorschriftsgemäß mit 50 Stundenkilometern über die Wilhelm-Leuschner-Straße in Roßdorf gefahren. Richtung Ortsausgang jedoch ist er am dortigen stationären Blitzer vorbeigefahren, soll ihm gewunken haben und sein Kraftrad anschließend noch innerorts auf 100 km/h beschleunigt haben. Sein Pech: Ein Ordnungspolizist hat ihn dabei erwischt. Anschließend verfolgte der Beamte den 33-Jährigen, der versucht haben soll, sich der Kontrolle zu entziehen. Außerorts beschleunigte der Groß-Zimmerner auf der Landesstraße 3104 von Roßdorf nach Ober-Ramstadt sein Motorrad sogar noch auf 170 km/h. Dennoch erwischte der Ordnungspolizist den Raser. Wegen des Verdachts eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens stand der Groß-Zimmerner am Dienstag schließlich vorm Amtsgericht Darmstadt. Die Verhandlung war schnell abgeschlossen: Zu den dreieinhalb Monaten, die dem 33-Jährigen nun schon der Führerschein entzogen wurde, muss er weitere fünf Monate auf seine Fahrerlaubnis verzichten. Dazu kommen 60 Tagessätze à 30 Euro, die er abzuleisten hat. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst sechs Monate gefordert, Richter Bruno Beil – der wegen des neu eingeführten Tatbestands erstmals einen solchen Fall verhandelte und daher auch noch keinen Präzedenzfall hatte – ging aber auf die Forderung des Verteidigers ein, dass der Groß-Zimmerner strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten sei und den Führerschein beruflich brauche.

Doch dazu muss der 33-jährige gelernte Kfz-Mechatroniker erst einmal einen neuen Job finden. Nachdem ihm der Führerschein entzogen wurde, hat sein Arbeitgeber ihm nämlich gekündigt. Infolgedessen hat der Raser wegen des fehlenden Einkommens auch seine Wohnung aufgegeben und zurück zu seiner Mutter nacht Nordrhein-Westfalen ziehen müssen, wo er in ihrem Gästezimmern wohnt. Dass der Groß-Zimmerner sagte, dass er bei der Kontrolle nicht flüchten wollte, sondern einfach nicht nach hinten geschaut und den Ordnungspolizist deshalb nicht gesehen habe („Ich habe ihn deshalb erst wahrgenommen als er mich angehalten hat. Wegzufahren wäre ja blöd, weil ich weiß, dass ich auf den Führerschein angewiesen bin“), erachteten die Staatsanwaltschaft und Richter Beil als irrelevant. Ebenso nicht in die Betrachtung floss, dass der Angeklagte nach eigener Aussage nicht 170, sondern etwas langsamer gefahren sei. „Er war euphorisiert, weil es für ihn das erste Mal nach längerer Zeit auf dem Motorrad war“, sagte die Staatsanwältin, „und deshalb wollte er die Geschwindigkeit ausreizen.“ Daher sei die Strafe gerechtfertigt, egal wie schnell der 33-Jährige im Endeffekt gefahren sei. Objektiv betrachtet sei es schließlich sein Ziel gewesen, die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Und das auf einer Landesstraße, auf der sowieso die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h gilt. „Auf einer Bundesstraße hätte ich das Verfahren vielleicht sogar eingestellt“, sagte Richter Beil. Um seinen Führerschein wiederzubekommen muss der Groß-Zimmerner derweil frühzeitig einen Antrag stellen, einen Sehtest und die Bescheinigung zur Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs einreichen und außerdem erneut Fahrstunden nehmen. Das Urteil haben sowohl der Angeklagte 33-Jährige als auch die Staatsanwaltschaft angenommen, damit ist es rechtskräftig.

Von Lars Herd

Rubriklistenbild: © Herd

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