„Mit Zuckertüte und Herzklopfen“

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Die siebenjährige Kimberley kann schon lesen.

Groß-Zimmern - Die Zeiten haben sich nicht großartig geändert, was die Aufregung vor dem ersten Schultag angeht. Das Herz klopft und die Erwartungen sind hoch. Was wird passieren? Wie werden meine Schulfreunde sein? Doch die Vorschüler von heute scheinen sehr gut vorbereitet. Mit Hilfe von Kimberley und Tim aus Groß- sowie Lisa aus Klein-Zimmern wird der LA in Zukunft darüber berichten, wie die Neuen in den drei Grundschulen zurecht kommen. Von Gudrun Fritsch

Wir haben beim Verkehrsprojekt eine tolle Mappe angelegt“, erzählt Kimberley Knebel und präsentiert stolz ihr Werk. Problemlos kann die Siebenjährige ihren Namen buchstabieren und sie liest fließend. „Ich habe schon ein ganzes Buch durch“, berichtet sie. „Da ist sie fast besser als ich“, gesteht ihr Bruder David (9). Bis vor kurzem besuchte Kimberley den Kindergarten Hörnertweg. Am Montag kommt sie in die erste Klasse der Friedensschule. Den Kindergarten fand sie schön. „Montags haben wir Spielzeug mitgebracht und zuletzt haben wir viel mit den ganz Kleinen der gelben Gruppe gespielt“, erzählt sie und erläutert fachkundig, dass es sich bei den Kleinen um „U3-Kinder“ handelt.

Friedensschule

Am Montag, 24. August, ist für die Klassen zwei bis vier von 10 bis 12 Uhr Unterricht und am Dienstag (25.) von 7.45 bis 10.25 Uhr. Die Einschulungsfeier in der Aula und der Unterricht für die Schulanfänger sind am Dienstag von 10 bis 11.30 Uhr für die Klassen 1a und 1b und von 10.45 bis 12.15 Uhr für die Klassen 1c und 1d.

In komplexen Sätzen erläutert Kimberley den Tagesablauf der Kita, angefangen vom Frühstücksmüsli über Turnraum und Kuschelecke bis hin zur Abholung. Ihre Eltern sind beide berufstätig und sie war bis 16 Uhr dort. „Bis vor kurzem hat sie noch Mittagsschlaf gehalten“, erzählt ihre Mutter, Anja Knebel. „Das war aber langweilig“, meint die Siebenjährige, rückt demonstrativ ihre neue Brille zurecht und sagt: „An die muss ich mich erst noch gewöhnen“. Auf die Schule freut sich Kimberley sehr, eigentlich wollte sie schon im letzten Jahr gehen. Am 16. August geboren wäre sie ein Kann-Kind gewesen. Die Eltern entschieden, ihr noch ein Jahr Zeit zu lassen. „Ich finde es besser, wenn man es am Anfang leicht hat“, so die Mutter. Auch über den Schulablauf weiß die Siebenjährige schon viel vom Bruder und: „Ich komme in die Kuhklasse. Wir waren schon dreimal in unserem Klassenraum mit unserem Lehrer, Herrn Wiedekind. Der kann ganz laut pfeifen.“ Hinten habe sie Platz genommen, schließlich sei sie ja recht groß, meint Kimberley rücksichtsvoll. „Wir haben unsere Namen mit Kreide an die Tafel geschrieben und Blätter nachgezeichnet und in der Pause waren wir auf dem Schulhof“, erzählt sie.

Das Klettergerüst und die Klangoase findet sie toll und sie freut sich schon jetzt auf Fächer wie Deutsch, Sport oder Englisch, obwohl sie weiß, dass Fremdsprachen erst später hinzu kommen. Ein Tier wünscht sich Kimberley, einen Hund oder einen Hasen, ein kleines Geschwisterchen fände sie auch prima. Sie fährt gerne Inliner, will beim TV in die Gymnastikgruppe und sehr gerne würde sie reiten gehen. Während ihr Bruder als Berufswunsch „Astronaut“ angibt, will sie „Stewardess oder Kindergärtnerin“ werden.

Bei den Knebels steht ein Fernseher im Wohnzimmer, die Kinder haben keine eigenen Geräte. Mit dem Laptop kennen sie sich zwar schon gut aus, aber Spielen und Fernsehen werden kontrolliert. Angst vor der Schule hat Kimberley absolut nicht. Das Stillsitzen sei zwar „richtig schwer. Aber das haben wir ja schon ausgiebig beim Stuhlkreis geübt“, erzählt sie. Am Anfang wird die Mutter sie auf dem Weg begleiten, doch bald wird Kimberley mit Freunden oder dem Bruder gehen. Nach der Schule wird sie den „Pfiffikus“ besuchen. Auch hierauf freut sich die Siebenjährige.

Stolz zeigt sie ihren Ranzen, den sie selber ausgesucht hat, und das passende Mäppchen. „Bei uns ist es Tradition, dass die Schulausrüstung von der Oma kommt“, erzählt die Mutter. Auch über das Outfit an ihrem großen Tag hat sich Kimberley zur Überraschung ihrer Mutter schon Gedanken gemacht: „Ein schickes Kleid, wie von früher“, will sie tragen. Den Bruder will sie nicht unbedingt dabei haben und die Großeltern werden wohl erst später kommen. „In der Friedensschule ist nicht so viel Platz. Deshalb wurde darum gebeten, dass möglichst nur die Eltern mitkommen“, erklärt Anja Knebel.

Tim Hiemenz kommt in die Schule im Angelgarten

Tim Hiemenz kommt in die Schule im Angelgarten.

Ich will in die Schule. Da lerne ich schreiben und lesen und noch viel mehr“, sagt Tim Hiemenz überzeugt. Die Frage nach seinem Alter beantwortet er spontan: „Ich bin am 2. Dezember 2002 geboren“. Bis Anfang August besuchte Tim den Kindergarten Hörnertweg, die Oma wohnt dort in der Nähe. Da beide Eltern berufstätig sind hat sie ihn und seine jüngere Schwester regelmäßig betreut. Mit seiner Gruppe war er auch in der Friedensschule zu Besuch. Als Bewohner der Johannes-Ohl-Straße wird Tim am Montag jedoch in der Schule im Angelgarten eingeschult. Der Kennenlerntag vor den Ferien hat ihm gut gefallen. „Wir hatten alle Namensschilder und unsere Lehrerin ist die Frau Klenk“, erzählt er. „Aber wo war eigentlich die Turnhalle?“, denkt Tim laut über ein wesentliches Details nach. Schon im Kindergarten war er gerne im Toberaum. Leichtathletik will er machen und Badminton oder Tennis spielen. „Ich fahre gerne mit meinem BMX-Rad und ich kann schon ganz tief tauchen“, berichtet Tim stolz. Dass er seinen Namen lesen und schreiben sowie „mindestens bis 1000“ zählen kann, findet der Sechsjährige selbstverständlich.

Schule im Angelgarten

Am Montag, 24. August, haben die Klassen zwei bis vier von 10 bis 12 Uhr Unterricht bei ihren Lehrern, ebenso am Dienstag (25.) von 7.45 bis 10.25 Uhr. Die Einschulungsfeier und anschließender Unterricht für die Erstklässer sind am Dienstag von 11 bis 12.30 Uhr. Für die Eltern findet nach der Feier ein gemütliches Beisammensein auf dem Schulhof oder in der Eingangshalle statt.

Den Kindergarten hat er gerne besucht, nur das frühe Aufstehen findet er nicht schön. „Das wird in der Schule auch nicht besser“, weiß er, denn zuletzt wurden die Vorschüler ausführlich auf den Wechsel vorbereitet. „Ganz toll fand ich das Naturprojekt. Da kam auch der Norbert Hechler zu uns und wir haben Mistkäfer, Krebse und eine Monsterraupe gesehen“, erzählt der Schulanfänger begeistert. Echsen, Spinnen und Dinosaurier interessieren ihn, gerne demonstriert er an seinem Hochbett den Fledermaus-Hang und meint: „Ich will bald mal angeln gehen“. Den Verein möchte er näher kennen lernen, die Telefonnummer des Vorsitzenden Dieter Langer, aber auch die einiger Freunde kann Tim auswendig. Später will er einmal Forscher oder Umweltschützer werden, „das ist ein guter Beruf“, meint er. Ein Handy braucht der Sechsjährige bisher nicht und in seinem Zimmer ist weder ein Fernseher noch ein PC. Hier steht noch die Ritterburg neben Spielzeugautos und Büchern. Den Computer der Eltern darf er manchmal benutzen und Filme werden immer gemeinsam geguckt. Fix ist Tim bei Geschicklichkeitsspielen mit dem Nintendo. Abends lässt er sich gerne etwas vorlesen. Tiergeschichten und Bücher von Astrid Lindgren zählen zu den Favoriten. „Besonders gerne hört er zur Zeit Geschichten über sich selbst, wie es war, als er noch ganz klein war“, erzählt seine Mutter, Oriana Hiemenz.

Im Kindergarten war Tim zuletzt einer der Großen, in der Schule wird er bei den Kleinen sein. Das mache ihm keine Angst, aber „ein bisschen mulmig ist mir schon, wenn dann die Älteren kommen und einen verhauen wollen“, gibt er zu. Auch die Aussage des Vaters, dass Prügeleien doch nicht angesagt seien, ändert nichts an seiner Skepsis. „Die Jungen kommen und wollen mit einem kämpfen. Das ist eben so“, beschreibt er seine Erfahrung.

Und noch etwas sieht er mit Skepsis: „In der Schule muss man lange still sitzen und ruhig sein. Das finde ich ganz schön schwer“. Tröstend ist für ihn, dass er nette Kinder kennt, die mit ihm in die Schule kommen. „Da ist auch ein Mädchen mit schwarzen Haaren und die kann sprechen, wir ich es mir nicht gedacht habe“, erzählt er bewundernd.

Zur Einschulung am Montag werden neben den Eltern und der Schwester auch die Großeltern mitkommen. Tims Ausrüstung ist fast komplett. In der letzten Ferienwoche gibt es für ihn noch einen neuen Schreibtisch.

Lisa Küppers kommt in die Geißbergschule

Glücklich ist Lisa über ihre Schultüte.

Der Schulhof ist schön mit vielen tollen Spielsachen“, erzählt Lisa Küppers aus Klein-Zimmern. Etwas müde ist die Sechsjährige am Abend von der Hitze und den Ferienspielen. Aber sie ist zufrieden, denn „es macht viel Spaß“. Auch im Kindergarten hat sie sich wohl gefühlt. Der liegt gleich gegenüber und war für sie wie ein zweites Zuhause. „Die Betreuungszeiten sind zwar für Berufstätige nicht ideal, aber zum Glück haben wir die Großeltern im Haus und nachmittags ein Kindermädchen“, erzählt Lisas Mutter, Sigrid Küppers. Insgesamt ist die Welt in Klein-Zimmern noch etwas kleiner und heiler als anderswo. Auch kleine Kinder können schon früh einiges selbständig unternehmen. Mit ihrem Bruder Max, der in die dritte Klasse kommt, geht Lisa alleine zur Feuerwehr, bei der Gymnastikgruppe der Viktoria hat sie mitgemacht, aber ihr absoluter Lieblingssport ist seit Jahren das Reiten. Dafür muss allerdings das Taxi-Mama her, denn Unterricht ist in Niederklingen. Mit dem Kindergarten waren die Klein-Zimmerner Schulanfänger in der Geißbergschule.

Geißbergschule

An der Geißbergschule beginnt der Unterricht am Montag, 24. August für die zweite bis vierte Klassen von 8.30 bis 11.10 Uhr, am Dienstag (25.) ist von 7.45 bis 10 Uhr Klassenlehrer-Unterricht. Am Dienstag um 11 Uhr ist die Einschulungsfeier mit der zweiten Klasse für Schulanfänger und Gäste.

Lisa kennt die Rektorin und fast alle Lehrer sowie die meisten Kinder der Zwergenschule. „Ich habe bei Frau Geißler Unterricht. Die habe ich dann auch in Musik“, erzählt die Sechsjährige und überlegt, die alte Querflöte auszuprobieren, die sie im Haus gefunden hat. Auch den Klassensaal der ehemaligen Viertklässler findet sie schön. Lisa ist am 19. April sechs Jahre alt geworden und wird bei den rund 14 Erstklässlern voraussichtlich eine der Jüngeren sein. „Oft kommen Kinder aus Groß-Zimmern hinzu. In einer so kleinen Gruppe kann man individuell auf die Schüler eingehen, was für Kinder mit Förderbedarf ideal ist“, berichtet Sigrid Küppers, die auch Vorsitzende des Schulfördervereins ist. In der Geißbergschule kenne jeder Lehrer jedes Kind. „Einmal die Woche bereiten Schüler das gesunde Frühstück vor, das dann im Klassenverband gegessen wird. Zudem sind über unterschiedliche AGs Betreuungszeiten von 7.45 bis 13 Uhr gesichert“, so die Mutter.

Auch bei den Küppers gibt es nur einen Fernseher. Max geht schon mal alleine an den PC, aber ins Internet kommen die Kinder nur in Begleitung Erwachsener. „Ich habe zwei Handys“, erzählt Lisa grinsend und lässt die Klingeltöne der Spielzeuggeräte ertönen. Bücher hat sie viele, auch vom Bruder, der eine Leseratte ist. Vor allem Pferde- und Tiergeschichten liebt Lisa und sie malt gerne und gut, überwiegend Pferde. Ein dreibeiniges Pferd mit Flügeln war ihr Erstlingswerk. Kein Wunder, dass der Schulranzen ähnlich aussieht. Einhörner zieren ihn und die Mutter hat für sie die Zuckertüte gebastelt. Auch hierauf prangt ein Einhorn. Fragt man Lisa nach eventuellen Berufswünschen, so grinst sie kess und meint: „Weißt du doch schon“. Mit den Angeboten: Reitlehrerin oder Pferdepflegerin liegt man bei ihr richtig.

Angst vor dem Schulanfang hat sie keine. „Den Weg kenne ich schon und der Max geht ja auch“, meint sie. Trotzdem hat sich die Mutter in der ersten Woche Urlaub genommen, um die Tochter zu begleiten.

Zur Einschulung kommen selbstverständlich die Eltern mit und der Bruder sowieso. „Die Großeltern müssen sich diesmal aufteilen, denn Lisas Cousin kommt am gleichen Tag in Groß-Gerau in die Schule“, berichtet die Mutter. Dann fällt Lisa noch etwas ein, worüber sie recht froh ist. „Zum Glück bekomme ich noch keine Noten. Nachher wären das Fünfer“, meint sie lächelnd mit Blick auf den großen Bruder und erleichtert darüber, dass es für Erstklässler nur Beurteilungen gibt.

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