Mit „Moment“ gegen Demenz

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Gemeinsam helfen: Martina Müller vom Demenzservicezentrum zusammen mit Sparkassendirektor Markus Euler (v. r.) sowie den Rotariern Albrecht Achilles, Jürgen Geyer und Wolfgang Traiser. Im Hintergrund Bürgermeister Achim Grimm, der für das Projekt die bestmögliche Unterstützung der Gemeinde zusicherte.

Groß-Zimmern (mj) - Einer immer älter werdenden Gesellschaft trägt das Demenzservicezentrum zusammen mit der IG Demenzbetreuung jetzt erneut Rechnung: Zusammen mit interessierten Sportvereinen aus dem Landkreis wird derzeit eine Zusatzqualifikation für Übungsleiter und Trainer durchgeführt.

Im Anschluss werden spezielle Bewegungsprogramme für Menschen mit Demenz angeboten.

Im Mittelpunkt der Seminare stehen die Sammlung und Aufbereitung von kleinen Bewegungseinheiten sowie Gedächtnisprogrammen. Die fünf Ausbildungstage, für die es ein Zertifikat gibt, beinhalten ein spezielles Koordinations- und Gedächtnistraining, Tanz, Sturzprävention und Kundalini-Yoga.

Ziel ist es, in den frühen Demenzstadien die restlichen Gesundheitsressourcen auszuschöpfen und die Betroffenen sozial zu integrieren. Dabei stehen nicht die Defizite im Mittelpunkt, sondern das Können. Mit dem Begriff „MOMENT!“-Gruppen bleibt zudem der Begriff „Demenz“ außen vor um nicht „abzustempeln“. „Alles soll nach Seniorengruppen aussehen“, sagt Ute Müller-Steck vom Landessportbund Hessen.

„Mit den MOMENT!-Gruppen wird auch ein weiterer Schritt für die pflegenden Angehörigen zu deren Stressminderung und Lebensqualität vorgenommen“, weiß Martina Müller vom Demenzservicezentrum.

So sollen diese in den angebotenen Kursen der Vereine ebenfalls ein auf sie abgestimmtes Entspannungstraining vorfinden. Iniziiert und entwickelt wurde das Projekt von der Bildungsakademie des Landessportbundes Hessen und der Diakonie in Hessen und Nassau.

Die Teilnahme an den „MOMENT!-Gruppen“ kann bei den Pflegekassen angemeldet und abgerechnet werden.

Das hessische Sozialministerium finanziert die Umsetzung, jedoch nur dort,wo die Angebote für Demenz noch in den Kinderschuhen stecken. Das ist im Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht der Fall. Um das Projekt trotzdem umzusetzen, machte sich Martina Müller auf die Suche nach Sponsoren und wurde beim Rotary-Club Dieburg-Babenhausen, der Sparkasse Dieburg und der Freiwilligenagentur fündig. Mit einer Unterstützung von 4500 Euro trägt dabei der Rotary-Club rund 80 Prozent der Kosten für das dreijährige Projekt.

„Wir wollten etwas mit Nachhaltigkeit unterstützen. Das ist ein Problem mit großer Brisanz, das da auf uns zurollt“, sagte der Vorsitzende der Rotarier Jürgen Geier. Wie er vorrechnet, leiden bereits 1,3 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz, 200.000 kommen jedes Jahr hinzu. Dabei brach er auch eine Lanze für die körperliche Bewegung, „ da dieser für den geistigen Erhalt eine kaum schätzbare Bedeutung zukommt“.

Demenz noch nicht heilbar

Eine Demenzerkrankung erweist sich derzeit immer noch als kompliziert: Sie ist weder aufhaltbar noch lässt sie sich bei den Betroffenen zurückführen. Ansatzpunkte bieten lediglich ein Motorik- und Gedächtnistraining, mit dem sich zumindestens eine Verzögerung und eine geringere Medikamenteneinnahme herbeiführen lässt.

Bisher gibt es für das Projekt 16 Teilnehmer aus Sportvereinen aus dem gesamten Landkreis, im August sollen in Roßdorf bereits die ersten Ergebnisse umgesetzt werden. Laut Müller ist es das Ziel, dass zukünftig möglichst viele Vereine intern Gruppen organisieren, die Demenz-Erkrankte berücksichtigen. Dabei sollen die Erkrankten nicht separiert werden. Im Gegenteil: Es gilt, dass Gesunde und Kranke zusammen trainieren und so ein möglichst breites Spektrum an älteren Menschen mit unterschiedlichen Auffassungsgaben vereinen.

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