Gefängnisaufenthalt soll helfen

30 Monate Haft für schweren Raub

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Groß-Zimmern - Zwei bewaffnete Raubüberfälle im November 2013 werden Anton R. vorgeworfen (Name wurde geändert). Von Gudrun Fritsch

Unter anderem weil er geständig ist und Reue zeigt, hat ihn gestern das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Dieburg zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. „Sie haben großes Glück, dass wir das Jugendstrafrecht anwenden. Sonst hätte die Strafe wohl bei sieben Jahren gelegen“, mahnte Richter Thomas Roth den 20-Jährigen, der zuvor mit Fußfesseln in den Saal geführt worden war.

R. ist mit zwei Jahren aus dem Kosovo nach Groß-Zimmern zu seinen Eltern gekommen. 2011 legte er hier den Hauptschulabschluss ab und lebte bis zur Inhaftierung mit seinen Eltern und den zwei Geschwistern im Ort. Laut Jugendgerichtshilfe, die ihm keine positive Sozialprognose bescheinigt, ist er altersgemäß entwickelt, aber ihm fehle die Reife eines Erwachsenen. Gefährdet sei er wegen hohen Alkoholkonsums, durch Glücksspiele und Perspektivlosigkeit. Sozialarbeiterin und Verteidigerin waren sich einig, dass keine strafmindernden Gründe geltend gemacht werden könnten. Allerdings: „Dumm ist es schon, einen Bekannten zu überfallen“, so Rechtsanwältin Claudia Lorz-Felten.

Räuber kennt Geschädigten

Sie berichtete für ihren Mandanten, was vorgefallen war. Er habe am 9. November eigentlich mit dem Freund seiner Ex abrechnen wollen und deshalb den Schlagstock und die echt aussehende Pistole eingesteckt. Er habe jedoch den Bus verpasst und sei in den Getränkemarkt in der Röntgenstraße gegangen. Dort habe er das Geld gesehen und sei so erst auf die Idee gekommen, es zu stehlen. R. blieb bis zuletzt im Geschäft, bedrohte den ihm bekannten Marktleiter mit Pistole und Schlagstock und ließ die 1200 Euro mitgehen. „Ich habe versucht, ihn davon abzubringen und auf ihn eingeredet, es sein zu lassen“, betonte der Geschädigte, der als Nebenkläger am Prozess teilnahm.

R. habe ihn dann jedoch in der Toilette eingeschlossen. Weil es so einfach geklappt hatte, ging der Angeklagte zwei Tage später im Nettomarkt genauso vor. Kurz vor Ladenschluss stand er mit einem Überaschungs-Ei an der Kasse, bedrohte dann die Kassiererin und im Verlauf noch eine weitere Angestellte mit Pistole und Schlagstock - für 950 Euro. Mit dem Geld habe er Schulden bezahlt, erklärte die Anwältin. Auch wenn es für seine Taten keine Entschuldigung gebe, so sei ihm doch zugute zu halten, dass er von Anfang an geständig gewesen sei und er wolle sich bei allen entschuldigen, so die Verteidigerin.

Bedrohung mit Waffen und schwerer Raub

Staatsanwalt Markus Birdzag wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass es sich bei den Taten vor allem wegen der Bedrohung mit Waffen in beiden Fällen um schweren Raub handele. R. habe nicht aus einer Notlage heraus gehandelt und spontan seien die Überfälle auch nicht gewesen, denn besonders beim zweiten Raub habe er zielstrebig Waffen und Skimaske mitgenommen. Wegen der besonderen Schwere der Schuld forderte Birdzag eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Dass eine Bewährungszeit auf keinen Fall in Frage komme, darin waren sich alle Prozessbeteiligten einig. Doch die Verteidigerin hielt die Strafe für zu hoch. Seit dem Schulabschluss sei R. haltlos umhergeirrt. Der Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt habe ihm bisher sehr gut getan und er habe inzwischen viel gelernt, rede nun über seine Probleme und könne im Gefängnis voraussichtlich auch eine Ausbildung machen, so Lorz-Felten. Allerdings seien zwei Jahre und sechs Monate Haft ausreichend.

Der Meinung waren auch Richter Roth und die beiden Schöffen. Roth betonte, dass es nicht genüge, im Gerichtssaal Reue zu zeigen. „Sie sollten sich auch bei den anderen Opfern entschuldigen. Menschen, die so mit der Waffe bedroht wurden, leiden nämlich oft noch lange unter der Situation.“ R. versprach, dies möglichst bald zu tun und erklärte erleichtert, dass er das Urteil annehmen und auf weitere Rechtsmittel verzichten will.

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