"Mülldrachen" steigen auch bei Flaute gut

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Ein schönes Bild bieten der baluweiße Lifter, der Schleierschwanz und die bunte Turbine, die Jens Schneider steigen lässt.

Groß-Zimmern (bea) - Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen blauen Himmel und das tolle Herbstwetter am Sonntag lockt viele Zimmerner, aber auch Menschen aus der näheren Umgebung zum Drachenfest der Pfadfinder auf die Wiese am Herrnsee.

Kehrseite des schönen Wetters: der Wind weht nur schwach, so dass sich die Drachen nur schwer in die Lüfte erheben. Besonders die Besitzer von Lenkdrachen sind nach einiger Zeit etwas frustriert, sind diese Himmelsstürmer doch absolut nicht bereit, sich bis zu den Winden zu begeben, die in den oberen Schichten durchaus wehen. So kann man viele Besucher des bunten Festes dabei beobachten, wie sie wieder und wieder losrennen, wie ihre Flugobjekte auch mal ein paar Meter aufsteigen, um sich dann jedoch im Sturzflug in die Wiese zu bohren. Folglich sind die Tische der Pfadfinder bald umringt von eifrigen Drachenbauern. Die einfachen, aus Mülltüten gebastelten Objekte fliegen nämlich erstaunlich gut.

Drachen fliegen so hoch, dass sie kaum noch zu sehen sind

Eli und Peter Halbig sind unter den ersten, die einen „Mülldrachen“ nach Anleitung hergestellt haben. Vater und Tochter haben keine Schwierigkeiten, ihn himmelwärts zu schicken. Auch der große Drachen mit dem Pfadfinderemblem, den die Gruppe schon vor einigen Jahren gebastelt hat, erhebt sich problemlos und steht zeitweilig so hoch am Himmel, dass er kaum noch zu sehen ist. Drachenfan Jens Schneider hat zwei Objelte in die Lüfte geschickt. „Jetzt steigt ein Zelt nach oben“, staunt einer der Zuschauenden als Schneider einen riesigen blauweißen Drachen steigen lässt. Alleine die Schwänze dieses „Lifters“ sind 25 Meter lang. Der rote Drachen, ein Schleierschwanz, hat eine Spannweite von vier Metern und wirkt gegen seinen Kompagnon richtig klein. Ein Lifter hat die Aufgabe, noch einen anderen Drachen, eine Turbine, in der Luft zu halten.

Rund 30 Drachen besitzt der Zimmerner Schneider. Er erklärt: „Man darf immer nur einen pro Person steigen lassen, denn wenn der Wind aufhört, kommen die Flieger unweigerlich runter.“ Schneider lässt seine Drachen aber nicht nur im Herbst fliegen, sondern zu jeder Jahreszeit, wenn Wind weht.

Drachenfest mit großer Resonanz

Mehr Schwierigkeiten haben Holger Jost, Sabine Müller und die drei Töchtern, ihre mitgebrachten Drachen zum Fliegen zu bringen. Bei dem einen fehlt eine Stange und der andere will partout nicht in die Luft. Also hat Jost zusammen mit Jola und Jannes begonnen zu basteln. „Wir wollen heute unbedingt noch einen Drachen in die Lüfte bringen“, sagt der Egelsbacher.

Hermann Schulte, seit kurzem Stammesvorsitzender der Zimmerner Pfadfinder, ist sehr zufrieden mit der Resonanz beim Drachenfest. Mittlerweile tummeln sich etliche der bunten Flieger am Himmel und auf der großen Wiese sind viele Kinder und Erwachsene zu Gange, die die Augen nach oben richten, um ihr Flugobjekt zu beobachten und zu verhindern, das es zu einer Kollision mit dem Nachbarn kommt.

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