Multimedia-Show auf Reisen

Theaterensemble Lampenfieber zeigt das Stück „All Inclusive“

+
Anna Kriegelblitz (Darja Schenk) zückt schon beim Einchecken ihr Handy. Kapitänin Silberstein (Birgit Eisenlöffel) und Stewardess Robinson (Michaela Utz-Jnoncyk, von rechts) bewahren Haltung.

Groß-Zimmern - Einen Rettungsring aus Papier haben alle beim Eintritt erhalten, die meisten auch übergezogen. Das erste, was die Zuschauer des Stücks „All inclusive“ der Theatergruppe Lampenfieber dann erblicken, ist das Interieur eines durch Seegang gebeutelten Schiffes.

Die Stühle in der Mehrzweckhalle bleiben am Samstag glücklicherweise gerade stehen. Der filmische Eindruck bleibt erhalten, auch wenn die Bilder, als die Akteure dann auf die Brücke der MS Odysee treten, dann nicht mehr bewegt sind, sondern einen tollen Blick auf den Ozean bieten. Kapitänin Kathrin Silberstein (Birgit Eisenlöffel) und Stewardess Hermia Robinson (Michaela Utz-Joncyk) schwant nichts Gutes, nachdem sie alle Passagiere persönlich an Bord begrüßt haben. Zu unterschiedlich sind die Urlauber, zu unterschiedlich ihre Beweggründe, auf Reise zu gehen. Herr Schlips (Lukas Seifert) nutzt die Fahrt, um seine wundertätigen Krawatten auch gegen das ausdrückliche Verbot der Kapitänin an den Mann und auch die Frau zu bringen. Auch letztere tragen das eigentliche Männer-Accessoire, weil es gegen alle möglichen Gebrechen helfen soll.

Familie Bernd und Beate Böller (Dennis Lange und Lena Göttmann) mit den Kindern Chantal (Girogia Albrecht) und Kevin (Paul Gütte) hat den Urlaub in einem Preisausschreiben gewonnen und outet sich gleich dem Prekariat zugehörig. Der Familienvater trägt als Gepäck eine Palette Bierdosen mit sich. Wilma von und zu Hofstädt (Doro Lange) mit ihrem Gatten (Thomas Schmitt) hingegen besteht nicht nur auf dem „von“, sondern auch auf dem „zu“: „So viel Zeit muss sein.“

Sprengstoff ergibt sich aber auch aus dem Verhältnis von Anna Kriegelblitz (Darja Schenk) und Tom Topmüller (Enrico Albrecht). Die beiden jungdynamischen Arbeitstiere sind Kollegen, buhlen um das gleiche Projekt und entdecken erst auf dem Schiff, dass sie die gleiche Reise gebucht haben. Der Ruf nach Umbuchung steht sofort im Raum. So ergeben sich spannende Szenen beim Käpt’ns-Dinner, wo Welten aufeinander prallen, aber auch bei der frühmorgendlichen Gymnastik am Pool. Auch der Ausflug in Marrakesch – hier erscheint auf der Leinwand im Hintergrund ein Kamel – ist alles andere als harmonisch.

Die multimediale Show, die sich die Akteure von „Lampenfieber“ haben einfallen lassen, ist mit vielen Gags angereichert, und die Dialoge versetzen die Zuschauer immer wieder in schallendes Gelächter. Sehenswert ist Chantal, wenn sie ihren Bruder ermahnt: „Sprich Artikel, du Opfer.“ Aber auch die Tochter der von und zu Hofstädts, Runa-Cecile (Leonie Pachale) mischt das Ganze mit ihrer Wasserallergie auf, die soweit führt, dass sie kein Wasser trinkt, sich dafür aber von Wassermelone ernährt.

Angereichert ist das Stück, bei dem auch das Ehepaar Seppelmeier (Anne Unger-Winkler und Jürgen Federlin) immer wieder Unruhe hinein bringt, zudem mit externen Akteuren. Die Gruppe schickt 15 Schauspieler auf die Bühne, die sich selbst über die Irrungen und Wirrungen amüsieren, dazu kommen noch Gäste. Den Auftakt macht die Tanzgruppe Moonlights, aber auch Flamenco (Las Tanguillas) können die Zuschauer beklatschen, ebenso wie Bauchtanz (Beate Fröhlich). Für musikalische Beiträge sorgen das Akkordeon-Duo Gerhard Kuhr und Charlie Wiegand (beide kommen als Matrosen auf die Bühne), Aljoscha Crema am Klavier, das Schlackehäuser Saxquintett und die Zimmerner Tenöre. Bekanntlich ist das Kulturprogramm auf einem Kreuzfahrtschiff sehr reichhaltig.

Den Zuschauern gefällt die bunte Mischung. Immer wieder gibt es Szenenapplaus, und am Ende werden die Akteure durch viel Beifall gebeten, sich noch mehrmals zu verbeugen. (zba)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare