Musik, Geselligkeit und guter Kuchen

Groß-Zimmern - (mj) Wer die zehn mit viel Liebe zubereiteten Torten und Kuchen sieht, bei dem kommt unweigerlich die Frage auf, welcher Konditormeister hier wohl am Werke war. „Nein, die sind nicht gekauft, sondern alle gespendet und selbst gemacht. Wir haben eine große Liste von Frauen, die bereit sind, Kuchen zu backen“, sagt Ute Obmann-Bunte.

An der Seite von Andrea Held, Ingeborg Herzbach, Rita Pullmann und Gerda Wörtche bereitete sie am Sonntag Nachmittag im evangelischen Gemeindehaus den Senioren bei „Café am Ort“ einen gemütlichen Nachmittag. Mit dezenten Klängen sorgte das „Salon-Orchester Kloa Paris“ für Unterhaltung.

Das „Café am Ort“ gibt es seit rund drei Jahren einmal im Monat. Mit rund 60 Gästen stößt man stets an die Grenzen der Aufnahmefähigkeit im Gemeindehaus.

„Wir haben mit der Aktion genau den Nerv getroffen“, sagt Obmann-Bunte. „Da es in Groß-Zimmern kein Café gibt, wissen viele ältere Menschen sonntags nicht wohin.“ Die moderaten Preise mit 50 Cent für den Kaffee und 1,20 Euro das Tortenstück seien ein weiteres Argument.

„Hier ist es gemütlich, man trifft Schulfreunde und Nachbarn“, sagt eine ältere Dame, die ungenannt bleiben will. Wie sie heraushebt, ist in der Gemeinde ein Caféhaus vonnöten, trotzdem zeige die Erfahrung, dass dieses nur schwer angenommen wird: „Wenn Zimmner Kaffeetrinken wollen, fahren sie lieber nach außerhalb, weil sie sich beim Essen nicht gerne in den Mund gucken lassen wollen.“ „Café am Ort“ findet sie auch wegen der moderaten Preise gut: „Der Kuchen in einem Café lässt sich heute kaum noch bezahlen.

Das können sich nur die wenigsten Rentner regelmäßig erlauben.“ Mit zwei Freundinnen sind auch Anna Dirscherl und Karin Würtenberger gekommen. Nach einem Spaziergang über Dieburg freut man sich auf Kaffee und Kuchen. Vom Angebot sind die Damen begeistert: „Die Kiwi-Torte können wir nur weiterempfehlen“, sagen sie. Auch sie unterstreichen die „Caféhaus-Problematik“ im Ort: „In Groß-Zimmern funktioniert sowas einfach nicht.“ Für das Quartett führt der Weg zum Kaffeetrinken deshalb oft nach Dieburg. In ihrem Stammcafé sind bekannte Gesichter keine Seltenheit: „Drei Viertel der Gäste sind aus Zimmern“, lachen sie. Das „Café am Ort“ im Gemeindehaus wird nicht nur von Frauen angenommen: Mit Friedrich Wörtche war am Sonntag auch ein männlicher Vertreter zu finden. „Selbstgebackener Kuchen - was will man mehr“, sagt er kurz und bündig. Zum Angebot im Gemeindehaus gehört auch ein Gläschen Wein.

Dazu sagt Wörtche als Liebhaber eines guten Tropfens nicht nein und geht nach dem Kaffee zu einem „Müller Thurgau Kabinett“ über.

Während das „Salon-Orchester“ das nächste Lied anstimmt, werden an den Tischen Neuigkeiten ausgetauscht. Einige Senioren lehnen sich entspannt zurück und genießen sichtlich den sonntäglichen Nachmittag ohne Arbeit und Hektik.

Die gute Laune, die das Café erzeugt, bringt Wörtche auf den Punkt, als sein bestellter Wein kommt: „Das ist ein guter Kirchenwein. Da können wir dann beim nächsten Gottesdienst noch besser singen.“

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