Musik und Requisiten helfen beim Erinnern

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Rührig um ihre Schützlinge bemüht (v. l.): Renate Pfeifer, Erna Chmara, Thomas Steding und Martina Müller betreuen die Demenzgruppe im Demenzservicezentrum Groß-Zimmern (nicht auf dem Foto ist Roswitha Maheux).

Groß-Zimmern/Darmstadt-Dieburg (ula) - Rund 3 500 Menschen im Landkreis sind demenzkrank – so statistische Schätzungen. Und aufgrund der demografischen Entwicklung und immer höherer Lebenserwartungen dürfte diese Zahl allmählich steigen.

Die große gesellschaftliche Herausforderung, Demenzkranke zu betreuen, fördern, aufzufangen ist nicht ohne ehrenamtliches Engagement leistbar.

Als sich vergangene Woche gleich zwei Aktionstermine überlappten, wurde daher in den zahlreichen Betreuungsgruppen des Kreises informiert und geworben. Am 21. September fand der Weltalzheimertag statt, während die Woche vom 16. bis 25. September das bürgerliche Engagement bundesweit ins Rampenlicht rückte. Demenz und Ehrenamt sind im Kreis seit langem zwei fest miteinander verwobene Komponenten.

Reaktivieren, stützen, soziale Kontakte fördern

„Demenz ist der häufigste Grund zur Einweisung Betroffener in ein Pflegeheim“, sagt Martina Müller vom Demenzservicezentrum in Groß-Zimmern. Und dies soll durch gezielte Unterstützung von Angehörigen, wenn möglich, verhindert werden. Reaktivieren, stützen, soziale Kontakte fördern, dies sind Richtlinien, nach denen die Mitarbeiter der 15 Betreuungsgruppen im Landkreis mit ihren Schützlingen arbeiten.

Im Gruppenraum in Groß-Zimmern werden an diesem Donnerstag Volkslieder angestimmt, in Alben Erinnerungen aufgefrischt, Requisiten und Bastelmaterialien herbeigeschafft, um den Einzug des Herbstes und die damit verbundene Apfelernte zu thematisieren.

„Musik ist ein Schlüssel, um den Zugang zu Menschen zu finden“, erläutert Martina Müller, die jedoch auch mit alten Milchkannen und Ähnlichem arbeitet, um alte Erinnerungen bei ihren Schützlingen aufzufrischen. „Mit fortschreitender Demenz geht nicht nur das Gedächtnis, sondern auch die Persönlichkeit verloren“, erläutert sie – ein Prozess den man durch gezielte Förderung abbremsen möchte. Fünf ehrenamtliche Helfer betreuen die Demenzgruppe im Mehrgenerationenhaus, die sich wöchentlich trifft.

120 ehrenamtliche Helfer

Kreisweit sind in den 15 Einrichtungen, etwa der „Brücke“ in Babenhausen, dem „Eulenwinkel“ in Otzberg/Lengfeld, „Spurensuche“ in Münster oder der „Oase“ in Dieburg, 120 ehrenamtliche Menschen um demenzerkrankte Mitmenschen und ihre Angehörigen bemüht.

„Ich wollte einfach in meiner Freizeit etwas sinnvolles tun“, begründete Thomas Steding seinen Einsatz. Renate Pfeifer arbeitete acht Jahre lang im „Lichtblick“ (Groß-Umstadt/Otzberg) und ist seit der Gründung der Zimmerner Demenzgruppe Anfang 2011 mit von der Partie.

Alle Helfer haben eine Grundschulung erhalten, die sie zum Teil sogar vertiefen und sich für größere Aufgabenbereiche qualifizieren. „Ich mache eine zusätzliche Ausbildung zum Alltagsbegleiter, um auch Einzelbetreuung zu Hause anzubieten“, so Thomas Steding.

Bewegungsgruppe in Roßdorf geplant

„Das Ehrenamt ist ein unheimlich wichtiger Baustein unserer Arbeit“, so Martina Müller dankbar. Die Einrichtungen des Landkreises wollen ihr Angebot bald erweitern: In Roßdorf ist eine Bewegungsgruppe geplant, weitere sollen folgen.

Die gesellschaftliche Herausforderung, mit der Krankheit umzugehen, sei immens, so Müller, denn die Lebenserwartungen der Bevölkerung und damit die Wahrscheinlichkeit der Demenzerkrankung würden weiter steigen. Aktuell ist jeder dritte Bürger über 85 Jahren betroffen.

Bundesweit, so die Schätzung wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 verdoppeln und dann etwa 2,4 Millionen Menschen betreffen.

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