Musikalische Weltreise mit Griff in den Kleiderschrank

+
Hugo Hoffmann (links) und Detlev Bergmann führten durch das Programm.

Groß-Zimmern - „New York, Rio, Tokio“, sangen die Sänger von Chorus Line gleich im dritten Lied und gaben damit am Freitag in der Mehrzweckhalle die Linie des Abends vor. Von Ulrike Bernauer

Auch am Samstag nahmen ihr Publikum mit auf eine musikalische Weltreise, bei der die erste Station nicht in den USA, sondern in Griechenland lag.

Opulent ausgestattet war die Reise des Chores, der sich in fast allen Kontinenten tummelte und Songs aus den jeweiligen Regionen intonierte. Chorus Line, der Chor, der bekanntlich hohe Maßstäbe an seine Konzerte und Aufführungen legt, übertraf sich dabei selbst.

Als Konzert konnte man diese Aufführung, die vom Chor selber als „Musical“ angekündigt war, nicht bezeichnen. Mit einem Erzähler-Duo, dem Chorleiter Detlef H. Bergmann und Hugo Hoffmann, das im Flieger die Reise um die Welt moderierte, sowie zahlreichen Spiel- und Tanzszenen brachte der Chor tatsächlich ein selbst gestaltetes Musical auf die Bühne.

Donnernder Beifall nach den Stücken

Die Zuschauer in der bestens besuchten Mehrzweckhalle, die die Aktiven in einen Konzertsaal verwandelt hatten, waren begeistert und spendeten zwar keinen Szenenapplaus - dafür wollten sie offensichtlich zu gerne die Lieder hören - aber der Beifall nach den Stücken donnerte regelrecht durch die Halle. So mancher Besucher konnte es sich auch nicht verkneifen, bei den Liedern mitzusingen, brachte der Chor doch hauptsächlich sehr bekannte Stücke aus vielen Ländern und unterschiedlichen Epochen zur Aufführung.

Nicht nur als Chor überzeugte Chorus Line, auch die zahlreichen Solisten lieferten durchweg eine glänzende Leistung ab.  Foto: Bernauer

Der Applaus galt allerdings nicht nur den perfekt gesungenen Liedern, die oft von Solisten und dem Chor präsentiert wurden, sondern auch der Bühnenshow und den vielseitigen Kostümen. Die wechselten je nach Kontinent. Fröhlich bunt waren sie zur Samba und an der Copacabana, sommerlich in der Karibik und in Australien erinnerten sie eher an Naturburschen.

Neben viel Schneiderarbeit vor der Aufführung haben wohl die meisten Darsteller auch tief in den Kleiderschrank gegriffen.

Bergmann und Hoffmann überbrückten die vielen Kostümwechsel, die immer den kompletten Chor betrafen, mit ihrem heiteren Geplauder im Flugzeug, das sie von Kontinent zu Kontinent brachte. Die beiden mischten sich allerdings auch immer wieder in das Geschehen ein und gaben auch mal ein Solo zum Besten, beispielsweise wenn Hoffmann „Ich war noch niemals in New York“ anstimmte.

Schaurige Schemen wirbeln über die Bühne

Verblüffend war insgesamt die große Zahl an Solisten, die mit ihren Stimmen überzeugten. Dazu gehörten nicht nur die üblichen „Verdächtigen“, wie Dirk Heimburger, der mit einem Russland-Medley glänzte, oder Sascha Löffler, der in Las Vegas den King of Rock’n Roll gab. Solistisch beeindruckten auch andere Sänger des Chores.

Passend gab es etliche Tanzszenen zu sehen. So zeigte der Chor zahlreiche Proben seiner Beweglichkeit, und überraschte so manchen Zuschauer. Wer hätte gedacht, dass Ralf Knierieme so elegant und leichtfüßig über die Bühne tänzeln kann? Ein reines Tanzstück bestach zudem durch Kostüme und die geheimnisvolle Stimmung, die das Schwarzlicht erzeugte. Zu der Filmmusik von „Pirates of the caribbean“ wirbelten schaurige Schemen über die Bühne.

Kein Wunder, dass die Zuschauer nach diesem musikalischen Parforceritt durch die Welt nach über zweieinhalb Stunden Programm nicht genug hatten. Begeistert forderten sie eine Zugabe, die sie in Form eines selbst gedichteten Zimmern-Liedes erhielten - schließlich waren die Weltreisenden doch froh, wieder zu Hause zu sein. Mit einem prächtigen Schlussbild verabschiedete sich der Chor von seinem Publikum, das sich schon jetzt auf die nächste Aufführung freut.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare